Solothurn
Die Frage nach den Grenzen der Kunst wird auf der Bühne performt

Mit dem Vier-Personen-Stück «Das Mass der Dinge» bringt das Teatro Mobile in unterhaltsamer Form die Frage nach den Grenzen der Kunst auf die Bühne.

Helmuth Zipperlen
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Sie sind «Das Mass aller Dinge» (v. l.): Nina Spiegel, Frederik Vestergaard, Lukas Rhiner und Dominique Trautweiler.

Sie sind «Das Mass aller Dinge» (v. l.): Nina Spiegel, Frederik Vestergaard, Lukas Rhiner und Dominique Trautweiler.

Zur Verfügung gestellt

Ein zweckmässig hergerichteter Bühnenraum, der es erlaubt, die neun an den unterschiedlichsten Orten spielenden Szenen nahtlos miteinander zu verbinden. Damit beschert es dem Publikum auch die Begegnung mit dem angesagten amerikanischen Dramatiker und Regisseur Neil LaBute. Zu seinen inszenierte Filmen ist bei uns vor allem «Death at a Funeral» (Sterben will gelernt sein) bekannt geworden. Der 1963 geborene Autor schloss sich der Kirche der Heiligen der Letzten Tage an, hat sie inzwischen aber verlassen, weil er mit deren Moralvorstellungen nicht mehr einig ging. Seinen Durchbruch erzielte er mit dem Bühnenstück «The Company of Men», das er später auch mit seinem Lieblingsdarsteller Aaron Eckart verfilmte. «The Shape of Things» (Das Mass aller Dinge) erlebte 2001 in London unter der Regie des Autors seine Uraufführung und wurde zwei Jahre später auch auf die Leinwand gebracht.

Es ist übrigens interessant, sich diese Theaterproduktion anzuschauen und im Kino «The Square». Beide sind unterschiedlich, aber dennoch haben sie das Satirische auf die Welt der Kunst und der Museen gemeinsam.

Vier Personen – vier Charaktere

Erste Szene. Hinter einer Absperrung ein männlicher Torso, wobei dessen Geschlechtsteil durch eine Traube kaschiert ist. Auftritt von Evelyn. Sie ignoriert die Abschrankung und geht auf den Torso zu. Auftritt von Adam, einem Studenten, welcher als Museumsaufsicht Geld verdient. Er macht Evelyn darauf aufmerksam, dass sie dort nicht stehen dürfe, wo sie steht. Sie bemängelt, dass die Museumsleitung aufgrund von Publikumsreaktionen den Torso um den Penis gebracht hat. Kunst soll die Wirklichkeit darstellen und keiner Zensur unterliegen. Sie will auf die Traube den Penis drauf sprayen. Das Wortgeplänkel endet damit, dass Adam sich in Evelyn verliebt, sie stehen lässt, weil er jetzt Feierabend hat. In der nächsten Szene ist zu vernehmen, dass Evelyn ihr Werk ausgeführt und dem Museum einen Skandal beschert hat. Adam und Evelyn haben sich wieder getroffen und besuchen nun Adams besten Freund Phil, der jetzt mit Jenny liiert ist, welche einst Adams Freundin war. Phil und Jenny berichten von den Vorbereitungen für ihre Hochzeit und Evelyn erklärt, dass sie an der Masterarbeit für den Abschluss an der Kunstschule arbeitet. Evelyn und Phil mögen sich nicht und so endet der Abend in einer mittleren Katastrophe. Adam verändert sich unter Evelyns Einfluss und wendet sich zusehends von seinen Freunden ab. Das macht ihn indessen für Jenny wieder interessant.

Geschliffene Dialoge

Für Regie und Technik zeichnen Silvan Andraschko und Remo Streit verantwortlich. Sie haben ihren vier Darstellenden zu überzeugenden Leistungen verholfen. Die witzigen, oft zweideutigen Dialoge (deutsche Übersetzung: Jakob Kraut) kommen dabei voll zur Geltung. Frederik Vestergaard als Adam kann in jeder Phase seine Wandlungsfähigkeit zur Schau stellen und vermag in der letzten Szene mit unerwarteter Heftigkeit einen Ausbruch zu meistern. Nina Spiegel bringt das Emanzipatorische, Aufsässige und Streben nach der wahren Kunst gut über die Rampe. Phil ist der «normale» junge Mann, was Lukas Rhiner glaubhaft macht. Dominique Trautweiler als Jenny vermittelt die Zweifel der Figur glaubhaft. Knapp zwei Stunden reine Spieldauer mit nur vier Protagonisten, aber keine Minute langweilig.

Nächste Aufführungen: Freitag, 19., Samstag, 20. November je 20 Uhr, Sonntag, 12. November 17 Uhr, Freitag, 17., Samstag, 18. November je 20 Uhr.

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