Weihnachtsverkäufe
Die Chancen und Bürden im Solothurner Weihnachtsshopping

Solothurner Gewerbetreibende sinnieren über ihren Weihnachtsverkauf, über die Sonnen- und Schattenseiten der Digitalisierung und über den Sinn und Zweck von Sonntags- und Abendverkauf.

Andreas Kaufmann
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Weihnachtsverkauf Solothurn,

Weihnachtsverkauf Solothurn,

Hanspeter Bärtschi

Die Gelegenheiten fürs «Geschenk der letzten Minute» sind mit dem morgigen Sonntagsverkauf und dem kommenden Montag günstig. Bereits vor dem Schlussspurt kann aber eine zaghafte Vorab-Bilanz gezogen werden. Auf Anfrage fasst Caroline Jäggi, Geschäftsführerin der Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn, vorsichtig zusammen: «Was ich von den Gewerbetreibenden gehört habe, klingt positiv.»

Dabei spricht sie vor allem den ersten Sonntagsverkauf im Advent und die zeitlich zusammenfallende «Wiehnachtsreis» an: «Es war zwar kalt, doch hat es zum Zeitpunkt der Durchführung nicht geregnet.» Die Innenstadt sei gut besucht gewesen; gerade für Auswärtige habe die «Wiehnachtsreis» eine wichtige Sogwirkung gehabt. Dem zweiten Sonntagsverkauf blickt sie positiv entgegen. «Es gibt immer jene, die noch nicht zum Geschenkekaufen gekommen sind, oder noch nicht in Weihnachtsstimmung waren.»

In Geschenkläden läufts mehrheitlich rund

«Die Einkaufslaune kam verspätet, da die Stimmung lange eher herbstlich als winterlich war», kann Nadia von Arx als Geschäftsinhaberin von «Lila – schöne Dinge» am Friedhofplatz den «Jahreszeitenfaktor» bestätigen. Dafür werde man seit vergangenen Samstag geradezu überrannt. «Sowas wie diese Woche habe ich noch nie erlebt.» Den Erfolg führt sie mitunter auf einen breiten Mix an Produkten von der Handtasche übers Geschirr bis hin zu Dekoware zurück. Positiv bilanziert sie auch den ersten Sonntagsverkauf: «Der normalerweise harzige Anlass war für einmal sensationell.» Die Abendverkäufe im Dezember seien hingegen bloss durchschnittlich.

Ein positives Resumée zieht ebenso Gisela Luder, die den Heimart-Laden am Stalden leitet, an dem 18 Organisationen für Menschen mit Beeinträchtigungen beteiligt sind. Obwohl auch sie den Nutzen der Abendverkäufe infrage stellt: «Da haben wir relativ wenig Kundschaft.» Das gleiche gilt für den Sonntagsverkauf. Aber im Tagesgeschäft herrscht «ein reges Kommen und Gehen von Kunden, die Freude an unseren Produkten haben.» Besonders guten Absatz finden – passend zur Adventszeit – Engelsfiguren und Kerzen, aber auch Esswaren.

«Wenig Frequenz» stellt hingegen Fredi Zimmermann vom Doppelgeschäft Läderlade/Kitschundko fest, sogar während des «Chlausemärets» oder der «Wiehnachtsreis». Gerade dem Sonntagsverkauf blicke man oft erwartungsvoll entgegen: «Aber auch wenn viele Leute vorbeischauen, dann kaufen sie oft nur für kleine Beträge ein.» Er vermutet, dass sich gerade ältere Leute im Rummel der Altstadt oft nicht wohlfühlen und ihm deshalb fernbleiben. Und dann kommen die mittlerweile verbreiteten Probleme der digitalen Welt hinzu: Vor Ort schauen, im Internet kaufen. «Einige Leute fotografieren Etiketten und meinen, dass es unbemerkt bleibt.»

«Es zieht seit ein paar Tagen langsam an, nachdem es lange ruhig war», stellt «Tausendschön»-Inhaberin Katrin Tatarinoff. Auch aus ihrer Sicht kommt die Einkaufslaune später auf als auch schon. Entsprechend hofft sie auch auf einen besseren zweiten Sonntagsverkauf als der durchzogene erste. Aus ihrem Sortiment, das vor allem aus Schmuck und Steinen besteht, laufe alles gut. Mit dem Internet steht sie nicht auf Kriegsfuss: «Die meisten meiner Produkte wollen Kunden vor Ort sehen, darunter sind viele Handarbeiten.» Häufig sei es nämlich umgekehrt: «Kunden sehen was im Internet, sind inspiriert und kaufen dann bei uns ein.»

