Solothurn
Die barocke Perle im Von-Roll-Haus wird glanzvoll wiedergeboren

Der Rittersaal und das Vestibül des Von-Roll-Hauses in Solothurn erstrahlen im barocken Glanz. Was früher dem Hausherrn für Repräsentationszwecke diente, wird zum repräsentativen Bijou, diesmal allerdings für eine breitere Zielgruppe als früher.

Andreas Kaufmannn
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Der Eingangsbereich oder das Vestibül
14 Bilder
...mit einer legeren Tapete, die dem Barockzeitalter angemessen ist
Entlang den Balustraden,
... einer Ahnengalerie und Spiegeln
Prunkvoller Rittersaal im Von-Roll-Haus in Solothurn
Im Gegensatz zum Vestibül sind hier Rottöne Trumpf, was sich an der Tapetengestaltung ablesen lässt
 Zentrales Gemälde der Rittersaals ist die Darstellung der Kardinalstugend Klugheit in der Mitte der Decke – ein oft gewähltes Motiv des Malers Michael Vogelsang
Weitere Verzierungen illusionistischer Machart erwecken den Eindruck von Räumlichkeit
Der Von-Roll-Stammbaum umspannt das Deckengemälde
3D gabs schon früher, oder ist die Malerei bloss täuschen echt
Der schwarze Adler als Hoheitszeichen, das nur verwendet werden darf, wenn eine Familien in den Adelsstand erhoben wird
Weitere Verzierungen illusionistischer Machart erwecken den Eindruck von Räumlichkeit
Der Saal wird künftig für repräsentative Anlässe von Stadt und Kanton verwendet
3D gabs schon früher, oder ist die Malerei bloss täuschen echt

Der Eingangsbereich oder das Vestibül

Hanspeter Bärtschi

Über einen steinigen Eingang betritt man das Haus, gelangt zu einer verzierten Wendeltreppe, bis sich nach weiteren Stufen in der repräsentativen Eingangshalle der blaue Himmel - oder eine gute Illusion desselben - öffnet. Echten und aufgemalten Balustraden sowie einer Ahnengalerie entlanggehend, erreicht man das eigentliche Prunkstück, den barocken Saal (ebenfalls mit Blick in den Himmel) mit angehängtem Kontor aus Nussbaumholz.

Bei diesem Gedankenspiel geht es um keinen Hofempfang mit Knicks beim Sonnenkönig, sondern um eine Dramaturgie der Räume, wie man sie beim Besuch des Rittersaals im Von-Roll-Haus am Kronenplatz erleben konnte und kann.

Dazwischen liegt für das Raumensemble eine Phase stiefmütterlichen Daseins: So wurden die Räumlichkeiten des Hauses, das sich seit über 500 Jahren im Besitz der Familie von Roll befindet, lange von einer eingemieteten Restaurateurin als Werkstätte verwendet. Der schöne Holzboden schlummerte unbemerkt unter schlichten Brettern. Und der Eingangsbereich diente mehr oder weniger als Abstellkammer. Doch jetzt wird das, was früher dem Hausherrn für Repräsentationszwecke diente, wieder zum repräsentativen Bijou, diesmal allerdings für eine breitere Zielgruppe als in früheren Jahrhunderten.

Potenzial brachliegender Räume

Wie sich Stefan Blank, kantonaler Denkmalpfleger, erinnert, hat noch sein Vorgänger Samuel Rutishauser die Renovation eingeleitet: «Die Räume lagen lange brach - bei dem Potenzial, das sie eigentlich in sich bergen», sagt Blank. Besonders sei daran, dass es sich um einen gewachsenen Bau handle, der das Schaffen verschiedener Epochen widerspiegle.

Kanton und Stadt hatten ein Bedürfnis nach einem solchen repräsentativen Ensemble angemeldet. Und ein Ensemble wird es bleiben; ist es doch die einzige Infrastruktur in Solothurn, die noch unter dem sogenannten Fideikommiss steht und somit als Baustruktur von Nachkommen nicht aufgeteilt werden darf.

Unter der Koordination von Architekt Pius Flury wurde die Restaurierung angegangen. Der Eingangsbereich wurde «befreit», Dekors im Treppenaufgang wurden ans Tageslicht geholt. In der Eingangshalle oder Vestibül - wurde die düsterrote durch eine grüne Tapete ersetzt, was passt: «Im Barockzeitalter gehörte die Farbigkeit dazu», erklärt Blank, «und damit auch ein Farbwechsel vom einen Raum zum nächsten.»

Aufmerksamkeit nach oben richten

Von daher erklärt sich die Gestaltung des danach folgenden Rittersaals. Dieser erhielt neu eine mattrote «Verpackung», die sich ins restliche, durch viele Malereien geprägte Gesamtbild einfügt. Die Gestaltung wurde um 1700 vom damaligen städtischen Schulthess und Säckelmeister Johann Ludwig von Roll in Auftrag gegeben. Dem Betrachter offenbart sich in der Saalmitte als Erstes das Deckengemälde, das die Kardinalstugend Klugheit symbolisch festhält, ein vom Maler Michael Vogelsang oft gewähltes Auftragsmotiv. Schlachtendarstellungen, weiter ein Stammbaum sowie reliefartige Dekors richten die Aufmerksamkeit des Besuchers nach oben.

In beiden Räumen fällt die illusionistische Deckengestaltung auf: Durch perspektivisch gemalte Säulenstrukturen und Reliefs entsteht der Eindruck von Dreidimensionalität. Umrahmt wird das Werk von einem Stammbaum oder einer «Stammranke» der von Rolls, die jeweils das Wappen des Hausherrn und jenes seiner Ehefrau zeigt, gefolgt von dem seiner Schwiegermutter. Wie Blank informiert, keine oft gesehene Form der Stammbaumdarstellung. Der um 1690 getäferte Kontor (Büro) dahinter erweist sich als letzte, neu «polierte» historische Perle.

Auch für Dritte nutzbar

Für ihre massgebliche Beteiligung an den Sanierungskosten, die die Wiedergeburt des Saals überhaupt möglich machten, dürfen sich Kanton und Stadt ein Vorreservationsrecht der Räume ausnehmen - neben der Besitzerfamilie von Roll. Darüber hinaus werden die Räume aber auch an Dritte vermietet, «aber nicht für Anlässe jeder Art», wie Blank einlenkt. Gedacht seien sie für Veranstaltungen, die auch hineinpassen, vor allem klassische Konzerte, Bankette, Vorträge, Ehrungen, Empfänge oder repräsentative Anlässe von Stadt und Kanton. Für die Verwaltung ist das im gleichen Haus untergebrachte Büro von Region Solothurn Tourismus zuständig.