Solothurn
Die Beiz der «Hippies und Punks» feiert Geburtstag

Die Restaurant Kreuz in Solothurn ist das älteste genossenschaftlich geführte Wirtshaus der Schweiz. Heuer feiert es seinen 40. Geburtstag. In der traditionsreichen Beiz hat sich einiges getan – aber noch immer sind alle gleich.

Christoph Neuenschwander
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Für «Kreuz»-Besucher zwei bekannte Gesichter: Chef de Service Alexandra Studer (l.) und Mitarbeiterin Mirjam Freudiger.

Für «Kreuz»-Besucher zwei bekannte Gesichter: Chef de Service Alexandra Studer (l.) und Mitarbeiterin Mirjam Freudiger.

Christoph Neuenschwander

Schlichte Holztische und Holzstühle umrahmt von alten Holzwänden; der gelegentliche Dichter, Musiker oder Filmemacher am runden Tisch, linke Politiker und gutes Essen zu anständigen Preisen: So kennt und liebt Solothurn sein «Kreuz». Kommendes Wochenende feiert das älteste genossenschaftlich geführte Wirtshaus der Schweiz seinen 40. Geburtstag – die Beiz gibt es aber freilich schon einige Jahre länger (siehe Kasten).

Wohl nicht immer in der langen Geschichte des Lokals trauten sich ehrbare Bürger ins «Kreuz». Als man die Genossenschaft gründete, tat man das mit der Absicht, die Beiz aufzuwerten, sagt Alexandra Studer. Sie ist Vorstandsmitglied, Chef de Service und mitverantwortlich für das Personalwesen. Seit sieben Jahren arbeitet sie im «Kreuz». Doch auch als Genossenschaft hatte die Beiz lange mit ihrem Image zu kämpfen. Als zweifelhafte Bar für Alternative, die arbeiten, wie es ihnen gerade gefällt, habe man das Lokal wahrgenommen.

Alle auf gleicher Augenhöhe

In der Tat sei es bei der Gründung 1973 vor allem darum gegangen, ohne Chef zu arbeiten. «Jeder hat alles gemacht: Küche, Service, Büro», erklärt Studer. In den Siebzigerjahren haben die Genossenschafter zudem im «Kreuz» gewohnt. Erst 1985 haben sie die Wohnungen im Obergeschoss geräumt und ein Hotel eröffnet. Das war lange nach der Abspaltung der heutigen Genossenschaft Baseltor, die 75/76 in den «Löwen» zog.

Ihr Image hatte die Genossenschaft Kreuz natürlich nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch der Kundschaft zu verdanken. «Vor allem Hippies und Punks» habe man hier angetroffen, sagt Alexandra Studer. Rote und Grüne. Noch heute halten die Stadt- und Kantonalparteien der SP und der Grünen oft ihre Sitzungen im «Kreuz» ab. 1982 wurde hier die GSoA (Gruppe für eine Schweiz ohne Armee) gegründet. Auch sie kommt noch immer jährlich zur Generalversammlung ins Kreuz. «Vor zehn Jahren war das ‹Kreuz› noch eher eine verrauchte Kneipe als ein Restaurant», sagt Studer.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Nicht jeder Mitarbeiter ist heute auch in der Genossenschaft – nur gerade neun von 45 Angestellten sind aktive Genossenschafter. Und durch die weitum bekannte Küche sowie die Rolle der Beiz als Treffpunkt während der Literatur- und Filmtage sind die Gäste sehr viel durchmischter als einst.

«Das ‹Kreuz› ist zum Arbeiten noch immer ein ganz spezieller Ort», sagt Studer. «Wir haben zwar mehr Strukturen als früher: Erst wurden Bereichsleitungen, dann sogar eine Geschäftsleitung eingeführt. Aber man redet immer noch auf gleicher Augenhöhe miteinander. Wir unternehmen viel gemeinsam in der Freizeit, sind füreinander da – und bei wichtigen Entscheidungen darf jeder mitreden.» Wie eine grosse Familie sei das «Kreuz», was allerdings auch einen kleinen Nachteil bringe: «Unsere Mühlen mahlen manchmal langsam, da wir bemüht sind, alle beteiligten Personen in Entscheidungen einzubeziehen.»

Berühmte «Kreuz»-Gänger

Oft werden die Genossenschafter auch auf ihre prominenten Verbündeten angesprochen. Peter Bichsel etwa, der in letzter Zeit seltener in der Beiz anzutreffen ist. Der Rummel um seine Person war immer gross, erinnert sich Studer. «Es gab eine Zeit, da hat jeden Tag jemand nach ihm gefragt.» Und dann wäre da Chris von Rohr, der gerne von seiner Vergangenheit als «Kreuz»-Mitarbeiter erzähle.

Allerdings habe er nur zwei Wochen in der Küche gearbeitet. Auch die Film- und Literaturtage haben schon manche berühmte Persönlichkeit ins «Kreuz» geführt. Oft wisse man aber gar nicht, wen man da eigentlich bediene, sagt Alexandra Studer. «Bei uns sind alle Gäste gleich.»