Oktoberfest
Die Bierseligkeit in Solothurn muss wohl weissblau sein

Lederhosen und Dirndl sind angesagt. Schon um 17 Uhr zeigen vor der Reithalle die Buam und Madln, worauf es ankommt: das Outfit. Und Mann beschliesst, wenigstens den Rollkragenpullover gegen das grobkarierteste Hemd im Kasten auszutauschen.

Wolfgang Wagmann
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Das Oktoberfest in Solothurn wird zum Event
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Das Oktoberfest in Solothurn wird zum Event

Die Anfrage bei der Kollegin nach einer Blauring-Kluft aus früheren Zeiten für die Gattin erübrigt sich. Denn in der Reithalle «sammer tolerant». Und die Musi oben auf der Bühne hat eh einen ganz eigenen Dresscode: D’ Bayrischen Hiatmadln zeigen sich wie gstandne Mannsbilder in Lederhosen. Aber darunter schwarze Nylons statt weisse Wollsocken um die strammen Waden. Und sie geben Gas, die Girls. A bisserl mehr bewegen dürften sie sich schon, aber das tun wir unten, das Fussvolk, das allmählich die Festbänke entert. Nicht alle, aber viele immer öfter ...

Bier fliesst in Strömen

Bumsvoll ist die Reithalle nicht, aber fast bis auf den letzten der 750 Plätze besetzt. «Nächstes Jahr ist es unser Ziel, ausverkauft zu sein. Aber wir sind positiv überrascht. Vor allem darüber, wie viele im Oktoberfest-Look gekommen sind», freuen sich die Organisatoren Markus Moerler und Olcay Sahin – natürlich beide im obligaten Karo-Hemd und Lederhose. Eine hätten sie noch in Reserve. Doch leider nein, viel zu klein. Möglichst nahe am Münchner Original wollten sie sein, und «für ein Oktoberfest eignet sich die Reithalle optimal.»

Ja Moerler meint sogar, für andere Formate sei die Reithalle «ein schwieriger Raum». Und die Stimmung, das sei halt das Wichtigste. Im Vorfeld war einiges an Skepsis zu hören gewesen. Viele Oktoberfeste hatten in der Region schon vorher stattgefunden, und ob das mit den Tischreservationen funktionieren würde? «Heute haben wir immerhin 50 Achter-Pakete verkauft», zieht Markus Moerler eine durchwegs positive Samstags-Bilanz. Und mit der gelungenen Premiere werde sich Oktoberfest weiterentwickeln. «Vielleicht nehmen wir später den Mittwoch dazu oder ein zweites Wochenende.»

Gaudi bis zum Abwinken

Die Mass – sie ist das Mass aller Dinge. Für die Import-Resis aus Bayern ist Solothurn wohl kaum die Herausforderung ihres Lebens. 2,5 Liter Bier seien am Freitag pro Kopf getrunken worden, liefern Moerler und Olcay die wohl wichtigste Kennzahl. Ein braunes bayrisches Weissbier gibts, dazu helles Lager vom Schweizer Branchenleader. Immerhin, die Bedienung und die Biereinheit entsprechen dem Münchner Vorbild, die Musi und die Deko a. Wie übrigens auch die Schliesszeit, schon um elf. «Wir haben das so gewollt, das war keine Auflage», räumt Markus Moerler ein Gerücht aus. «Die Polizei hat gestaunt und es fast nicht geglaubt, als wir von 23 Uhr sprachen.» Es wird reichen, bis dann ist man blau genug und weiss, was es geschlagen hat. Sieben Stunden Gaudi zur Musi, das muss man zuerst einmal durchstehen ...

Die Buam und Madln aus dem bernischen Liebefeld sind schon toll in Form. Der Typ nebenan haut seinen Humpen im Takt auf den Tisch. Gut, dass die Musi wieder einmal das obligate «Ein «Prooosit, ein Prohoosit der Gemütlichkeit!» anstimmt. Und wir können was Deftiges bestellen. Hendl, Würstl mit Brezn oder a Haxn mit Sauerkraut.» Die fesche Diana vom Chiemsee warnt beim Haxn-Entscheid: «Sie sind klein und ham koane Krustn.» Die Gute hat wohl schon ganz andere Schweinereien herumgeschleppt, im fernen Bayern. Nun die Haxn ist zart und gut im Gewürz.

Leider ohne krachende Schwarte und in allen Bereichen einfach mager. «Wir haben gestern auch nur 14 verkauft», bilanziert Markus Moerler. Dafür seien die Hendl sehr gut gelaufen. Die Musi hört pünktlich auf. Olcay Sahin verteilt Lebkuchenherzen mit der Zuckerguss-Message «Oktoberfest Solothurn». Eine sympathische Geste. Bis zu Hause ist das Herz allerdings weggeknabbert. Die Haxn – sie hat einfach nicht bis elf hin gehalten ...

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