Naturmuseum Solothurn
Die Geschichten hinter den Naturobjekten

Im Naturmuseum Solothurn wird in der Sonderschau «Wunderbare Objektgeschichten» das Thema der Naturwesen aufgegriffen, die dem menschlichen Geist entsprangen.

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Wunderbare Objektgeschichten
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Ausstellung «Wunderbare Objektgeschichten» im Naturmuseum Solothurn
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Andreas Kaufmann

Von einem «Brustgesichtler», «Strohhalmsauger» oder einen «einbeinigen Schattenfüssler» haben im Biologieunterricht selbst die aufmerksamsten Schüler kaum je etwas vernommen. Auch wenn schon Plinius der Ältere - Naturforscher wohlgemerkt - sie vor 2000 Jahren beschrieb. Ebenso wenig erfährt man etwas Wissenschaftliches über Einhörner oder schreiende Alraune.

Dennoch widmet sich das Naturmuseum in seiner Ausstellung «Wunderbare Objektgeschichten» diesem wissenschaftlichen Grenzbereich: den Fabelwesen und Erfindungen, den Ängsten und Fantasien, den Produkten, die der menschliche Geist aus dem Rohmaterial seiner Naturwahrnehmung hervorgebracht hat. «Einerseits geht es um Geschichten, die hinter den Naturobjekten stehen. Andererseits um die Interpretationen zu den Objekten, die sich im Laufe der Menschheitsgeschichte verändert haben», erklärt Museumspädagogin Joya Müller.

Abhängig sind die Interpretationen meistens vom Weltbild der Naturforscher oder der Gesellschaft, in der sie lebten.

Naturfälschungen im Lauf der Zeit

So hat beispielsweise ein präparierter Menschenschädel mit Affenkiefer - gefunden in England - die Naturforscher lange zum Narren gehalten und damit die Wiege der Menschheit kurzerhand von Afrika nach Europa verlegt. Ob ideologische Motive dahintersteckten? Und auch aus der Region Solothurn sind naturwissenschaftliche Fälschungen bekannt. So legte der Geologe Franz Joseph Hugi um 1825 mit versteinerten Schildkrötenpanzern im sprichwörtlichen Sinne den Grundstein des Naturmuseums.

Da er für jedes in der Umgebung gefundene Fossil eine Prämie versprach, kam jemand auf die Idee, aus Bruchstücken eine «Betonschildkröte» zusammenzusetzen. Weniger eine Fälschung, dafür ein Irrtum war die Annahme, die bei Lommiswil gefundenen Dinosaurierspuren seien Fusstapfen von Elefanten.

Neu Tablet-Computer im Einsatz

Die im Untergeschoss angesiedelte Schau zeigt beispielsweise die sogenannten Erdrandsiedler (von denen der Brustgesichtler einer ist) und weitere Fabelwesen. Neu wird diese Ausstellung auch durch den Einsatz von Tablet-Computer unterstützt. Über diese lassen sich Audio- und andere Inhalte per QR-Code abrufen.

Erwachsene erhalten durch die Ausstellung einen Einblick über die Wahrnehmung und das Selbstverständnis der Naturforscher im Laufe der Zeit. Für Kinder hält sie allemal schöne Geschichten bereit. Ob durch die wissenschaftliche Aufarbeitung die Fantasie nicht entzaubert wird? «Das Einhorn verliert seine Faszination nicht, nur weil man weiss, dass ‹sein› Horn von einem Narwal stammt», so Müller.

Und natürlich sei auch die heutige Methode, die Natur zu beschreiben und systematisieren, nicht für ewige Zeiten festgelegt. «Wer sagt denn, dass man mit noch nicht entdeckten Methoden in ferner Zukunft nicht auch neue Erkenntnisse über die Natur zutage fördert?»

Die Ausstellung wird am 15. Oktober um 18.30 Uhr mit einer Vernissage eröffnet.