Kunst

Die elf Schattierungen des Himmels über Solothurn

Victoria Edwards (l.) und Ina Johann.

Victoria Edwards (l.) und Ina Johann.

Mit der abschliessenden Ausstellung in der Galerie 9 am Riedholzplatz geht für die beiden Gastkünstlerinnen Victoria Edwards und Ina Johann ein inspirierender Aufenthalt in Solothurn zu Ende.

Eins wissen Victoria Edwards und Ina Johann schon jetzt: Die Arbeit rund um Solothurn wird zuhause weitergehen – im über 18 000 Kilometer entfernten Christchurch. Drei Monate lang nämlich weilten und wirkten die beiden Künstlerinnen aus Neuseeland im Rahmen des «Artist in Residence»-Programms des Alten Spitals in Solothurn.

«Die Zeit war viel zu rasch vorbei», finden beide, doch konnten sie genügend Erfahrungen sammeln, um diese in ihrer Heimat Schicht für Schicht freizulegen und künstlerisch weiterzuverarbeiten, wie Edwards ankündigt. «Dazu haben wir hier alle Erlebnisse wie ein Schwamm aufgesogen», erzählt Johann. Auf ihrer Spurensuche haben sie vor allem vor der Fülle an Kunstschätzen innegehalten, die sich ihnen in der Schweiz bot. «Es ist eine künstlerische Vielfalt, beginnend von der mittelalterlichen bis in die neuzeitliche Kunst, wie es sie in Museen in Neuseeland nicht zu sehen gibt», so Johann.

Natur und Kultur als Inspiration

Insbesondere das geschichtsträchtige Solothurn hat die beiden mit einigen historischen Fragmenten für ihre Arbeit versorgt. Der «Rohstoff» zur Weiterverarbeitung wurde neben Museumsbesuchen zudem durch die Exkursionen in der Natur geschaffen. Immer mit dabei hatten Edwards und Johann die Fotokamera, quasi als Skizzenbuch für ihre Projekte. Durch den kombinierten Einsatz unterschiedlicher analoger und digitaler Methoden schuf das Duo so vielschichtige Werke, bestehend aus Fotografie, Malerei und Druckgrafik.

Zum Kernstück ihrer Arbeit in Solothurn wurde der Elfteiler «Constellations - no two skies are ever the same», der die philosophische Denkweise Heraklits aufgreift, wonach man nie zweimal in denselben Fluss steigen kann. Entsprechend sind Wandelbarkeit, Unwiederholbarkeit und die generative Entstehung aus dem Prozess heraus Themen, die die beiden immer wieder beschäftigen. Im vorliegenden Werk haben Edwards und Johann elf unterschiedliche Farbnuancen des Himmels über Solothurn als grafische Malgrundlage verwendet. Schliesslich bildeten sie einen in Neuseeland fotografierten Felsbrocken in unterschiedlicher Schattierung, Textur und Malart darauf ab.

Die Form des Brockens zieht sich dabei durch die ganze Serie und bildet – gleichsam einem Torbogen – den Rahmen für Geschichten und Szenarien, die die beiden Künstlerinnen auf dieser «Bühne» abspielen lassen. Berglandschaften in Aquarell, die Verenaschlucht, menschliche Schatten sowie Silhouetten von Bäumen, die mit ihren Äste in die Aare ragen, offenbaren sich vor dem Auge des Betrachters. Durch die elf Bilder, die auch aus der spielerischen performativen Spontanität entstanden sind, schaffen Johann und Edwards eine Dramaturgie, einen Prozess, der  auch die innere Entwicklung der beiden Frauen bei ihrem Gastkünstleraufenthalt nachzeichnet.

Das «feinfühlige Duellieren»

Zentrales Element von Johann und Edwards, die seit acht Jahren im Zweiergespann arbeiten, ist auch der Dialog. Zuhause in ihrer Heimat wurde diese künstlerische Kollaboration, die man dort eher selten antrifft, als «feinfühliges Duellieren» bezeichnet. Tatsächlich treten Edwards und Johann in ihrer anderen, hier entstandenen seriellen Arbeit «Markings – traces of unknown events» sichtbar miteinander in Dialog, inszenieren in fotografisch festgehaltener Kostümierung das Aufeinanderprallen und verarbeiten besagte historischen und zeitgenössischen Elemente auf verspielte, neckische aber auch kritische Weise – quasi als visuelles Tagebuch ihres Solothurner Aufenthalts.

«Wie in einem Sandkasten»

Verspieltheit flackert in Edwards und Johanns Werken immer wieder auf, wenn sie unbekanntes Terrain kartographieren und neue grafische Ideen ausloten. Das Risiko, dabei künstlerisch umzufallen, hält sie nicht davon ab, wieder aufzustehen und einer mehr oder weniger definierten Bestimmung zu folgen. «Wie in einem Sandkasten» sei ihr Arbeiten, spielerisch und verspielt, so Edwards: «Und bei diesem Spiel gibt es keinen Platz für Ängste oder Ärger, bloss für Respekt und Dialog.» Es ist auch der Ernsthaftigkeit von Edwards und Johann nicht abträglich, dass vornehmlich eine ganz besondere Komponente an oberster Stelle ihres Schaffens steht: nämlich der Spass…

Vernissage Fr, 27. März, 19 Uhr (mit Performance). Ausstellung: Sa, 28. März, 11 bis 17 Uhr, So, 29. März, 14 bis 17 Uhr. Galerie 9.

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