«Der Hilari ist für mich ein Festtag. Aber nun als Gastgeber hat man keine Zeit mehr, mit den Gästen zu reden.» Das heisst für den 39-jährigen Peter «Peach» Keller in vier Restaurants mehrere Auftritte vor mehr als 300 neugierigen Augen, allein auf dem Stuhl, nur umgeben vom grünen Zunftmantel, auf dem Kopf den Nachtwächterhut. Insgesamt über zwei Stunden verbringt der Ober der Narrenzunft Honolulu von 17.30 Uhr bis zum Finale um 1.30 Uhr im Zunfthaus zu Wirthen «ausgestellt» vor dem Publikum – ein Knochenjob.

«Ich habe das Amt nicht gesucht», bekennt der zweifache Familienvater und Dozent an der Pädagogischen Hochschule Solothurn freimütig. «Vor einem Jahr, als ich mit meinen Kollegen die Ausstellung zur Zunft im Alten Zeughaus realisierte, nahm mich mein Vorgänger Christoph Rölli nach einem Mittagessen beim Kafi zur Seite und eröffnete mir, dass ich der nächste Ober sein würde.» Selten, dass dies jemand unter vierzig wird, und Keller gehört auch erst seit 2007 zur Narrenzunft. «Ich hatte zwar Bedenken, aber es gehört zur Zunft, dass jeder den Job macht, den er erhält.»

Ober für vier Jahre

Viele Samstage und Nächte hat der Historiker in seine Moderation von morgen Abend investiert; «manchmal wirds zeitlich wirklich knapp». Denn gefordert ist Keller für die nächsten vier Jahre – so lange dauert in der Regel eine Ober-Amtszeit – nicht nur an Hilari und Aschermittwoch, sondern auch das ganze Jahr über zunftintern.

An den Vollmondsitzungen im Zunftlokal des Altwiiber-Hüslis werden all die Fasnachtsanlässe wie die Herausgabe der Fasnachtszeitung Postheiri, die Chesslete, der Kinderumzug, der Landhaus-Ball, der Umzug natürlich und das Bööggverbrennen aufgegleist – mit neuerdings 85 Umzugsteilnehmern schlägt die Traditionszunft alle Rekorde.

Ein KMU namens Honolulu

Wichtig ist die Personalpolitik, ein ständiges Traktandum für den Ober. «Die hohe Zahl an Umzugsteilnehmern beweist, dass die Jungen immer noch viel Interesse für die Fasnacht und unsere Zunft im Speziellen mitbringen», ist Peter Keller überzeugt. Auch für die Zunft selbst, den bis zu 15-köpfigen «Vorstand», liessen sich immer wieder Novizen gewinnen, «auch wenn es die eine oder andere Absage gibt.» Denn auch Geld ist inzwischen mehr denn je zum Thema geworden, seit die Zunft in der «Ära Rölli» in Selzach eine Wagenbauhalle erworben hat. «Wir sind deshalb nicht mehr so narrenfrei wie unsere Vorgänger und haben Verbindlichkeiten im Rahmen von grösseren Beträgen», so Keller.

Sein Führungsstil basiere auf dem Dialog, auch wenn der Ober mit viel Macht ausgestattet ist – so kann er seinen Nachfolger ohne Konsultation der Zunftkollegen bestimmen. «Aber auch bei den öffentlichen Auftritten will ich nicht überall den Chef markieren.»

Tradition muss gelebt werden

«Das historische Bewusstsein ist bei uns ausgeprägt», wird der Ober philosophisch, wenn es um die Fasnacht geht. «Sie ist generell Meister im Kreieren von Traditionen – nach drei Jahren ist etwas Neues schon Tradition.» Doch orientierten sich der Umzug und die Produktionen auch der Schnitzelbänke ja stets an der Aktualität, «das ermöglicht immer wieder Neues». Traditionen müssten gelebt werden, «sonst sind sie tot». Und könnten auch nicht gerettet werden, wenn die Solothurner Fasnacht zuerst über den Kanton, dann national ins Unesco-Inventar der immateriellen Kulturgüter aufgenommen würden.

Doch morgen beginnt für Peter Keller die Fasnacht neu, er wird Stadtpräsident und freut sich auf die lange Amtszeit bis am 9. März. «Mit Kurt Fluris Sekretärin habe ich jedenfalls schon einen guten Kontakt.»