Die für Solothurn gewaltige Besucherzahl von 25'000, die die Organisatoren für die diesjährigen Bike Days gemeldet haben, macht den Anlass zum beliebtesten Velofestival der Schweiz und wird kaum mehr weiter zu steigern sein.

Aber die schiere Zahl von Spitzenathleten mit Weltruf, die zum Beispiel bei den Wettbewerben im Dirtjump und BMX Flatland das Publikum begeistert haben, wächst und wächst. Und dazu gab es erst noch bei fast jedem Aussteller eine zusätzliche Attraktion, die es auszuprobieren galt.

Dass der Besuch der Bike Days Eintritt kostet, diene dazu, die Qualität des Publikums für die Aussteller zu erhöhen. Der Eintritt mache nämlich nur etwa zehn Prozent des gesamten Budgets aus. «Den grössten Teil übernehmen die Aussteller», sagt Organisationskomitee-Präsident Erwin Flury.

Aber überfordert man den Besucher mit dieser Fülle an Attraktionen nicht? «Im Gegenteil. Wenn ein sportlicher Höhepunkt läuft, dann zieht das die Leute nur für kurze Zeit von den Ausstellern weg», meint er. «Dann strömen sie wieder zurück und testen die Produkte.» Flury ist überzeugt, dass die vielen Attraktionen die Aufenthaltsdauer der Besucher deutlich erhöhen. «Wer neue Kunden gewinnen will, der muss das Velo inszenieren», meint er.

Terminkollision

Einzig beim Swiss Bike Cup fehlten diesmal die ganz grossen Namen, weil diese an einem Weltcuprennen engagiert waren. «Die Terminkollision ist etwas schade», sagt Erwin Flury, «aber nächstes Jahr werden die Bike Days wieder früher, nämlich vom 5. bis 7. Mai, durchgeführt. Ich hoffe, dass dann die besten Mountainbiker und Publikumslieblinge wie Nathalie Schneitter wieder bei uns an Start sein werden.»

Bike Days 2016: Mit Lucas Huppert über die Rampen für die MTB Dirt Swiss Quali

Mit Lucas Huppert über die Rampen für die MTB Dirt Swiss Quali

E-Bikes werden immer wichtiger

Es gab nicht nur Spitzensport zu bewundern, sondern auch viele Neuheiten, besonders bei den E-Bikes. Manche sehen aus wie eine Indian Scout, die Motorradlegende aus den 40er-Jahren. Sind das nicht einfach Motorräder mit Pedalen? Die ergonomische Haltung wurde der Ästhetik geopfert, mit einem «Italjet» will man cool aussehen, ohne zu schwitzen.

Und warum nicht mit einem Blumenstrauss am Lenker durch die Natur fahren? Andere E-Bikes sind von traditionellen Rennvelos nur durch den Batteriekasten zu unterscheiden, so klein ist der Motor am Hinterrad. Zahnriemen statt Ketten und andere Hightech-Details zeichnen die heutigen E-Bikes aus. Eine bisher nie da gewesene Reichweite von 250 Kilometern verspricht Philipp Biberstein; mit einem Speedped fahre man in fünf Stunden über den Grimselpass nach Brig. «Mit diesem Langstreckenfahrzeug pendelt man zum Beispiel von Solothurn nach Bern zur Arbeit», erklärt er. «Mit einem Speedped fährt man eine Stunde durch die Natur an der frischen Luft, statt mit dem Auto im Stau zu stehen.»

Für den Entwickler des Speedpeds, den Emmentaler Philippe Kohlbrenner, sind die Bike Days ideal, um der Szene auf den Puls zu fühlen. «Für uns steht der Verkauf hier nicht im Vordergrund. Wir knüpfen Kontakte mit den Kunden und finden deren Wünsche heraus, damit wir unsere Produkte weiter verbessern können.»

Von Tokio nach Solothurn

Hände weg vom Lenker – das Zweirad wird zum Turngerät für Akrobaten. Etwa so lässt sich BMX Flatland beschreiben. Als vor bald 10 Jahren die erste Show in Solothurn durchgeführt wurde, lockte das gerade zwei Dutzend Zuschauer an.

Im letzten Jahr waren die Bike Days erstmals Teil des BMX Flatland World Circuit und auch diesmal waren sie der Auftakt der internationalen Contest Serie. Plötzlich füllt dieser bei uns noch immer als exotisch geltende Sport die Tribüne in der Rythalle bis auf den letzten Platz und die besten Athleten der Welt sind da – darunter auch Yohei Uchino.

Impressionen von den Bike Days 2016

Impressionen von den Bike Days 2016

Extra aus Tokio für die Bike Days nach Solothurn gereist war der Toursieger des Jahres 2014. Der Japaner war begeistert von der Stimmung in der Rythalle. «Es ist eine tolle Motivation für mich, wenn ich von so vielen Leuten angefeuert werde», sagte Uchino nach seinem Auftritt. Das sei er sich selbst in Japan, wo BMX Flatland mit über 15 000 Athleten längst aus der Randsport-Ecke herausgewachsen ist, nicht gewohnt.