Solothurner Filmtage
Die Eröffnungsfilme werden immer publikumsnaher – Beispiele gefällig?

In den vergangenen neun Jahren konnte sich der Filmgast ganz unterschiedliche Eröffnungsfilme der Solothurner Filmtage zu Gemüte führen. Eines fällt auf: in den letzten Jahren wurden die Filme publikumsnaher.

Fränzi Zwahlen-Saner
Drucken
Teilen
Szene aus «Unter der Haut», der Eröffnungsfilm 2015.

Szene aus «Unter der Haut», der Eröffnungsfilm 2015.

zvg

2015: «Unter die Haut» – Das Jubiläumsjahr Solothurner Filmtage eröffnete ein Familiendrama der jungen Regisseurin Claudia Lorenz. Alice (Ursina Lardi) sieht sich nach 18-jähriger Ehe mit der Tatsache konfrontiert, dass ihr Mann Frank sich immer stärker von Männern angezogen fühlt. Nicht nur Frank, sondern auch sie und ihre drei Kinder machen im Verlauf der Geschichte eine Wandlung durch. Der Film zeigt schlichte Alltags-Szenen– unspektakulär, fein und menschlich, manchmal traurig, manchmal heiter. Der Film kam bei Eröffnungspublikum sehr gut an – weniger das Thema begeisterte, eher die Ensemble-Leistung der Schauspieler.

2014: «Akte Grüninger» – Jüngere Schweizer Geschichte, ein verkannter Held, eine schöne Ausstattung - alles solide in Szene gesetzt. Der junge Regisseur Alain Gsponer überzeugte mit diesem Film über Paul Grüninger, der, nachdem im August 1938 die Schweiz ihre Grenze für Flüchtlinge schliesst, unzählige Juden aus Deutschland und Österreich rettet. Stefan Kurt brilliert in der Rolle des Beamten, der bürokratische Lücken nutzt und aus moralischer Überzeugung alles auf Spiel setzt: seine Ehre, seine Familie, seine Existenz.. Das Eröffnungspublikum war begeistert.

2013: «Rosie»- von Marcel Gisler. Rosie, eine lebensfrohe und starrköpfige Witwe über Siebzig erleidet eines Tages einen Schlaganfall und wird ins Spital eingeliefert, wo sie von ihren beiden Kindern besucht wird. Nach Hause zurückgekehrt, verbessert sich ihr Gesundheitszustand nicht, und so beschliesst der junge Nachbar Mario zu helfen, wo er kann. Mario bewundert Rosies Sohn Lorenz, der in Berlin lebt und als schwuler Schriftsteller erfolgreich ist. Zuhause trifft Lorenz einen alten Freund des verstorbenen Vaters. Rosie will mit diesem Mann nicht reden und Lorenz kommt einem Familiengeheimis auf die Spur. Das Thema und Demenz von Eltern wird hier subtil angegangen was, beim Eröffnungspublikum gut ankam.

2012: «Eine wen iig – Dällebach Kari». Grosses Gefühlskino von Regiemeister Xavier Koller zur Eröffnung der 47. Solothurner Filmtage unter der neuen Leitung von Seraina Rohrer. Eine Neuverfilmung des Lebens des Berner Stadtoriginals Dällebach Kari. Nils Althaus (junger Kari) und Hanspeter Müller-Drossaart (alter Kari) verkörperten das Stadt-Berner Original weniger sarkastisch und kantig, als dies Walo Lüönd in Kurt Früh’s Version in den Siebziger Jahren tat. Eine Augenweide war Carla Juni als Annemarie, die danach bei der Verfilmung der „Feuchtgebiete“ für Furore sorgte. Das Solothurner Publikum freute sich an diesem Eröffnungsfilm – mit so viel Swissness kann man doch eigentlich nichts falsch machen.

2011: «Manipulation – Das Verhör des Harry Wind». Eine Polit-Story in der Regie von Pascal Verdosci nach dem Buch von Walter Matthias Diggelmann mit internationaler Star-Besetzung. Diese Affiche liess das Cineasten-Herz im Vorfeld höher schlagen. Der Film enttäuschte. Zwei wenig inspirierte Stars, Klaus Maria Brandauer und Sebastian Koch, mühten sich in einer verworrenen Geschichte um Schweizer Abhörmethoden, Spionage und Atomgelüste Mitte der fünfziger Jahre ab. Das Solothurner Publikum freute sich vor allem, die beiden Stars am Eröffnungstag leibhaftig zu sehen. Den Film vergas es gleich wieder.

2010: «Zwerge sprengen». Einmal jährlich trifft sich die Familie Schöni im alten Pfarrhausgarten um gemeinsam Gartenzwerge zu sprengen. Das bedeutet, um gute Vorsätze zu fassen und ein harmonisches Beisammensein zu pflegen. Doch in diesem Herbst ist alles anders: Die beiden ältesten Söhne stecken in Schwierigkeiten, eine fremde Frau droht die Eintracht zu stören und auch sonst brodelt es bei einigen Mitgliedern der Familie unter der Oberfläche. Alles lustig-fantasievoll in Szene gesetzt von Christof Schertenleib. Die schrägen Typen fanden in Solothurn einige Fans.

2009: «La Bruit dans la tete» des Regie-Wunderkindes Vincent Pluss aus der Romandie ist eine vertrackte Geschichte, die nicht so recht in Schwung kommt. Laura, von einem Auslandsstudium nach Genf zurückgekehrt, begegnet eines Tages Simon, einem jungen Mann, der versucht sich mit dem Verkauf ausgelesener Zeitungen über Wasser zu halten. Sie lädt den Fremden in eine Bar ein und lässt ihn in ihrem Gästezimmer unterkommen. Der Film zeigt, was in ihren Köpfen vorgeht und was nicht ausgesprochen wird. Nach 90 Minuten ging es zum Apéro,

2008: «Max & Co. » Der erste professionell gemachte Schweizer Trickfilm, eine putzige Geschichte um Freundschaft. Ein Trickfilm, der es mit den Pixar-Streifen aufnehmen könne, hiess es im Vorfeld. Das Ergebnis enttäuschte. Bei Produktionskosten von mehr als 30 Millionen Franken ist ging dieser Streifen als die teuerste Schweizer Filmproduktion in die Geschichte ein. Gleichzeitig war es aber auch der grösste Flop der Schweizer Filmgeschichte[, was wegen der grossen staatlichen Subventionen insgesamt 5 Millionen Franken zu einem politischen Nachspiel führte. In zwei Wochen wollten ihn nur etwa 16'000 Zuschauer, drei Viertel davon in der Romandie sehen. Man kann sich also heute rühmen, diesen Film gesehen zu haben.

2007: «Marmorera». Die nicht leicht verständliche Geistergeschichte, ein schweizerischer Horrorfilm, mit einem damals noch fast unbekannten Anatol Taubman führte zu einigem Kopfschütteln und Unverständnis beim Eröffnungsfilm-Publikum. „Ein Schweizer Film halt“, hiess es damals in den Kommentaren. Der Film von Markus Fischer lief erst vor kurzem im Schweizer Fernsehen SRF.

Aktuelle Nachrichten