Widmen sich Erzkomödianten wie Judith Lüpold und Boris Petronje den Trinkliedern des Musiktheaters, kredenzen sie «Schmankerln» auf höchstem Niveau. Angetan mit Champagnerflasche, Frack und Zylinder, flirtete die Sängerin mit dem Publikum, versicherte als Prinz Orlowsky «Ich lade gern mir Gäste ein».

Oper und Operette sind ja ein Tummelplatz grosser Gefühle. Alles lodert intensiver als im realen Leben. Wenn wunderts, wenn sich das Opernpersonal auch beim Griff zur Flasche nicht an die Promillegrenze hält – und manchmal gerade der Rausch des Alkohols den der Liebe so richtig anheizt.

So auch in Donizettis «L’elisir d’amore». Boris Petronje verteilte als Dulcamara den erotisierenden «Liebestrank» an die Besucherinnen und Besucher.

Zeigte in der Kavatine «Udite, udite, o rustici» das Verschlagene, Bauernschlaue und Umtriebige des fahrenden Quacksalbers, der ein angebliches Aphrodisiakum als Heiltrank verkauft.

Das Blumenstein-Debüt des aufstrebenden Bassisten mit der gewaltigen und facettenreichen Prachtsstimme begeisterte rundum.

Verführte er als Don Giovanni mit einer elegant phrasierten «Champagner-Arie», zog er als betrunkener Mönch Varlaam aus «Boris Godunov» alle Register archaischer Derbheit.

Desgleichen in Tikhon Khrennikovs «Song of drunken People», der mit den Worten beginnt «wenn die Nieren platzen, tanzen alle um ein Fass Wein». Ergo torkelte Boris Petronje auf die Bühne. Hemdzipfel aus der Hose, Becher in der Hand, formte er ein kleines Kabinettstücken.

Auch Judith Lüpold bezauberte mit Leidenschaft und wechselnden Kostümen. Unglaublich, dass die Interpretin der «Pericole» nicht einen Tropfen Alkohol intus hatte, als sie ihren Pumps verlor, gekonnt die Tritte verfehlte, jedoch nie einen Spitzenton der atemberaubenden «Griserie».

Im «Schwipslied» aus der Strauss-Operette «Eine Nacht in Venedig» schwankte und sang mit betörendem Altschmelz.

Viel Knochenarbeit

Die beiden beherrschen die Kunst, Trinklieder so darzubieten, als seien sie leicht und mühelos zu singen.

Sie so zu gestalten, als brauche man nur den Melodien freien Lauf zu lassen. Das ist Knochenarbeit und hohe Schule zugleich.

Die Belcantisten und der Maestro am Klavier liessen die Brindisi voller Lust und Esprit moussieren, Arien und Duette schäumten wie Sektbläschen.

In Mozarts «Entführung aus dem Serail» versucht Gärtner Pedrillo den Haremswächter betrunken zu machen. Bei einem überzeugten Moslem keine leichte Aufgabe. Altistin Judith Lüpold meisterte den im Original für Tenor geschriebenen Part agil und makellos.

Und Boris Petronje machte klar, dass er für die Rolle des Osmin geradezu prädestiniert ist. Nach dem frenetisch bejubelten Finale mit «Wein»-Duetten von Strauss und Donizetti wurden trockene Kehlen beim Apéro real befeuchtet.