Solothurner Filmtage

«Die filmische Qualität ist unser wichtigstes Kriterium»

Die Auswahlkommission der Solothurner Filmtage 2017: (v. l.) Heinz Urben, Annina Wettstein, Natacha Seweryn, Seraina Rohrer, Niccolo Castelli, Jasmin Basic und Thomas Allenbach.

Die Auswahlkommission der Solothurner Filmtage 2017: (v. l.) Heinz Urben, Annina Wettstein, Natacha Seweryn, Seraina Rohrer, Niccolo Castelli, Jasmin Basic und Thomas Allenbach.

Zurzeit läuft die Visionierung der eingereichten Filme für die kommenden Solothurner Filmtage. 656 Filme werden angeschaut, um rund 170 Filme ins Programm aufzunehmen.

Seraina Rohrer, die Solothurner Filmtage-Direktorin, ist gut gelaunt. Nur noch ein paar Tage, dann ist der «Visionierungs-Marathon» geschafft. Dann haben die sieben Leute der Auswahlkommission der Solothurner Filmtage 2017 die eingereichten Werke begutachtet, bewertet und diskutiert. «Man vergisst hier fast, was zurzeit auf der Welt los ist, wenn man sich für die exakt 340 Stunden zum Filmvisionieren zurückzieht», sagt Rohrer.

Seit Jahren trifft sich die Auswahlkommission jeweils im Kino Uferbau in Solothurn, um hier im dunklen Kino über Annahme oder Ablehnung der eingereichten Arbeiten zu entscheiden.

Dieses Jahr fällt der Filmtage-Direktorin auf, dass sich vor allem die Kurzfilme mit der Flüchtlingsproblematik oder mit Migrationsfragen beschäftigen. «Bei den Langfilmen sind es eher Themen wie die Globalisierung, die Überforderungen damit und mögliche Folgen, so auch die Rückbesinnung zum Lokalen.» Sie freut sich, dass festzustellen ist, dass sich besonders die jungen Filmemacher wieder vermehrt den Problemen der Gesellschaft widmen. «Die Nabelschau, das Beschäftigen mit sich selbst ist etwas in den Hintergrund gerückt.» Rohrer lobt, dass bereits bei jungen Filmemachern ein eigener Stil, der Mut zu Experimenten vorhanden sei.

Über die Qualität des diesjährigen «Filmjahrgangs» sagt Seraina Rohrer: «Es gibt immer einen Anteil von Filmen, die kaum zu reden geben, weil sie entweder hervorragend oder wirklich schlecht sind. Das Mittelfeld gibt immer am meisten zu diskutieren.»

Jedes Kommissionsmitglied bewertet jeden Film gleich nach der Sichtung schriftlich. «Jeweils am Ende einer Visionierungswoche wird diskutiert und entschieden, welche Werke ins Programm kommen und welche nicht.»

Immer wieder gebe es Überraschungen, seien dies Newcomer oder auch bei bekannten Filmschaffenden. «Die filmische Qualität ist unser wichtigstes Kriterium», sagt Rohrer.

656 Filme, davon 290 Kurzfilme und 139 Langfilme, wurden dieses Jahr eingereicht, sowie 227 Musikclips. Rund 70 Prozent aller eingereichten Schweizer Filme seien nach wie vor Dok-Filme. Viele davon stünden auch im internationalen Vergleich sehr gut da.

Seraina Rohrer wünscht sich, dass die Dokumentarfilme ein noch grösseres nationales Kinopublikum finden. In die Schweizer Kinos lockten im vergangenen Jahr vor allem Familienfilme wie «Heidi» und «Schellenursli». «Es gibt Leute, die monieren, dass es sehr viele Kinder- und Familienfilme sind, die in den letzten Jahren erfolgreich waren. Diese Kritik verstehe ich nicht. Ich finde es wichtig, dass Familien und Kinder den Weg ins Kino finden und dort auch Schweizer Stoffe sehen. Kinder sind schliesslich das künftige Kino-Publikum.»

Rohrer freut sich besonders über den internationalen Festival-Erfolg des Animationsfilms «Ma vie de Courgette» («Mein Leben als Zucchini»). Dieser Familienfilm ist offizieller Schweizer Oscar-Beitrag und geht gleich in zwei Kategorien, nämlich «Bester Langer Animationsfilm» und «Bester fremdsprachiger Film», ins Rennen. In der französischen Schweiz lockte der Film bereits über 40 000 Zuschauer in die Kinos.

Ma vie de Courgette - Trailer (Mein Leben als Zucchini, CH, F, 2016)

Ma vie de Courgette - der Trailer

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