Der am Theater Biel Solothurn engagierte Schauspieler Matthias Schoch leistet derzeit seinen Zivildienst als Mitwirkender beim Kinderzirkus Chnopf. Bei unserem Eintreffen vor den Mauern des einst habsburgischen Städtchens Grüningen wird auf der Bühne eifrig geputzt. An der Rampe stehen Kinder, welche diese Putzerei verfolgen, aber eigentlich auf den Beginn der Vorstellung warten. Am Vortag hat es geregnet, das Gelände ist teilweise verschlammt und dies hat Spuren auf der Bühne zurückgelassen. Die Kinder werden zurück auf die Bänke geschickt, damit die Show beginnen kann.

Zwei Männer betreten die Szenerie. Einer in weisser Hose und einer Jacke mit den typischen Querstreifen einer Zirkusmontur zählt die Schlagzeugtrommeln und sagt zu seinem Partner in breitem Berndeutsch: «I wär parat. Aso i wär parat. Bisch du parat?» Das geht mit der an den grossen Grock erinnernden Nummer noch eine Zeit lang weiter, bis er endlich mit grosser Pose in die Klaviertasten greift.

Der junge Mann ist nicht Musiker, sondern der Schauspieler Matthias Schoch. Er wird im Laufe der Vorstellung noch E-Gitarre, Ukulele und Akkordeon spielen. Nachdem Schoch die Liste der möglichen Einsätze für den Zivildienst studiert hatte, kam für ihn lediglich diese Stelle beim Circus Chnopf infrage. Sein Einsatz dauert von April bis September. Aber mit den Proben für den Zirkus hat er viel früher begonnen. Nämlich bereits parallel zu den Proben zum Theaterstück «Die Barbaren». Kurz nach der Derniere des Maxim-Gorki-Stückes am
26. Mai war die Zirkuspremiere. Schoch steht natürlich nicht nur auf der Bühne, sondern muss aktiv auf- und abbauen. Er hat sogar eigens das Autofahren erlernen müssen, um einen Kleinlastwagen von Ort zu Ort zu fahren. «Beim Theater komme ich als Schauspieler ins gemachte Nest. Hier baue ich die Technik selber auf. Man steht ganz anders auf einer Bühne, die man selber hergeschleppt hat.»

Ein Bewegungstalent

«Ich bewege mich sehr gern. Am Theater werde ich dadurch sofort zum Akrobaten, wenn ich mich beispielsweise im ‹Nackten Wahnsinn› die Treppe runterstürze. Hier müssen die ‹richtigen› Artisten manchmal schmunzeln, wenn ich das Aufwärmen mitmache. Dann bin ich froh, dass ich mich auf die Musik konzentrieren kann.» Schoch ist nicht der erste Schauspieler, der bei «Chnopf» mitmacht. Die Non-Profit-Organisation hat jeweils zwei Stellen für Zivildienstler frei.

Die Kernequipe besteht aber aus professionellen Artisten, was das gezeigte Programm mit hochstehenden Nummern beweist. Der Zirkus nimmt sich auch des Nachwuchses an. Die 15-jährige Eline Guélat ist in einer Bewegungsnummer zu sehen, in der sie in einem Koffer Platz haben muss. Sie hat sich schon 2011 beim Zirkus gemeldet, war aber zu spät. «Chnopf» arbeitet ab Herbst bis Neujahr mit Schülerinnen und Schülern. Dann wird aufgrund ihres Könnens festgestellt, wer mit auf Tournee darf und ab Januar dafür probt. Während der Schulzeit können deshalb Vorstellungen nur an Wochenenden stattfinden.

Gefragt, ob Eline Artistin werden möchte, antwortet sie: «peut-être». Jedenfalls fühlt sich das Mädchen mit der Zahnspange sehr wohl und gut integriert.

Ab November wieder am Theater

Im Gespräch wird Matthias Schoch bewusst, dass er überhaupt noch nie am Theater auf Schweizerdeutsch gespielt hat. Nach seiner Verpflichtung beim Circus Chnopf wird er sich im Oktober einen Monat Ferien gönnen, um dann im November wieder mit Proben am Theater Biel Solothurn zu beginnen. Für Solothurn hat er noch einen besonderen Leckerbissen bereit. Nach der «Chnopf»-Aufführung vom 13. Juli gibt es noch ein Konzert. Samuel Oehy und Matthias Schoch musizieren gemeinsam als «Dear Helmut». Fast nebenbei sei erwähnt, dass Schoch kurz vor dem Gespräch noch während vier Nächten Dreharbeiten für einen Kurzfilm hatte.

Der Circus Chnopf gastiert im Kreuzackerpark Freitag/Samstag, 12./13. Juli, je
20 Uhr, Sonntag, 14. Juli, 17 Uhr, Samstag, 12. Juli, 21.30 Konzert «Dear Helmut». www.chnopf.ch; www.dearhelmut.ch