Solothurn
Die goldene Kugel auf dem Rathaus ist eine Zeitkapsel

Seit kurzem sitzt die – frisch vergoldete – Kugel wieder auf der Spitze des nördlichen Treppenturmes des Ratshauses in Solothurn. In ihrem Inneren lagern Zeitdokumente.

Elisabeth Seifert
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Das Team vor dem Einsatz v.l.n.r. Moritz Schiess (Holzbau), Maler Claudio Mombelli, Schlosser Toni Maccaferri, Projektleiterin Brigitte Marti, Spengler Michel Netzer und ein Mitarbeiter der Netzer AG.
12 Bilder
Die neue Spitze des Nordturms wird vorbereitet
Die vergoldete Kugel mit dem Durchmesser von zirka 40 Zentimetern ist in luftiger Höhe angekommen
Die vergoldete Kugel wird angehoben
Danach wird sie über die Spitze gestülpt
Noch ein Gruppenfoto mit den Regierungsräten Roland Fürst und Roland Heim
... dann wird die Kugel langsam hinabgelassen
Schlosser Toni Maccaferri fixiert die Kugel
Frisch vergoldete Kugel wird auf Solothurner Rathaus montiert
Das Solothurner Wappen kommt auf die Spitze
Und fertig!

Das Team vor dem Einsatz v.l.n.r. Moritz Schiess (Holzbau), Maler Claudio Mombelli, Schlosser Toni Maccaferri, Projektleiterin Brigitte Marti, Spengler Michel Netzer und ein Mitarbeiter der Netzer AG.

zvg

Stück für Stück wird in diesen Tagen das Gerüst um den nördlichen Treppenturm des Rathauses abgetragen. Damit haben die Solothurnerinen und Solothurner bald wieder einen freien Blick auf die höchste Erhebung ihres Regierungssitzes. Frisch vergoldet glänzt die Kugel an der Turmspitze mit der Sommersonne um die Wette. Und ganz oben auf der Eisenstange, die drei Meter hoch aus dem nagelneuen Kupferdach ragt, zeigt die Wetterfahne – in den Solothurner Farben – die Windrichtung an.

Die goldene Kugel ist dabei weit mehr als «nur» eine prachtvolle Verzierung. Sie ist vielmehr eine Zeitkapsel, die in ihrem Inneren Dokumente birgt, die Auskunft geben über die Baugeschichte. Ob auf dem Rathaus oder so manch anderen Türmen, Toren oder Schlössern in und um Solothurn und in ganz Europa.

Ein Brauch, der bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, wie Urs Bertschinger weiss. Der Bauforscher im kantonalen Amt für Denkmalpflege und Architektur war wesentlich involviert in die Renovationsarbeiten des Treppenturmes.

Die Zeitung als Zeitzeugnis

Ganz entsprechend dieser alten Tradition haben alle an der Turmrenovation Beteiligten die aufgefrischte Zeitkapsel mit Zeitdokumenten bestückt – und diese danach auf die Turmspitze gesetzt. Geschehen ist dies in einem kleinen Staatsakt am vergangenen Freitag in den frühen Morgenstunden. Die Idee dazu hatte Urs Bertschinger: «Schliesslich wird man nicht alle Tage Zeuge eines solchen Ereignisses.» Mit dabei war mit Roland Heim und Roland Fürst auch eine Delegation des Regierungsrates. In einem Bleizylinder gut verwahrt bezeugen im Kugelinneren die folgenden Zeugnisse die gerade abgeschlossene Renovation: Handwerkerberichte, eine Fotodokumentation, eine Geschichte des Turmbaus, ein aktuelles Regierungsratsfoto – und auch die Ausgabe der Solothurner Zeitung vom 3. Juli 2015.

Der neue Zylinder kommt neben einem älteren zu liegen, der bei der letzten Renovation der Kugel beigegeben worden ist. Renovation und Zeitzylinder datieren aus dem Jahr 1925. Hier belegen handschriftliche Berichte die vorgenommenen Bauarbeiten – und Ausgaben von gleich drei Zeitungen (Solothurner Anzeiger, Solothurner Zeitung und Solothurner Tagblatt) die damalige publizistische Vielfalt.

Das Gemeindereglement der Stadt Solothurn schliesslich vermittelt einen Einblick in die politischen Verhältnisse. Weiter zurück lässt sich die Baugeschichte des Nordturmes, errichtet von 1632 bis 1634, nicht verfolgen. Jedenfalls nicht mit Dokumenten aus der goldenen Kugel. Sehr zum Leidwesen von Bauforscher Urs Bertschinger: «Normalerweise werden bei jeder Renovation die alten und die neuen Zeitdokumente in die Kugel gelegt.»

Nötig gemacht haben die Renovationsarbeiten undichte Stellen am Kupferdach des Turmes, das zum letzten Mal zu Beginn des 20. Jahrhunderts erneuert worden war. Für das komplett neue Dach sei, so Bertschinger, «vorpatiniertes Kupfer» verwendet worden. Deshalb erscheint auch das neue Dach grün und nicht etwa braun. Der Dachstuhl des Turms im Übrigen bewahrt die ursprüngliche Bausubstanz aus dem 17. Jahrhundert.

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