John F. Kennedy hat einmal gesagt: «Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren.» Dieser Meinung sind, ganz grundsätzlich, sicher auch die von Kopf bis Fuss mit Schlamm besudelten Damen, die sich gerade auf ihren Mountainbikes durch den Schanzengraben kämpfen. Hier führt nämlich der «BMC Racing Cup» durch, und momentan sind die Elite Frauen und Juniorinnen an der Reihe. Ihre schmerzverzerrten Gesichter, während sie den fast schon kriminell steilen «Grischa Stutz» hoch strampeln, lassen erahnen, dass sie von Kennedys Worten wohl gerade nicht viel halten.

Für jeden etwas zu bieten

Die Bike Days sind los. Und sie haben - das ist jetzt nicht einfach ein abgedroschener Werbespruch - wirklich für jeden etwas zu bieten. Das spiegelt sich auch im Altersspektrum der Teilnehmer und Besucher des nationalen Velofestivals wider. Nachfolgende Beschreibung soll dies verdeutlichen. Sie ist extrem vereinfacht und nicht gänzlich ernst zu nehmen.

Während also am Rande des Schanzengrabens Ausdauersportler jedweden Alters in Radlerhosen und Goretex-Jacken die Mountainbikerinnen anfeuern, stehen etwas weiter vorne die Eltern mit Kinderwagen, die ihre Sprösslinge stolz auf dem Laufrad Rundkurs fotografieren. Gleich nebenan jagen die etwas älteren Sprösslinge (diejenigen, die ihre Eltern grad nicht dabei haben wollen) über die Hügel des Pumptracks.

Lieblingsmodell

Derweil warten an den Essständen all jene auf Wurst, Barbecue Sandwich und Bier, denen der Sinn zurzeit nicht so nach Sport steht. Das sind dann auch die, die sich später zum E-Bike Test Village begeben, um mit einem frisierten Drahtesel ohne grossen Kraftaufwand mal eben eine Runde durch Solothurn zu flitzen - nachdem der Veloverkäufer mit glänzenden Augen auf ein Mountainbike mit 45-Stundenkilometer-Motor gezeigt und gesagt hat: «Das ist mein Lieblingsmodell».

Wie erwähnt ist das eine simple Darstellung des Grossanlasses. Wer die Bike Days richtig erlebt haben will, sollte natürlich nicht in einer Ecke hängen bleiben, sondern alles gesehen haben. Und wem das auf die Dauer anstrengend wird, kann sich zwischendurch an einem Stand der «Massage Division» die Schultern durchkneten lassen. Einer dieser Stände ist lustigerweise in der Rythalle, wo die Atmosphäre gerade alles andere als entspannend ist. Hier finden nämlich «Flatland Battles» statt.

Viele Zuschauer gehen an Krücken

In einfachen Worten: Waghalsige drehen sich im Kreis auf einem BMX, das wiederum auf dem Hinterrad um die eigene Achse wirbelt, während sich das Vorderrad um eine Achse dreht, von der man gar nicht gewusst hat, dass sie überhaupt da ist. Auffallend viele Zuschauer gehen übrigens an Krücken.

Während draussen mittlerweile auch die Herren ihr Mountainbike-Rennen hinter sich gebracht, und alle Weltmeister und Weltmeisterinnen, Olympioniken und Lokalmatadorinnen ihre verdreckten Räder aus dem Graben geschoben haben, bahnt sich - im wahrsten Sinne des Wortes - ein nächster Höhepunkt der Waghalsigkeit an. Im Schanzengraben machen sich nämlich jetzt die Dirtjumper bereit. Nicht, um wie gewohnt auf den Sprungschanzen ihre Kunststücke vorzuführen, sondern für eine Premiere: den «Highest Air Contest», bei dem nur gerade die Sprunghöhe zählt.

Weltrekord mit 7.5 Metern

Immer mehr Besucher strömen von den 120 Messeständen, die vom Rennvelo über den Cruiser bis zu Helmen, T-Shirts und Handschuhen alles bieten, Richtung Stadtmauer. Die Messlatte wird immer höher geschoben, immer mehr Fahrer fliegen zu tief - und damit aus dem Wettbewerb. Bis schliesslich der Engländer Daryl Brown sein Bike als einziger über die Marke von 7,5 Metern bringt.

Es ist schon erstaunlich, was sich mit einem Velo alles anstellen lässt. Auf welche Ideen das Zweirad die Menschen schon gebracht hat. Albert Einstein soll einmal über die Relativitätstheorie gesagt haben: «Das kam mir in den Sinn, als ich Fahrrad fuhr.»