Solothurn
Die «Dreigänger» füllten drei Restaurants an drei Abenden

Proppenvoll gleich für drei Abende waren das «Kreuz», «Salzhaus» sowie der «Alte Stephan» ab letzten Donnerstag: Der «Dreigänger» zog auch bei der 11. Auflage gegen 700 Fans an.

Wolfgang Wagmann
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Poetry-Slammer Etrit Hasler nimmt das «Salzhaus»-Publikum auf ein Sprech-Stakkato mit. Daniel Wagmann

Poetry-Slammer Etrit Hasler nimmt das «Salzhaus»-Publikum auf ein Sprech-Stakkato mit. Daniel Wagmann

Daniel Wagmann

«Wir waren ausverkauft», stellt Marco Lupi, zusammen mit Martin Stebler Organisator des kulinarisch-kulturellen Genusses lakonisch fest. Trotzdem versuchten Stadtgrössen fast verzweifelt auch ohne Reservation doch noch ein Plätzchen zu ergattern – vergeblich.

So geschehen im «Salzhaus», wo Küchenchef Christian Härtge mit Team seinen Teil zum Gelingen des «Dreigängers» beisteuerte: Grünspargel mit einem delikaten Hauch von Krustenfisch, geschmortes Ribeye-Steak und das Parfüm des Rhabarbers in Varianten zum Schoggichüechli lösten jenes Grundbehagen aus, das für die Konsumation des «Kopfteils» unerlässlich ist.

Dieser wurde im «Salzhaus« mit dem Zürcher Tüftler Stefan Heuss eröffnet – «für uns ein Experiment«, wie Marco Lupi bemerkte. Denn was nun folgte, passte nicht ins gewohnte «Dreigänger»-Klischée.

«Davon wurde noch nie etwas industriell hergestellt», pries Stefan Heuss, bekannt aus «Giacobbo/Müller», seine Machwerke an, auf welche die Menschheit nur gewartet hatte: das selbstrüttelnde Kinderwägeli beispielsweise, den Wellness-Adapter «für Selbstanwender» oder die aufpumpbare individuelle Bauchfreiheit gegen Massen-Phobien.

Der I-Phone-Halter aus Salzteig, oder ein Gemüsehackerli der selbstständigen Art belegten die Kreativität des Zürchers, die im «Roby-Frost-System gipfelte: Hundekot (in Form eines Vermicelle- Würstchens) wird per Spraydose schockgefroren und kann dann bequem per Zange entsorgt werden.

Nur wenig appetitlicher, weil rein verbal, dafür umso plastischer geschildert der Höhepunkt des gelernten Kontrabassisten Philipp Galizia aus dem Freiamt: Die Darm-Erleichterung des Biremoscht-gequälten Totengräbers Lunzi anlässlich der «Praliné»-Bestattung gehörte zu den echten Krachern des Abends.

Aber auch die Krippenspiel-Episode mit Fräulein Zehnder, vielen «Schooffüdli» und Susanne Hübscher auf dem Bockleiterli strapazierte die Zwerchfelle.

«Diese Welt ist nicht stark genug, so viel Licht zu tragen. Am Ende des Lichts ist immer ein Tunnel.» Solches gab der St. Galler Poetry-Slammer Etrit Hasler, Gast auch schon an der Mundartnacht «Gägewärt», quasi im sprachlichen Serienfeuer von sich.

Eine verquere Liebeserklärung an eine 15-Jährige am Valentinstag; «mehr Herz für Merz» sowie eine Ode an Beton und Zement – immer schräg, ätzend bis nahe an der Geschmacklosigkeit, wenn Hasler bezogen auf 9/11 die Alu-Glaskonstruktion des World Trade Centers kritisierte: «Zement schmilzt nicht einfach wegen ein bisschen Flugbenzins.»

Die verdauende Gastig tat sich mit ihm am Schwersten, doch Marco Lupi relativiert: «Am Freitag und Samstag sind die Leute in Wochenendlaune und aufgestellter als am Donnerstag.»

Bis Anfang Winter wollen die Organisatoren den nächsten «Dreigänger» «im Kasten haben». Denn der Kreis der (bezahlbaren) Schweizer Künstler sei «überschaubar» – und zudem kopiere Olten die erfolgreiche Solothurner Veranstaltung auch schon unter dem Begriff «Flotter Dreier».

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