2020 feiert Solothurn sein 2000-jähriges Bestehen, und das Konzept steht. Nun ging es darum, eine weitere Million für die geplanten Aktivitäten zu sprechen, nachdem 500 000 Franken bereits für die Realisierung der Jubiläumsschrift zu den letzten 200 Jahren Stadtgeschichte zugesichert waren. «Jetzt wollen wir mit der Detailplanung anfangen», erklärte Stadtschreiber Hansjörg Boll vor dem Gemeinderat als «General-Koordinator» des gesamten Jubiläum-Programms.

«Wir möchten ein grosses Fest für die gesamte Bevölkerung durchführen. Das Ganze soll aber auch gegen aussen zeigen, wer wir sind.» Boll skizzierte nochmals die Hauptaktivitäten, den offiziellen Eröffnungsanlass am 19. Juni 2020, verbunden allenfalls mit der Vernissage zum dreimonatigen «Kultursommer», dann das grosse historische Stadtfest vom 7./8. August, sowie als dritter Eckpfeiler die zwei Konzert- und Kulturabende anfangs Dezember auf der St. Ursentreppe. Detaillierter aufs Stadtfest ging dessen Konzeptverfasser Erich Weber, Konservator der Museums Blumenstein ein (wir berichteten).
Was die Kirchgemeinde wünscht

Nicht zwei Rockkonzerte

Inzwischen habe er verschiedene neue Inputs für die Festivitäten erhalten, berichtete Boll weiter. Insbesondere sei das «Okay» der Römisch-katholischen Kirchgemeinde für Verwendung der St. Ursentreppe an den zwei erwähnten September-Abenden erfolgt. «Ihr Wunsch ist es jedoch, dass nicht zweimal nacheinander Rockkonzerte stattfinden», so Boll. Auch soll die oberste Plattform freibleiben und die Bühne nicht bis an die Fassade gezogen werden, «damit die wahrscheinlich illuminierte Fassade gut zu sehen ist.»

Mehrweggeschirr solls sein

Die Parteien nahmen das Konzept grosso modo gut auf. Nebengeräusche gabs in Bezug auf die Männer-Dominanz im OK, vermisst wurde auch etwas die Nachhaltigkeit. Auch sollen vor allem regionale Grupperungen zum Zuge kommen. «Uns fehlt die Vision», plädierte die Grüne Laura Gantenbein für mehr Zukunftsausrichtung bei der Weiterbearbeitung des Konzepts und stellte für die Grünen auch den Antrag, dass an den Festanlässen ausschliesslich Mehrweggeschirr verwendet werden solle. Ohne grössere Diskussionen wurde diesem Anliegen entsprochen.

Kritischer tönte es aus den Reihen der FDP, wo Beat Käch vor allem das Buchprojekt «Von Salodurum nach Solothurn» aufs Korn nahm, welches ein Zürcher Team nur realisieren will, wenn die Stadt ein Sponsoring von 100 000 Franken spricht. «Ich frage mich, ob wir so viel Geld nach Zürich schicken sollen.»

Parteikollege Urs Unterlerchner bestätigte als HESO-OK-Präsident, dass die HESO-Sonderschau 2020 noch nicht besetzt sei und allenfalls für das Stadtjubiläum genutzt werden könne. Gleichzeitig outete er sich aber auch als dessen entschiedener Gegner: «Wir geben eine Million aus, und ein Jahr später bleibt davon nichts.» Unterlerchner blieb jedoch allein auf weiter Flur, der restliche Rat sprach den Kredit.

Kurt Fluris Stichentscheid

Wesentlich umstrittener war die Behandlung der zweiteiligen SP-Motion «Boden für Alle». Motionär Matthias Anderegg erklärte zur Stossrichtung, dass mit dem Stadtboden haushälterisch umgegangen werden solle. Er plädierte für eine Abgabe des «Weitblick»-Baulandes im Baurecht und an Wohnbaugenossenschaften, um vor allem das Erstellen von günstigem Wohnraum zu fördern. Kritisch äusserte er sich in diesem Zusammenhang auch zur städtischen Liegenschaftenverwaltung. Sein Fazit: «Wir sollten mit unseren Ressourcen sorgfältig umgehen», verwies er in einer Übersicht auf viele andere Schweizer Städte, wo Bodeninitiativen derzeit ein Thema sind.

Peter Studer, Ober der Narrenzunft spricht vor dem Gemeinderat

Peter Studer, Ober der Narrenzunft spricht vor dem Gemeinderat

Der Ober der Narrenzunft Peter Studer überantwortete die Ratsgeschäfte des Gemeinderats seinem ausserordentlichen Stellvertreter Kurt Fluri. Dabei nahm er wohlwollend zur Kenntnis, dass man sich im Traktandum „2000 Jahre Solothurn“ an die Gründung der Stadt Solothurn erinnern wolle und damit auch die Zeit, die bereits die Narrenzunft Honolulu hautnah mitbekommen habe.  

Bestritten wurde von bürgerlicher Seite, dass es Solothurn an günstigem Wohnraum fehlte, was wiederum auf Widerspruch bei Linksgrün stiess. Für die FDP monierte Beat Käch, dass der Gemeinderat vor wenigen Jahren eine klare Strategie festgelegt habe, was verkauft, und was im Baurecht abgegeben werde. «Und jetzt soll alles wieder anders sein.»

Auch Pascal Walter fand für die CVP, trotz einiger diskussionswürdiger Punkte gehe die Motion in einigen anderen «zu weit» und sei deshalb abzulehnen. Aus derselben Ecke fand Pirmin Bischof gar, die Motion sei «gefährlich». leiste sie doch der «Verstaatlichung des Bodens» Vorschub.

Zuletzt warnte auch Stadtpräsident Fluri vor dem vermehrten Bau von Sozialwohnungen. Das ziehe Leute an, welche «die Sozialhilfekosten in die Höhe treiben. Und das wollen wir nicht», verwies er auf Beispiele wie Biel oder Grenchen. Was wiederum scharfen Protest von Franziska Roth (SP) provozierte. Nun, trotz des parteilosen «Abweichlers» Jean-Pierre Barras, der einmal mehr gegen «seine» CVP stimmte, kam es zu einem 15:15-Patt. Was dem Stadtpräsidenten ebenfalls einmal mehr im Stichentscheid ermöglichte, den Daumen zu senken: Die SP-Doppelmotion wurde damit als nicht erheblich erklärt.

Und ein «Archäologe»

Wenig Wellen warf dagegen der von Christof Schauwecker (Grüne) präsentierte Bericht des Geschäftsprüfungsausschusses GPA, der erst mit halbjähriger Verspätung habe in Angriff genommen werden können. Und angesichts von Themen wie der Verwaltungsberichte 2016 und 2017 gab sich GPA-Mitglied Jean-Pierre Barras sehr selbstironisch: «Ich bin mir zwischendurch vorgekommen wie ein Archäologe.»

Einstimmig gutgeheissen wurde die Schliessung des Wahlbüros am Samstag ab März – und zwar mangels Nachfrage.