Letzter Märet-Tag
Die Ära von Fischhändler Cosimo Martignano geht zu Ende

Nun geht eine Ära zu Ende: Cosimo und Esther Martignano aus Gutenburg geben ihren Fischhandel auf. Morgen sagen sie ihrer Märet-Kundschaft in Solothurn Adieu. «Ich freue mich sehr auf den Ruhestand», sagt Esther Martignano und strahlt.

Irmgard Bayard
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Cosimo Martignano bedient morgen letztmals seine Märet-Kundschaft am Marktplatz. ww

Cosimo Martignano bedient morgen letztmals seine Märet-Kundschaft am Marktplatz. ww

«Endlich nicht mehr morgens um Viertel nach fünf aufstehen.» Etwas weniger enthusiastisch sieht ihr Mann Cosimo der Zukunft entgegen. «Es geht wieder ein Lebensabschnitt vorbei», sagt er nachdenklich. Auf eines freuen sich beide: Sich mehr dem Garten widmen zu können. Auf rund sechs Aren auf dem Areal des Restaurants Bad Gutenburg im Oberaargau pflanzen sie Gemüse und Beeren an.

Nun zieht das Ehepaar in eine Wohnung in Oeschenbach. Dort hat auch alles angefangen. Der Italiener aus Apulien, der als 15-Jähriger seinem Bruder in die Schweiz gefolgt war, und die in Ursenbach aufgewachsene Schweizerin führten nach verschiedenen Stationen das «Roggengratbad» in Wyssachen, das Restaurant Löwen in Walterswil und zum Schluss das «Bad Gutenburg» in der Gemeinde Lotzwil. Bereits im «Löwen» führten sie die Fischwochen ein. Von überall her seien die Fischliebhaber gekommen, die Fischwochen im «Löie» wurden zum Geheimtipp. Noch heute sagt der gelernte Bauer und begeisterte Wirt: «Das war meine schönste Zeit.»

Wo es halt Arbeit gab

Die Fische für die Fischwochen kauften sie jeweils im Gourmet-Lädeli in Langenthal ein. Als die Besitzerin aufhörte, übernahm das Ehepaar Martignano das Geschäft. Eine Zeit lang führten sie das Restaurant und den Laden parallel, gaben das Wirten aber dann auf und widmeten sich ganz dem Fischhandel. Seit dieser Zeit fahren Martignanos regelmässig mit ihrem Verkaufswagen auf die Märkte in Bolligen, Langenthal, Huttwil, Langnau und Solothurn. Neben Fisch verkaufen sie dort Gemüse aus dem eigenen Garten, fertig zubereitete Meerfrüchte, Thon- und Gemüsesalate sowie Lachsmousse und – «Suure Mocke».

Lange Zeit konnten die Eltern von drei heute erwachsenen Kindern nicht vom Fischhandel alleine leben. «Nach einem Markttag, der erst um 21 Uhr zu Ende war, arbeitete ich mit einem 100-Prozent-Pensum auswärts», sagt der 66-Jährige. Etwa sieben Jahre lang, nicht auf seinem Beruf, «sondern dort, wo es Arbeit gab.» Das war unter anderem nötig, weil der Absatz mit den Jahren von 200 Kilogramm in der Woche auf rund 100 Kilogramm zurückging. «Heute bieten die Grossverteiler ebenfalls Fisch an», nennt er den Hauptgrund.

Lösung in letzter Minute

Lange Zeit wussten Cosimo und Esther Martignano nicht, ob sie überhaupt einen Nachfolger für ihr Geschäft finden. «Wir haben viel inseriert, und es haben sich auch Leute gemeldet, die dann aber im letzten Moment abgesprungen sind», sagt Cosimo Martignano. Quasi in letzter Minute wurden sie sich mit Heribert Grossrieder und seiner Gustofino AG aus Laupen einig. Wie Martignanos hat die Gustofino AG neben Fisch auch andere Spezialitäten und Delikatessen im Angebot, speziell aus Italien. Die Ausweitung des Marktgebietes auf die Standorte in Solothurn und im Oberaargau erlaube es ihm, die rückläufigen Besucherzahlen an den einzelnen Märkten aufzufangen.