Revival
Die Band Killer ist einfach nicht zu killen

Solider Solothurner Rock ersteht zu neuem Leben auf. «Killer» sind wieder da – in neu gemixter Formation.

Andreas Kaufmann
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Killer im Jahr 2017: v.l. Andy Lickford, Peter Berger, Roberto Antonucci, Emi Bassbabe und Crown Kocher.
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So sah das noch ganz zu Beginn aus: Killer im Jahr 1981.
Ende 1982 waren Killer Vorband von Motörhead auf deren Deutschland- und Schweiz-Tournee
Konzert im November 1982 in Ludwigshafen. Nach dem Konzert verspielte Crown Kocher seine ganze Gage beim «PacMan»-Spiel.
Lemmy Kilmister von Motörhead mit Crown Kocher
Darauf folgte ein Konzert in Offenbach. «Schon beim ersten Ton merkte ich, dass sich bei uns langsam eine gewisse Professionalität breit machte», schrieb Crown Kocher dazu.
Ein Revival gabs 20 Jahre nach dem grossen Erfolg. 2002 trat die Band im Kofmehl auf.
Das nächste Konzert gabs dann 2006, ebenfalls im Kofmehl. Im Bild: Leadsänger Andy Lickford.
Der Böse-Buben-Look gehörte von Anfang zu Killer. Ein Bild aus dem Jahr 2011.
Die Solothurner Band Killer
Andy Schumacher, Andy Lickford, Crown Kocher, Noisy Miller, Rob Strangler

Killer im Jahr 2017: v.l. Andy Lickford, Peter Berger, Roberto Antonucci, Emi Bassbabe und Crown Kocher.

MD9.ch

Totgesagte leben länger: Das gilt zuweilen auch bei Rockbands, die sich formieren, Erfolge feiern, dann ausbrennen und in der Versenkung verschwinden – um wieder aus der Asche emporzusteigen. Vor fünf Jahren kündigte der Solothurner Rockmusiker Crown Kocher das Ende von «Killer» an. Die Band, zu deren Gründungsmitgliedern er anno 1979 zählte, löste sich nämlich 2012 auf: Ungleiche Erfolgsziele, eine bescheidene Ausbeute beim Songwriting sowie schwach besuchte Auftritte bewogen sie dazu, das Projekt «Killer» nach vier Alben zu beerdigen.

Endgültig, sollte man meinen. Zunächst noch bremsten gesundheitliche Probleme Kochers Anschlusspläne aus, mit der Gitarre und in anderer Formation wieder auf die Bühne zu steigen. Als Nachlass blieben Tonaufnahmen mit drei Songs, die jetzt plötzlich die Wiedergeburt von «Killer» ankündigen.

«Wieder ein Lebenszeichen»

Seit Ende 2016 ist Kocher wieder auf den Beinen, und seit Januar rockt die Band in neuer Besetzung wieder in einem Probekeller. Von den ersten Klängen zeugt auch ein Spontanvideo auf der Band-Homepage. Die Vorabproduktion mit drei Stücken, die als CD zu haben ist, soll zum Appetizer für ein Album werden, das laut Kocher Ende Jahr erscheint. «Damit geben wir wieder ein Lebenszeichen vor uns.»

Der letzte «Killer»-Sänger Andy Lickford hatte Kocher zu einem Konzert seiner «Judas Priest»-Cover-Band namens «Cutest Beast» eingeladen. «Die haben unglaublich abgedrückt und leben den Rock’n’Roll», so Kocher. Aus dieser Formation konnten ausserdem Peter Berger (Gitarre) und Roberto Antonucci (Schlagzeuger) für die «Killer»-Neuauflage gewonnen werden. Beide sind seit Teeniejahren Fans der Musik von «Killer» und «Motörhead». Als Bassistin kommt mit Emi Bassbabe die erste «Killer»-Frau an Bord, wie Kocher augenzwinkernd berichtet: «Trotz meiner anfänglichen Bedenken: Sie ist ein Tier am Bass und wertet das Line-Up optisch total auf.»

Und so freut sich Kocher über das Engagement aller Bandmitglieder, «Killer» auf Erfolgskurs zu bringen. Landesweit werden derzeit Auftritte klar gemacht, während gleichzeitig das Album Form annimmt. «So macht es Spass, mit 65 noch was auf die Beine zu stellen», meint der Altrocker. Als selbstständiger Informatiker liess er sich vor zwei Jahren frühpensionieren. Die Tätigkeit im Verkauf und Support sei nicht einfacher geworden, resümiert er die letzten Arbeitsjahre. «Dafür habe ich jetzt umso mehr Zeit, die Band auf Vordermann zu bringen.»

Eine rockige Familienplanung

Die Vorab-Auskoppelung des Albums überzeugt durch drei komplett neue treibende Songs aus der Feder von Lickford und Kocher. «A Man with a Gun» als bluesrockige Nummer und zwei Rock-’n’-Roll-Songs: «Pure Dynamite» und – nomen est omen – «We’re a rocking Band». Mit «Crystal Butterfly» hat es zudem eine Aufnahme aus Anfangszeiten auf die Vorab-CD geschafft: Dieser Titel von 1982 erfreut sich im texanischen San Antonio hoher Beliebtheit und war dort schon sehr früh auf die Spielliste eines Lokalradiosenders gelangt.

«Aus San Antonio hat sich dann einmal sogar ein Mann bei uns gemeldet, dessen mittlerweile 20-jährige Tochter Crystal zu Highschool-Zeiten zu unserem Song gezeugt wurde», erzählt Crown Kocher. Im Nachgang zu dieser Begebenheit eröffnete er dann einen Webshop und verkaufte die Debüt-LP «Ladykiller» mit besagtem Song auch im amerikanischen Raum wie warme Weggli.

Da nun eben geplant war, eine kleine Tour in Texas zu lancieren, bannte man den alten Titel ebenfalls auf die CD. Doch mit Arbeitserlaubnis, Reisekosten und anderen Ausgaben erwies sich das Vorhaben nun doch «finanziell als blödsinnig.» Dafür konzentriert sich «Killer» nun umso mehr auf den heimischen Markt. Soviel sei verraten: Kocher verhandelt auch mit dem Kofmehl für einen möglichen «Killer»-Auftritt.

Mehr Infos: www.killermetal.ch

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