Solothurn bieten sich am Freitagabend abenteuerliche Eindrücke. Raumhohe Vitrinen sind mit verschränkten Holzschienen verbarrikadiert. Bunte geometrische Figuren verstellen den Weg, Konstrukte aus Pappe und Plastikrohr verwandeln die Flure in Experimentierlabors für die Wissenschafter von morgen. Dahinter drängen Schüler nach den vordersten Plätzen, um selbst entworfene Bahnen mit Murmeln zu erproben. Bewaffnet mit Tesafilm und flexiblen Plastikrohren verlegt eine Gruppe Loopings und Schikanen über eine benachbarte Vitrine. Versuch und Irrtum führen die jugendlichen Forscher spielerisch an die Fragen der Naturwissenschaften heran.

Markus Peschel, Leiter Didaktik des Sachunterrichts an der PH der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), sieht in der Selbstinitiative der Schüler das Konzept der Veranstaltung bestätigt: «Durch das Erfahrbar-Machen wollen wir das Interesse am Experimentieren wecken. Mathematik und Naturwissenschaften sind nichts Entfremdetes, wenn wir den Bezug zur Realität aufrechterhalten», verdeutlicht er die Gemeinsamkeit der Science-Night mit dem Lehrangebot der PH. Doch worin liegt die Ursache für diese Entfremdung, für das weitverbreitete Gefühl der Bezugslosigkeit zu wissenschaftlichen Themen? «Wenn die Schüler keine Verbindung haben zu dem, was wir auf der Kreidetafel machen, dann haben wir sie verloren», resümiert Peschel die Risiken der Kreidetafelphysik. Christine Streit, Professorin für Mathematikdidaktik an der PH, beobachtet, dass die Schüler oft bereits in der Primarschule den Anschluss verlieren. «Wir wollen für Kinder und Erwachsene die Fragen der Naturwissenschaften begreifbar machen.»

Feuertornado

Die PH Solothurn soll zu einem Kompetenzzentrum in der Region zu werden. «Trick der Didaktik ist, Leute an verschiedenen Zugängen zu erreichen», skizziert Christian Irgl, Leiter Marketing und Kommunikation der PH, die Stossrichtung der Ausbildung an der Hochschule. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der Gang zurück in die Zimmer der PH Solothurn. Aylin Sevimi war letztes Jahr noch Gast an der Math-Science-Night, dieses Jahr bietet die Mathelehrerin aus Weil am Rhein selbst einen Kurs an. «Als Kind war ich von Mathe gar nicht begeistert», erinnert sie sich an die eigene Schulzeit. Heute will sie dazu beitragen, dass die Schüler sich selbst «handelnd den Zugang zur Mathematik erschliessen.»

Und wie erlebt die Jugend die Math-Science-Night? Die Klasse 1A der Sek P am DeLu ist mit ihrem Fachlehrer Daniel Steinmann trotz Herbstferienbeginn vollzählig erschienen. Nicht ohne Ironie, aber wohlwollend fällt diese obere Altersgrenze des Schülerspektrums ihr Urteil: «Es ist schön, dass sich all die Leute hier so viel Mühe geben für uns», findet Julia Frei. Ihre Kollegin Jana Kaufmann schätzt, dass «die Math-Science-Night den Schülern ein gemeinsames Erlebnis mit den Lehrern ausserhalb des Schulbetriebs», beschert. Das «gemeinsame Erlebnis» findet seinen Abschluss im inzwischen sehnlichst erwarteten «Feuertornado».