Solothurn

Die erste Theater-Aufführung im Kellertheater Stadtcafé war ein clowneskes Drama

Carmen Riha als Gelsomina tanzt mit Rolf Johannsmeier als Zampano.

Carmen Riha als Gelsomina tanzt mit Rolf Johannsmeier als Zampano.

Die als Gelsomina gekleidete Schauspielerin Carmen Riha steckte zunächst den Bühnenraum im Theaterkeller Stadtcafé an der Hauptgasse 47 mit roten Konfetti ab. Die Sitzgelegenheiten für die Zuschauer waren coronakonform an die Wände gestellt. Und so startete die Premiere der ersten Theaterproduktion in diesem Keller.

Gelsomina nahm ihre Trompete zur Hand und spielte das Motiv von Fellinis «La Strada». Dann betrat Rolf Johannsmeier als Kraftpaket Zampano die Bühne – Gelsomina möchte ihn zum Spielen animieren. Doch der alte Brummbär, der mit seinen Gefühlen nicht so richtig umzugehen weiss, zielt über das Ziel hinaus. Gelsomina zieht also andere Saiten auf. Geht’s im Befehlston? Ja. Jetzt kuscht er und der Spiess dreht sich um.

Vor Zampano steht jetzt Strindbergs Fräulein Julie, die ihren Bediensteten Jean ganz schön die Leviten liest und schliesslich alle Register der Verführungskunst zieht. Doch mit «verliebt in einen Bediensteten» hat das wenig zu tun, eher mit «wer ist hier der Chef». Die beiden fliehen nach Italien, richten dort ein Hotel ein, wo das adelige Fräulein Hof halten kann und in Wein- (nicht Bier)Seeligkeit schwelgen kann. Doch ist das jetzt ein liebendes Paar? Oder dient diese Liebe nur als Mittel zum Zweck? Wer liebt wen mehr und hab’ ich es nicht anders verdient, als benutzt zu werden? Die Antwort bleiben die Akteure auf der Bühne schuldig und zum Schluss gibt es ein Wiedersehen mit Zampano und Gelsomina.

So war der erste Streich, den Rolf Johannsmeier und Carmen Riha im neuen Kellertheater von Solothurn vorführten. So turbulent die Aufführung, so virtuos das Spiel der beiden Profis, die sich als Mammagena Theaterproduktion seit Jahren auf Kleinkunstbühnen bewegen. Die beiden haben gemeinsame Anfänge am Jungen Theater Göttingen, spielten am Freien Werkstatt Theater Köln und am Schlachthaus Theater Bern. Immer wieder parodieren und persiflieren sie Stoffe der Theaterliteratur, dehnen, wenden, verkürzen sie und schaffen so etwas Neues, Komisches.

Charmant ist dieses neue Theaterangebot von Solothurn. Die Schauspieler verkaufen Eintrittskarten, heissen die Besucher willkommen, spielen und schenken zum Schluss ein Glas Wein ein.

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