Museum Altes Zeughaus
Die erste Solothurner Hellebarde: Zeughaus erweitert Sammlung

Die Hellebardesammlung des Museum Altes Zeughaus wird erweitert. Nun kann man dort erstmals Solothurner Hellebarde mit hiesigem Prägestempel bestaunen.

Mark A. Herzog
Merken
Drucken
Teilen
Die Solothurner Hellebarde mit breitem Beil (Barte), kurzem Rückendorn (oder Haken) und spitz gearbeiteter Klinge. Gut erkennbar der Solothurner Prägestempel.

Die Solothurner Hellebarde mit breitem Beil (Barte), kurzem Rückendorn (oder Haken) und spitz gearbeiteter Klinge. Gut erkennbar der Solothurner Prägestempel.

Mark A. Herzig

Das Museum Altes Zeughaus (MAZ) zählt in seinem Sammlungsbereich «Stangenwaffen» knapp 500 Objekte. Dazu gehören ungefähr 200 Halbarten, allerdings keine mit Solothurner Prägestempel. Das hat sich am jüngst geändert: Der Verein der Freunde des MAZ übergab dem Museum eine solche Hellebarde.

Die Rolle der Halbarte

Stefan Mäder, promovierter Historiker mit Spezialgebiet Klingenforschung, stellte die Geschichte der Stangenwaffen, insbesondere der Halbarte oder Hellebarde vor. Sie ist eine Mischform von Hieb- und Stichwaffe, die die Mannstoppwirkung eines Spiesses mit der panzerbrechenden Wirkung der Axt kombiniert und wurde vorwiegend vom 14. bis 16. Jahrhundert verwendet. Sie war die Hauptwaffe des Kerns der eidgenössischen Geviert- oder Gewalthaufen, die ab dem 15. Jahrhundert von Langspiessen gedeckt wurden.

Halbarte ist laut Müller eine Zusammensetzung von mittelhochdeutsch «halm, helm für Stiel» und «barte für Beil, Streitaxt», bedeutet also eigentlich «Beil mit (langem) Stiel». Johannes von Winterthur erwähnt sie als im Morgartenkrieg neuartige Waffe. Der Begriff Hellebarde bezieht sich auf die weniger massiv konstruierten, oft reich verzierten Ordonnanzwaffen unter anderem von Palastgarden. Eine solche aus der päpstlichen Schweizergarde des 18. Jahrhunderts hatte der Verein schon Anfang des Jahrtausends dem Museum übergeben.

Die Objekte des MAZ sind in der Zeit nach der kriegerischen Hochblüte der Eidgenossenschaft angeschafft worden und stammen vorwiegend aus dem 17. (Spiesse, Halbarten) und 18. Jahrhundert (Paradewaffen, Behelfswaffen). Einige wenige Stücke, vorwiegend Halbarten, sind ins 16. Jahrhundert zu datieren. Eine schier unendliche Formenvielfalt zeichnet die Halbarten aus.

Diese stellte Co-Museumsleiterin Claudia Moritzi in ihrem Referat vor, in dem sie gleichzeitig den Sammlungsaufbau erläuterte. Sie verwies auch darauf, dass viele der Stücke keinen Herkunftsstempel tragen. Diese fehlten vielleicht von Anfang an, wurden aber auch durch häufigen Gebrauch der Waffe und deren Nachschleifen oder durch allzu heftiges und teils unsachgemässes Putzen ausgelöscht.

Aus den beiden Vorträgen heraus ergab sich eine angeregte Diskussion im und mit dem fachkundigen Publikum, die sich weit in den Mittag hinein zog.