Für viele Familien mit kleinen Kindern gehört sie zum Pflichtprogramm: Die Voliere auf der Chantierwiese. Gelbstirnamazone, Mandarinenten und Nymphensittich: 15 Arten leben in der Voliere, 150 bis 200 Vögel sind es insgesamt. «Genau zählen kann man sie nicht», sagt Martin Flury, Volierenobmann des Ornithologischen Vereins Solothurn. Seit elf Jahren kümmert er sich gemeinsam mit drei Wärtern ehrenamtlich um die Voliere. Zwei bis drei Stunden täglich wenden sie abwechslungsweise fürs Füttern und Putzen auf.

Viel Platz hat es in den Innenräumen der Voliere nicht: Eine Toilette, ein langer Gang mit zwölf braunen Türen und eine Küchennische machen das Innere aus. Jede der zwölf Türen ist mit einem Bullauge versehen. An der Wand hängen Schläuche und Fangnetze. Spanische Nüsse werden gleich in Fünf-Kilogramm-Säcken gelagert. In einer Küchennische steht das Futter in Schalen bereit. Kanarienfutter, Agapornis- oder Entenfutter steht auf grossen Schubladen geschrieben. Jede Art hat ihre eigene Futtermischung. Die Papageien erhalten Früchte und Nüsse, die Keimlinge für den Eiweissbedarf der Vögel werden selbst gezogen. Welches ist der auffallendste Vogel in der Voliere? «Eigentlich sind alle Vögel speziell», sagt Flury. Die zwei handzahmen Graupapageien, die sprechen können, seien aber doch etwas Besonderes. Als sein Vorgänger starb, übernahm Flury 2000 das Amt – «eigentlich nur für wenige Wochen.» Daraus sind elf Jahre geworden.

Magnet für Familien

Draussen im Gehege watscheln derweil junge Stockenten um den kleinen Weiher. «Sie wurden vom Wildhüter gebracht», sagt Flury. Wenn er die mutterlosen Tiere aufgepäppelt hat, werden sie an der Aare wieder freigelassen.

«Es kommen viele Familien vorbei», sagt Flury. Die Leute würden die Voliere schätzen. Es sei zwar auch schon vorgekommen, dass Leute durch die Gitter Kritik geäussert hätten. Dann gehe er jeweils hinaus, um mit den Leuten zu sprechen. Neue Vögel kauft die Voliere keine, «Zebrafinken hatten wir schon lange nicht mehr», sagt Flury. Bis dann im letzten Herbst ein Mann seine Tiere vorbeibrachte. In der Zucht gibt es aber immer wieder Nachwuchs, der zum Teil verkauft wird.

Zwei Jahre lang im «Asyl»

Vor genau 110 Jahren wurde die erste Voliere gebaut. Am 1. Juni 1901 wurde im damaligen Stadtgarten, dort, wo heute das «Kantonalbank»-Gebäude steht, ein 13-Meter-Rundbau eröffnet. 8080 Franken kostete der Bau, der auf den Vorschlag eines Försters zurückreichte. Auch in Zug oder St. Gallen wurden damals Volieren gebaut. Neben Musikpavillons waren sie populäres Zubehör in den Parks der Stadtbewohner. 1952 musste die Voliere dem Neubau der Kantonalbank weichen. Zwei Jahre waren die Vögel in Notgehegen des damaligen Volierenobmannes, «Storchenvater» Max Blösch, einquartiert. 1954 wurde das neue Gebäude am heutigen Standort auf der Chantierwiese eingeweiht, zum 100-Jahr-Jubliläum 2001 wurde es saniert. Grösste Sponsoren sind die Einwohnergemeinde und die Regio Energie.