Oktoberfest in Solothurn
Die Dirndl sind auf dem Vormarsch

Bayrische Kultur und Bierseligkeit sind wieder angesagt. Am Donnerstag beginnt bei der Reithalle das vierte Oktoberfest – neu mit einem familiären Anstrich.

Andreas Kaufmann
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Die Genussgöttinnen geben der Solothurner «Wiesn» ihren Segen.

Die Genussgöttinnen geben der Solothurner «Wiesn» ihren Segen.

Felix Gerber/Archiv

Mit Bierzeltgemütlichkeit und bayrischer Gaudikultur konnte sie früher nichts anfangen. Jetzt besitzt sie selbst ein Dirndl und kann das anstehende Oktoberfest «Edition Solothurn» kaum erwarten. Die innere Wandlung einer Dame, wie sie Markus Moerler und Olcay Oruç Sahin beschreiben, steht Modell für die Wahrnehmung des hiesigen Oktoberfests. Und die Zahlen scheinen den beiden Veranstaltern recht zu geben: Bereits jetzt zeigt die Reservationsliste, dass es mindestens 600 Gäste mehr an der vierten Durchführung von Donnerstag bis Sonntag geben wird. Im Vorjahr waren es innerhalb drei Tage gesamthaft rund 2600 Besucher. Der Freitag- und Samstagabend sind heuer bereits ausverkauft, am etwas schwächer ausgelasteten Donnerstag gibts noch Plätze. Der Eröffnungsabend eigne sich erfahrungsgemäss für die eher spontaneren Besuche.

Was sich ebenso gewandelt hat, ist die Geschlechterquote unter den Besuchern: «Mittlerweile sind bei uns mehr Frauen als Männer zu Gast», so der Eindruck der Veranstalter, die auch über die Gründe sinnieren. «Sicher ist das hier ausgeschenkte Münchner Bier gerade für Frauen bekömmlicher, weil es weniger Bitterstoffe und weniger Kohlensäure enthält», vermutet Moerler. So kommen schätzungsweise gut und gern 2,5 Liter pro Kehle zusammen. Darüber hinaus bleibt die Vermutung im Raum, dass es auch mit einer Lust aufs Dirndltragen zu tun haben könnte. Ein überwiegender Teil der Besucher werfe sich in Schale. «Dabei gibt es keinen Dresscode, und jeder kann so erscheinen, wie er möchte. Aber in der Fasnachtsstadt Solothurn verkleidet man sich halt gern», so Moerler weiter.

Frühschoppen als Neuheit

Neu erhält das Oktoberfest auch eine familiäre Note: Ins Angebot aufgenommen haben Moerler und Sahin nämlich den Frühschoppen, der am Sonntag ab 11 Uhr bei freiem Eintritt über die Bühne geht. «Dieser stützt sich nicht auf die Wiesn-Tradition per se», sagt Moerler. Vielmehr gehe er auf einen allgemeine Brauch zurück, am Sonntagmorgen mit Kind und Kegel ein Wirtshaus zu besuchen. «Es soll eine generationenübergreifende Sache werden: Hier sind vom Grosspapi bis zum Enkel alle willkommen», sagt Sahin. Gleichzeitig findet in der Stadt auch noch der Sonntagsverkauf statt, womit man sich einen zusätzlichen Zustrom an Publikum erhofft. «Ob unsere Idee mit dem Frühschoppen tatsächlich aufgeht, werden wir sehen», sagt Moerler.

Abgesehen von der Grössenordnung – nach München strömen jeweils über sechs Millionen Gäste – ist die Solothurner Variante stark dem Original nachempfunden. Eher «unfreiwillig» findet es auch heuer in einem Zelt hinter der Reithalle statt und nicht im Gebäude selbst, weil dort noch das Stadttheater eingemietet ist. Ansonsten habe man bewusst die Spielregeln der «Wiesn» übernommen, sagt Moerler, der sich schon mehrfach vor Ort hat inspirieren lassen. Dort ist um 23 Uhr Schluss, in Solothurn wird die letzte Runde auch bereits um 23.30 Uhr ausgeschenkt, nicht zuletzt, da die Feierlichkeiten bereits ab 17 Uhr in vollem Gang sind. «Und das ist gut so», findet Moerler. Auch sonst setzen die Veranstalter auf Authentizität. So werden wieder ausschliesslich Original-«Resis» aus München bedienen. Insgesamt stehen in Solothurn rund 80 Leute im Einsatz.

Alle Infos: www.oktoberfest-solothurn.ch