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Die Discokugel dreht sich wieder

Die Schallplatten hängen und die Musik versetzte die Besucher in Begeisterung. Die Party für die reifere Jugend in der Kulturhalle Kofmehl über 40 Jahren war ein voller Erfolg.

Christoph Neuenschwander
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ForEverYoung Zum allerersten Mal wurden am Freitagabend die etwas ältere Generation in der Kulturfabrik Kofmehl zur Party eingeladen.
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ForEverYoung - die Party ab 40
ForEverYoung Bereits um 22 Uhr war die Halle ausverkauft.
ForEverYoung Die Ü40er genossen es sichtlich, wieder einmal das Tanzbein zu schwingen.
ForEverYoung Gemeinsames Feiern bei einem Bierchen - oder zwei.
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ForEverYoung Die Halle war proppenvoll...
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ForEverYoung Volle Tanzfläche in der Kulturfabrik Kofmehl. Die Ü40er setzen die Messlatte hoch: Das müssen die Jungen erst einmal nachmachen
ForEverYoung Freundinnen in Partylaune.
ForEverYoung Es wurde viel gelacht
ForEverYoung Für viele ist klar: Bei der zweiten Auflage am 2. April sind sie wieder dabei, wenn es heisst: ForEverYoung.

ForEverYoung Zum allerersten Mal wurden am Freitagabend die etwas ältere Generation in der Kulturfabrik Kofmehl zur Party eingeladen.

AZ

Alte Schallplatten hängen von der Decke der grossen Halle im «Kofmehl», aus den Lautsprechern donnert gerade der Schlagzeugeinsatz von «In The Air Tonight» – wenn auch mit etwas weniger Dezibel, als man es sich von der Kulturfabrik gewohnt ist. Die tanzende Menge ist ausser sich. Es liegt tatsächlich einiges in der Luft heute Nacht: in Musik verpackte Teenager-Erinnerungen, ein Hauch von ewiger Jugend.

Das Konzept der «ForEverYoung»-Party ist aufgegangen und die Über-40-Jährigen, die scharenweise ins «Kofmehl» gepilgert sind, können sich wieder einmal richtig austoben. Ganz so, wie sich die Initiantinnen der Fete, Monika Kummli und Catherine Meili, das gedacht haben. «Ab einem gewissen Alter wird man in einer normalen Disco einfach schräg angeguckt», weiss Meili. Das kann einem hier nicht passieren. Es herrscht ein friedliches und ungezwungenes Miteinander. «Alle duzen sich gleich, man geht offen aufeinander zu, trifft alte Freunde wieder oder macht neue Bekanntschaften», schwärmt eine 55-Jährige namens Annemarie, die sich auf einem der Liegestühle auf der Bühne gerade eine Verschnaufpause gönnt. «Das ist absolut cool.»

Die 48-jährige Brigitta stimmt zu: «Man kann ohne Druck einfach mal wieder tanzen gehen. Sonst richten sich Partys immer an ein jüngeres Publikum. Dabei sind wir doch eigentlich die Disco-Generation. Bereits mit 14 Jahren sind wir am Sonntagnachmittag tanzen gegangen.» «Wir haben eine so tolle Zeit miterlebt», erinnert sich auch Annemarie. «All diese gute Musik – und dann gab es plötzlich einfach nichts mehr.»

Den Laden mal von innen sehen

Genau diese Lücke wollen Kummli und Meili nun füllen: sie sorgen dafür, dass sich die Discokugel für ihre Generation weiterdreht – auch in Zukunft. «Wir haben gerade beschlossen, dass wir das Anfang April wiederholen», sagt Kummli, die sich etwas ungläubig, aber vor allem freudig überrascht unters Volk mischt, die Stimmung einfängt, herausfindet, was man allenfalls noch verbessern könnte.

Mit einem solchen Andrang hätte sie nicht gerechnet. Und im Hintergrund tanzen sie weiter, zu Creedence Clearwater Revival oder zu Nena. Oder eng umschlungen zu Lionel Richies «Hello» und Santanas «Samba Pa Ti». Doch alles lässt sich das Publikum nicht auftischen: die manchmal etwas unstimmigen Liedabfolgen werden missmutig zur Kenntnis genommen, ein Country-Stück sogar ausgepfiffen. Im reiferen Alter weiss man genau, was man will.

Stimmung war fantastisch

«Es wäre schön, wenn noch was kommt, das mehr ‹brätscht›», findet der 44-jährige Patric (später wird er sich zu Kiss in die Menschenmasse stürzen). «Aber sonst gefällt es mir gut. Meine Kinder sind oft hier; jetzt sehe ich den Laden auch mal von innen.» Dann lacht seine Frau Marianne herzhaft und grinst schelmisch: «Aber es hat zu viele alte Leute hier.»