Spezialitätenmesse
Die «Authentica» sucht sich im Raum Solothurn eine neue Bleibe

Den Organisatoren der Spezialitätenmesse Authentica kommen die neuen Pläne von Urs Bucher im Kapuzinerkloster Solothurn in die Quere. Weil durch dessen Projekt Räume blockiert werden, wollen die Organisatoren einen neuen Austragungsort suchen.

Andreas Kaufmann
Drucken
Teilen
Unter dem Namen «Authentica» wirds im malerischen Ensemble des Kapuzinerklosters keine Spezialitätenmesse mehr geben.

Unter dem Namen «Authentica» wirds im malerischen Ensemble des Kapuzinerklosters keine Spezialitätenmesse mehr geben.

Andreas Kaufmann

Sechsmal lockte die «Authentica»-Spezialitätenmesse in den vergangenen Jahren zahlreiche Liebhaber erlesener Produkten aus einer Hand ins Kapuzinerkloster. Dieser zur Tradition gewordene viertägige Kalendereintrag fällt weg – in diesem Jahr, unter diesem Namen, an diesem Ort. Urs Bucher, Initiant und bis vor kurzem Mandatsträger der Messe, und das übrige «Authentica»-Kernteam gehen getrennte Wege.

Die mittlerweile bekannte Marke «Authentica» wird von der bestehenden Kleinproduzenten Plattform GmbH und vom Verein mit Namen «Authentica» weitergeführt.

Nur: Den Nachfolgeanlass lanciert das Kernteam erst 2019 und nicht mehr am angestammten Ort. Der Grund: Da der Verein Kapuzinerkloster um Urs Bucher dort selbst im Sinne einer Zwischennutzung ein Integrationsprojekt mit Asylsuchenden und sozial benachteiligten Menschen plant, wären einige Räume für die «Authentica» nicht mehr zugänglich gewesen; Räume, die aber laut Sarah Christ von der Kleinproduzenten Plattform GmbH für die «Authentica»-Durchführung unabdingbar gewesen wären: «Da im Rahmen des Integrationsprojekts einige Räume für neue Zwecke vorgesehen sind, können wir den Platz nicht mehr gleich nutzen wie vorher.» Man hätte bis zu 20 Aussteller quasi in eine Zeltstadt im Klostergarten ausquartieren müssen, so Christ.

Was wiederum mit dem zweiten Grund in Zusammenhang steht: Denn wenn die bisherige dramaturgische Abfolge der genutzten Räume eingeschränkt sei, würde auch das Flair der Messe darunter leiden. «Wir kamen zum Schluss, dass es nicht mehr die ‹Authentica› wäre, die wir kennen und schätzen», sagt Christ. Zwar könnte der aktuelle Nutzungsstand des noch pendenten Integrationsprojekts durchaus ein anderer sein, sagt Christ. «Unsere Entscheidung basierte aber auf diesen Informationen. Und die Organisation der ‹Authentica›-Messen braucht ausreichend Vorlauf.»

Authentica Solothurn 2017 Zum sechsten Mal findet im Kapuzinerkloster Solothurn die Authentica statt.
40 Bilder
Rund 60 Aussteller zeigen Handwerk, Lebensmittelveredelung, Schmuck und Kleider.
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica Messe Solothurn 2017
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica
Authentica

Authentica Solothurn 2017 Zum sechsten Mal findet im Kapuzinerkloster Solothurn die Authentica statt.

Oliver Menge

«Die Wurzeln sind hier»

Bisher habe man zwei neue Orte geprüft, zum Teil auch knapp jenseits der Stadtgrenze. Aber weiter weg von Solothurn wolle man nicht suchen: «Die Wurzeln und der Freundeskreis der Messe befinden sich in Solothurn. Und hier möchten wir gerne bleiben.» Unterdessen aber hält man die inzwischen etablierten Ableger der «Authentica» in Brugg, Pratteln und Appenzell aktiv. Festhalten will man auch am bewährten Messekonzept und – soweit möglich – an der Grösse: «60 Aussteller, das ist ein erprobter Wert», sagt Christ.

Für die Durchführung der Messe zeichnen in der neuen Aufstellung neben Sarah Christ (Geschäftsführerin Kleinproduzenten Plattform GmbH) auch die beiden Mitinhaber Jörg Bruppacher und Stefan Blaser, sowie als Präsident des Vereins «Authentica» Marcel Zbinden verantwortlich. Für die Administration ist Belinda Affolter zuständig.

Kein Abwerben beabsichtigt

Gleichzeitig mit den Plänen unter der offiziellen «Authentica»-Flagge kündigt nun aber Urs Bucher an, noch in diesem Jahr im Kapuzinerkloster eine eigene Spezialitätenmesse unter anderem Namen abzuhalten (siehe Kasten).

Der Fall lässt Erinnerungen an die Situation der beiden ehemaligen Solothurner Hausmessen aufkommen. Die Eigenheimmesse und die Socasa standen einander zwischen 2007 und 2012 als Kontrahenten gegenüber, bis es schliesslich zur «Fusion» der beiden kam. Eine ähnliche Konkurrenzsituation – oder gar Bedrohung ihrer Marke sehen Sarah Christ und ihre Mitstreiter allerdings nicht, abgesehen davon, dass die Durchführungstermine koordiniert würden. Auch bestehe keine Gefahr nicht, dass sich die Organisationen gegenseitig Besucher oder Aussteller abwerben. «Unser Vereinszweck ist es ja, Plattformen für Kleinproduzenten zu erschliessen. Und wenn diese auch an anderen Messen auftreten können, erfüllt es den Zweck ja vollends», findet Christ. «Es ist gut, Mitstreiter zu haben, die für die gleiche Sache kämpfen.»

Urs Bucher schmiedet eigene Pläne

Auf Initiative von Urs Bucher und unter Federführung des Kantons soll im Kapuzinerkloster ein Integrationsprojekt für Asylsuchende und sozial vernachlässigte Menschen lanciert werden. Für das Vorhaben läuft ab morgen Donnerstag die zweiwöchige Einsprachefrist auf dem Stadtbauamt. Weil das Projekt seine volle Aufmerksamkeit fordert, hat Bucher deshalb Ende 2017 den Pisoni-Keller Kriegstetten aufgegeben, und ebenso sein Mandat bei der «Authentica», was ihm nicht leicht gefallen sei. Derweil denkt er über eine Alternativveranstaltung zur «Authentica» (siehe Haupttext) im Kapuzinerkloster nach, die schon heuer stattfinden soll. «Wir wollen die Kulisse des Klosters nicht ungenutzt lassen», so Urs Bucher. Unter neuem Namen soll der Anlass lediglich zwei statt vier Tage dauern, aber mit mindestens derselben Anzahl Aussteller. Inhaltlich will sich Bucher eher am «Erleben und Produzieren vor Ort» orientieren. «Schade» findet er, dass man mit den «Authentica»-Organisatoren keinen Weg gefunden habe, die Messe weiterhin im Kapuzinerkloster durchzuführen. Er bestätigt zwar, dass im Rahmen der Zwischennutzung einzelne Räume nicht mehr verfügbar seien, hätte aber gute Auswegsmöglichkeiten dank anderer Räume oder Zeltlösungen gesehen. Ganz fahren lässt Bucher die Hoffnung nicht, wenn es darum geht, die «Authentica» ins Kloster zurückzuholen. «Aber ich werde bei ihren Plänen sicherlich kein Spielverderber sein.» (ak)

Aktuelle Nachrichten