Brand im Von-Roll-Haus
Die Grossmutter wollte zuerst mit Feuerlöscher eingreifen

Der Brand im Von-Roll-Haus vom Montagvormittag wurde von der Grossmutter bemerkt. Sie wollte das Feuer noch mit dem Feuerlöscher bekämpfen. Es war aber schon zu spät.

Wolfgang Wagmann
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Hier, in der Küche über dem Innenhof, soll der Brand ausgebrochen sein

Hier, in der Küche über dem Innenhof, soll der Brand ausgebrochen sein

Wolfgang Wagmann

Fassungslos steht Hauseigentümer und -bewohner Andreas von Roll um 11.15 Uhr ganz oben auf der St. Ursentreppe. Er starrt auf schwarze Fensterhöhlen, aus denen immer noch Rauch quillt. „Angefangen hat es offenbar ganz im Osten, in der stillgelegten Küche. Das Grosi hat den Brand bemerkt und wollte zuerst mit dem Feuerlöscher eingreifen. Dann alarmierte sie die Feuerwehr.“ Und zweimal nacheinander sagt der Arzt wie zur Selbstberuhigung: „Aber es sind alle draussen. Alle sind draussen.“ Denn die Grossmutter – Marianne von Roll, die Mutter von Andreas - hat gleich drei Enkel und zwei Enkelinnen.

Das Von-Roll-Haus ist unverkäuflich

Erstmals erwähnt wurde das Haus 1420. Bereits 1495 kam es als Hochzeitgabe in den Besitz der Familie von Roll. Johann Ludwig von Roll legte 1710 in seinem Testament fest, dass das Haus unteilbar und unverkäuflich bleibe und immer an den ältesten Nachfahren der Familie übergehe. Diese Rechtsform legt das ganze Ensemble als so genanntes Fideikommisshaus fest. Im Lauf der Jahrhunderte wurden stets neue Gebäudeteile errichtet. So 1691 das zweistöckige Treppenhaus, gefolgt 1694 vom dreigeschossigen Neubau an der Ostseite. 1780 liess Franz Joseph von Roll den ältesten Teil, den Südwestflügel, modernisieren. Seit 1997 wurde der ganze Komplex in Etappen renoviert, zuletzt 2013 der prächtige Rittersaal. (ww)

Das Haus ist vorerst nicht mehr bewohnbar

Zusammen mit Sohn Andreas und seiner Frau Simone eine richtige Grossfamilie, die das stattliche Patrizierhaus bewohnt und vorderhand ausziehen muss. Denn auch die benachbarte Wohnung westlich der Küche im Oberen Stockwerk ist vom Brand versehrt worden ist. Gegen 14 Uhr können sich Andreas und Simone ohne ihre fünf Kinder aber mit anderen Familienmitgliedern in den verwüsteten Räumen umsehen. Andreas‘ Onkel Urs Bentz hat dies bereits getan, das Fazit ist klar: „Da kann man nicht mehr wohnen.“ Er ist gekommen, um seinem Neffen und der Familie Unterkunftsmöglichkeiten aufzuzeigen – Bentz hat selbst einmal mehr als 20 Jahre im jetzt ausgebrannten Von-Roll-Haus gewohnt und kann den Verlust für die Arztfamilie nachvollziehen.

Das Feuer lodert aus dem Fenster
25 Bilder
Brand in der Solothurner Altstadt - Feuer im Von-Roll-Haus
Die zerborstenen Fenster
Die Ostfassade des Von-Roll-Hauses
Das Brandobjekt vom Kronenstutz aus
Rauch steigt über der Altstadt auf.
Über den Garten des Von Roll-Hauses griff die Feuerwehr den Brandherd an
Vor dem Mauritiusbrunnen ist der Einsatzschwerpunkt der Feuerwehr
Hier, in der Küche über dem Innenhof, soll der Brand ausgebrochen sein
Russ steigt aus den Fenstern.
Russ steigt aus den Fenstern
Ein Feuerwehrmann bekämpft den Brand
Die Feuerwehr ist mit einem Grossaufgebot vor Ort
Die Hauptgasse wurde im Bereich des Brandes gesperrt
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr
Die Feuerwehr legen einen Schlauch aus
Die Feuerwehr ist mit mehreren Fahrzeugen vor Ort
Tourismusdirektor Jürgen Hofer im unversehrten Rittersaal

Das Feuer lodert aus dem Fenster

Reto Steffen

Sparsam Löschwasser eingesetzt

Im Parterre könnte Löschwasser Schäden angerichtet haben. Martin Allemann, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Solothurn: „Der Alarm erreichte uns um 10.49 Uhr und wir führten einen Schnellangriff mit 20 Mann durch. Löschwasser setzten wir wie immer spärlich ein.“ Sicher floss dieses – wie beobachtet – über die steinerne Wendeltreppe aus dem Obergeschoss hinunter in Richtung des gepflästerten Innenhofes.

Rittersaal ist intakt

Eine weitere Sorge gilt dem erst vor zwei Jahren renovierten Rittersaal oberhalb des Tourist-Offices. Um 11.20 Uhr sehen sich Martin Allemann und Tourismusdirektor Jürgen Hofer oben um. „Es ist nichts passiert“, kann Hofer kurz danach Entwarnung geben. Im Treppenaufgang stinkt es zwar nach Rauch, im Rittersaal dagegen kaum. Auch das Tourist-Office war vom Brand betroffen. „Wir mussten das Büro verlassen“, so Hofer, die Feuerwehr war sehr schnell da.“ Kurz vor Mittag kehrt im Tourismusbüro wieder Normalität ein. „Die Computer laufen jedenfalls“, bestätigt zu diesem Zeitpunkt das Personal.

Stadtkater ist dem Brand entkommen

Anfangs Nachmittag kann Andreas von Roll betätigen, dass ihr schwarzer, langhaariger Stadtkater Otto dem Brand entkommen ist. „Er ist wohlauf und vorläufig in der Tierarztpraxis an der Rathausgasse untergebracht. Otto ist meistens auf der Leutsch und hat viele Freunde in der Altstadt. Und er hat schon manche andere brenzlige Siutation souverän gemeistert, so auch diesmal.