Ebenfalls keine Probleme mit dem Online-Shopping hat Eliane Lustenberger Schumann von Elly Creative an der Goldgasse. «Es läuft sehr gut - aber durchs ganze Jahr.» Der Sonntagsverkauf sorgte für stabile Umsätze - «aber nicht besser oder schlechter als sonst.» 16 Jahre Erfahrung helfen ihr auch, Kundenwünsche vorherzusehen, so die Geschäftsinhaberin: Erkenntnis: Sie richtet sich aufs Ganzjahresgeschäft aus und nicht auf ein spezifisches Weihnachtssortiment. «Tassen mit einem lieben Spruch kommen besser als, als solche, die mit ‹Merry Christmas› beschriftet sind.» Produkte, die Emotionen transportieren, werden besonders gerne verschenkt.

Wie stehts um Spielwarenläden?

«Glücklich und erschöpft» sei sie, sagt Susi Furrer als Inhaberin des «Bim Müggli» in der Hinteren Gasse. Hier begrüsse sie Kundschaft aus der ganzen Schweiz. «Leute kaufen je länger, je lieber gute Spielsachen.» Insbesondere Holzspielzeug erfreut sich grosser Beliebtheit. Kunden, die die Preise vor Ort mit jenen online abgleichen, kennt sie nicht. «Meine Kundschaft will die Ware anfassen und dann hier kaufen.» Für sie war der erste Sonntagsverkauf erfolgreich, ebenso der Abendverkauf. Einzig der Manor-Umbau vor ihrer Tür sei der Stimmung und wohl auch der Frequenz etwas abträglich.

Im «Spielhimmel» blickt man auf einen eher ruhigen Sonntagsverkauf. «Die Leute, die vorbeikommen, sind einfach weniger gestresst als sonst», sagt Genossenschafterin Fabienne Guggisberg. Bei den Advents-Sonntagen mache der «Spielhimmel» auch deshalb mit, weil die Leute sonst enttäuscht wären. Den Abendverkauf wertet sie als überdurchschnittlich. «Ich rechne damit, dass in den nächsten Tagen noch die Post abgehen wird.» Zu den Kassenschlagern im «Spielhimmel» zählt jeweils das Spiel des Jahres. Heuer ist es das strategische Legespiel «Azul», ferner Gesellschaftsspiele im Allgemeinen. Damit entspricht man auch einem Trend. «Die Schenkerei wird zunehmend als Stress empfunden. Deshalb schenkt man sich einfach ein Brettspiel und die damit verbundenen gemeinsamen Spielabende in der Familie. Das ist nachhaltiger», so Guggisberg.

Durchzogene Erfahrungen in der Modebranche

«Wir kämpfen extrem», berichtet dafür Sabine Lindt, Mitinhaberin des Familienunternehmens Lindt Dessous. Das Internet habe auf die ganze Branche einen Einfluss – «und tangiert auch uns.» Zudem sei im Vergleich zum starken Dezember 2017 der aktuelle Weihnachtsmonat ein eher schwacher. Umgekehrt verhält es sich mit dem Sonntagsverkauf, der heuer leicht besser sei. Der Abendverkauf, den Lindt nur Ende Jahr anbietet, bringe hingegen kaum Kundschaft. «Wir spüren allgemein, dass die Frequenzen in der Stadt rückläufig sind.» Davon zeugen auch zunehmende Ladenleerstände, so Lindt. «Und wenn die Geschäfte leer sind, so ist das auch für uns von Nachteil.» Nun hofft Sabine Lindt immerhin auf einen starken Schlussspurt.

Thomas Schärer kennt zweierlei Kundschaft in seinen drei städtischen Modeläden: «Die einen möchten ihre Geschenke früh ins Trockene bringen, andere kaufen auf den Schluss hin ein.» Gerade bei der Herrenmode besteht die Kundschaft aus Frauen, die für ihre Männer und Kinder Geschenke suchen. Und diese sind kleiner, günstiger als früher: T-Shirts, Halstücher, Portemonnaies. Und auch hier: «Einige Kunden kommen mit Fotos aus dem Internet, um hier zu finden, was sie kaufen möchten.» Denn geht es um Modegeschenke, die man allenfalls zurückbringen müsste, hat Online-Shopping gegenüber dem realen Geschäft das Nachsehen. Gute Frequenzen erfuhr Schärer auch am Sonntagsverkauf und den Abendverkäufen.

Und was ist mit dem Bücherhandel?

Sabine Schafroth von der Säli Buchhandlung muss die Umsatzansprüche herunterschrauben: «Ich bin froh, wenn jemand in den Laden kommt.» Ihre Einschätzung als Geschäftsführerin eines kleinen Ladens: «Bücher sind nicht mehr so wichtig.» Ausserdem bestellen viele übers Internet bestellen, so ihre Wahrnehung. Verhältnismässig gut laufe der Verkauf von Belletristik, weiter von Büchern über Solothurn und über spirituelle Themen. Den Abendverkauf hat Schafroth für sich eingestellt. Beim Sonntagsverkauf macht sie lediglich im Dezember mit: «Es kommen oft nicht auffällig viele. Aber ich bin gerne vor Ort.»

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