Beim Betreten des Künstlerhauses S11 erwartet den Filmtagebesucher ein Raum, der Lust auf mehr macht. Mit Fotografien und sogar dem eigenen Spiegelbild konfrontiert, werden die vier verschiedenen Positionen markiert, die jeweils in einem der Ausstellungsräume vertreten sind.

Diese Positionen wurden von fünf Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste aus den Bereichen Kamera, Montage, Regie sowie Kunst und Medien gestaltet. Sie bespielen den Kunstraum mit ihren ganz eigenen Werken. «Wir wollen jungen Talenten eine Plattform bieten», erklärt die Kuratorin der Ausstellung Miryam Abebe.

Angst erleben

Eines dieser jungen Talente heisst Sarah Jüstrich, deren Fotoarbeiten für den Dokumentarfilm «Maschinen» entstanden sind und den Betrachter in den Tagebau Garzweiler entführen. Der Braunkohle-Tagebau im nördlichen Rheinischen Braunkohlerevier wirkt dabei visuell reizvoll und vermittelt eine gewisse Schönheit, was einen krassen Gegensatz zu der gezeigten Umweltzerstörung darstellt.

«Angst treibt uns an. Sie hält uns auf. Sie scheint uns an unsichtbaren Fäden zu lenken. Doch darauf zu sprechen, kommen wir selten.» Mit diesen Worten leiten Severin Hallauer und Jonathan Hug ihre Rauminstallation ein und kommen somit genau darauf zu sprechen, was so oft verschwiegen wird. Denn ihr wie eine Black-Box eingekleideter Raum mit Videoprojektionen kann beim einen oder anderen Besucher schon gewisse Angstgefühle evozieren.

Überall Ausländer

Auch der in Metzerlen SO aufgewachsene Jonas Schaffter befasst sich mit einer gewissen Form von Angst. Nämlich der Angst, nirgendwo richtig dazuzugehören. Für seinen Masterabschlussfilm war Schaffter vergangenen Sommer in der Türkei unterwegs: «Während vier Monaten habe ich junge Männer besucht, die in der Schweiz aufgewachsen sind, aufgrund einer Straftat aber ausgewiesen wurden.» Im Fokus seiner audiovisuellen Arbeit «Aus den Augen, aus dem Sinn» steht jedoch weniger die Abschiebung an sich, sondern die Frage, was Heimat bedeutet und wie sie sich anfühlt.

Zahlreiche Fotografien sind in einem Raum angeordnet, der mit türkischen Teppichen und Schweizer Fähnchen eine gewisse Wohnzimmer-Atmosphäre vermittelt und mit einer Tonspur, auf der die Betroffenen zu hören sind, bespielt wird. «Ausländer bin ich überall – egal ob in der Türkei oder in der Schweiz», so ein in Zuchwil aufgewachsener Türke. Derselbe Mann zeigt auf einem Bild die Solothurner Skyline, die er gerne in seiner Istanbuler Wohnung an die Wand malen lassen würde, und versinnbildlicht so die Sehnsucht dieser Männer, eines Tages wieder in die Schweiz zurückkehren zu können.

Bilder als Zutaten

Ein Film verlangt eine Menge an fotografischer Vorarbeit und Bildrecherche. Dies verdeutlicht die Arbeit von Ramón Königshausen. So widmet sich der Kameramann Aufnahmen seiner drei an den Filmtagen zu sehenden Filmen «Millimeterle», «Peripherie» und «Les Heures-Encre». Dabei sind es aber nicht die Bilder, die es tatsächlich in die fertigen Filme geschafft haben, sondern solche, die im Vorfeld entstanden sind und als erste Visionen die Bildsprache geprägt haben. «Denn Filmemachen ist für mich wie Kochen: Man hat die Qual der Wahl zwischen zahlreichen guten Zutaten, entscheidet sich dann für etwas und mit genügend Würze ergibt sich ein Gericht, das sich sehen lassen kann», so Königshausen. Im Künstlerhaus S11 jedenfalls schmeckt es bestimmt.

Die Ausstellung im Künstlerhaus dauert noch bis zum 5. Februar an. Infos zum Studiengang sind unter www.filmstudieren.ch zu finden. Infos zum Künstlerhaus gibts unter www.s11.ch.