Solothurn
Die alten und hohen Bäume in den Städten sind ideal für die Nester der Saatkrähen

Die Saatkrähen fühlen sich in den Plantanen auf dem Kreuzackerplatz äusserst wohl. Dies liegt daran, dass die hohen alten Bäume einen idealen Ort für ihre Nester bieten und an dem grossen Futterangebot welches sie in der Stadt finden.

Joshua Villing
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Saatkrähen im Solothurner Kreuzackerpark

Saatkrähen im Solothurner Kreuzackerpark

AZ

Sie entgehen kaum einem Passanten: die Saatkrähen, die in den Platanen am Kreuzackerquai ihre Nester gebaut haben. Zum einen machen die Vögel einen beachtlichen Lärm, zum anderen hinterlassen sie überall ihre weissen Spuren.

Wer den Blick nach oben richtet, sucht nicht lange, um die Krähen und ihre Nester zu finden. Genau in dieser Tatsache findet sich ein erster Hinweis darauf, wieso sich die Krähen in der Stadt so wohl fühlen: «Die Platanen sind Bäume, welche erst spät im Jahr Blätter bekommen.

Die Vögel können also über eine lange Zeit ungestört ihre Nester bauen und den Baum ungehindert anfliegen», erklärt Andreas Schäfer, stellvertretender Museumschef des Naturmuseums Solothurn.

Allgemein fänden die Saatkrähen in den freistehenden, hohen und alten Bäumen einen idealen Ort um ihre Nester zu bauen. «Solche Bäume gibt es praktisch nur in Städten. Auf dem Land finden die Krähen kaum ähnlich geeignete Bäume.»

Grosses Futterangebot

Wer die Krähen eine Weile lang beobachtet, wird bald solche finden, die sich an von Menschen zurückgelassenen Essensresten am Boden zu bedienen. Darin findet Schäfer einen weiteren Grund, wieso es den Krähen im städtischen Raum so gut gefällt.

«Die Menschen in der Stadt hinterlassen viel Abfall. Oft besteht dieser aus bedeutend mehr als nur ein paar Brotkrumen. Die Saatkrähen wiederum finden darin eine willkommene Nahrungsquelle», erklärt er.

«Sollten die Stadtbewohner einfach gar keine Essensreste und Brotkrumen mehr zurücklassen, würden die Krähen aber nicht zwingend verschwinden», meint Schäfer. Die Vögel hätten kein Problem damit, einige Kilometer zu fliegen und sich von Äckern in der näheren Umgebung zu ernähren.

Mittlerweile scheinen sich viele Solothurner mit den Saatkrähen angefreundet, oder sich zumindest mit deren Präsenz abgefunden zu haben. So haben bei einer online durchgeführten Umfrage rund 50 Prozent angegeben, dass sie sich nicht an den Krähen stören oder sich mittlerweile an sie gewöhnt haben.

Auch Schäfer sieht in den Vögeln kein Problem. «Stadt und Natur sind nicht zwei separate Dinge, viel mehr ist die Stadt ein Teil der Natur», meint Schäfer. Trotzdem habe er durchaus Verständnis für Menschen, die sich am Lärm der Vögel oder deren Hinterlassenschaften auf dem Boden stören. «Ich denke aber nicht, dass es deshalb zu einer Priorität gemacht werden sollte, die Krähen zu vertreiben.»

Seit 50 Jahren

Mittlerweile gehören die Krähen fast zum Stadtbild. Doch dies war nicht schon immer so. «Vor 50 Jahren gab es noch praktisch keine Saatkrähen in der Schweiz. Die ersten Saatkrähen kamen 1963 in die Schweiz.

Und schon ein Jahr später hat es die ersten Kolonien gegeben», so Schäfer. Damals habe man sich noch über die Entwicklung gefreut, denn für die Natur an sich sei es etwas Erfreuliches, wenn sich eine Art ohne Hilfe des Menschen ausbreiten und ihren Lebensraum erweitern könne.