Freitagsgalerie

Die grosse Einheit in der Dualität

Fraenzi Neuhaus zeigt ihre neuesten Zeichnungen in der Freitagsgalerie in Solothurn.

Fraenzi Neuhaus zeigt ihre neuesten Zeichnungen in der Freitagsgalerie in Solothurn.

Die 58-jährige Solothurner Künstlerin Fraenzi Neuhaus stellt in der Freitagsgalerie in Solothurn Zeichnungen aus.

Man verbindet die Solothurner Künstlerin Fraenzi Neuhaus immer zuerst mit ihren oft raumfüllenden oder raumfordernden, dabei so filigranen plastischen Arbeiten. Aus Kabelbindern, High-Tech-Material und Kunststoffen, mit feinen, verknüpften Linien wie Zeichnungen bespielen sie Räume, bezeugen die Dualität von organischer Gestalt und räumlicher Idee, von Innen und Aussen, Natur und Synthetischem, Leichtigkeit und fester Konstruktion.

Gleichzeitig zu ihrem plastischen Werk sind jeweils auch die Zeichnungen entstanden: lineare Geflechte und naturhafte Vernetzungen, die gleichermassen mit der Dualität von ursprünglicher Struktur und synthetischem Material eine Verbindung eingehen, von der 58-jährigen Künstlerin mit Bedacht und Kreativität geführt. Bildträger ist technisches Transparenzpapier. Doch die linearen, zeichnerischen Gefüge interpretieren die Grundstrukturen aller Lebensfragen als ein Netzwerk des wandelbaren Seins, des Denkens, Fühlens, des Vergehens, und eben auch der modernen Kommunikation des weltweiten Netzes. Denn so wie in ihren transparenten, dabei stabilen Plastiken, vernetzen sich auch in den Arbeiten der Reihe «SynapsoTop» die Linien zu elegant-schwungvollen Werken. Sie verknüpfen sich zu synapsen-artigen Gebilden, finden sich zu ader-artigen Gefügen, überlagern, verdichten sich, lösen sich wieder auf oder fügen sich zu kokon-artigen Formen.

Dazu bearbeitet Fraenzi Neuhaus zwei Transparenzpapiere, indem sie die Tuschfarben mit Pipette und Blasrohr beidseitig zu diesen linearen Bewegungen auf das Papier überträgt und beide über einander legt, sodass ein vierseitiges Bild entsteht. Kaum erkennbar vervollkommnet sie diese linearen Strukturen mit dem Farbstift. Zentral sind hier die feinen synapsen-artigen Verbindungen, dieses Netzwerk der Gegensätzlichkeiten, die sich dennoch – wie im Leben – bedingen, bis sich das Widersprüchliche von Material und Thema, von Intuition und Inspiration, klarer Struktur und künstlerischem Zufall, von Kreativität und Ordnung – frei von Raum, Zeit und festgelegten Bedeutungen – zu einer durchaus sinnlichen Einheit finden.

In den Werken der Reihe «FrancaDora», die weniger zeichnerisch-linear als vielmehr malerisch in den Farben wie ein Aquarell sind, tritt die Natur als assoziative Wahrnehmung in den Vordergrund. Hier ist nun das Transparenzpapier in einer Art Abklatschtechnik beidseitig bearbeitet. Im ebenfalls diffizilen künstlerischen Prozess entstehen amorphe, naturhafte Formen von teils textilem Charakter. Die Farben und deren Nuancen scheinen dabei ineinanderzufliessen oder sich zu komprimieren wie im Aquarell.

Dezente zeichnerische Konturen und Akzente betonen eher die Natur und ihre wandelbaren Strukturen, in die Fraenzi Neuhaus kaum wahrnehmbar für die Betrachtenden mit dem Farbstift eingreift. Hier nun wirkt die von der wissenschaftlichen Zeichnung kommende geübte Hand, die dem Naturgedanken den letzten Schliff verleiht und die Raffinesse des Bildprozesses mit der Sensibilität der Bildwirkung zur Einheit der Dualität vereint.

Bis 26. September. Geöffnet: Freitags, 16–20 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung, Tel. 032 622 64 34.

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