Zeit für einen Kaffeeschwatz? Die Frage dürfte man Liliane Herzog gar nicht stellen. Nicht hier und jetzt. HESO-Halle Nummer 4, Stand der Regio Energie Solothurn. Vor dem Mittag hatte sie gar keine Zeit gehabt. «Sorry, jetzt beginnt gerade der Lions-Lunch.» Die Präsidentin des Lions Club Solothurn Aare hat aus der Not eine Tugend gemacht. Und den obligaten Anlass ihres Serviceclubs kurzerhand in den halb fertigen HESO-Stand verlegt. So ist das eben bei Liliane Herzog.

Seit 26 Jahren mit ihrer Firma, dem Atelier für visuelle Gestaltung in Solothurn, auf dem Markt und «seit rund 20 Jahren an der HESO aktiv» baut sie derzeit die Sonderschau der Herbstmesse, den grossen Stand für die Regio Energie und vier weitere Stände, darunter auch denjenigen der «Solothurner Zeitung» in der Reithalle auf. Stress pur. Um halb vier aufstehen, «um 22 Uhr ist dann Schluss». Sie gähnt.

Nein, eine Kaffeepause, auch wenn sie nur für das Bild zur Kolumne getürkt wird, ist wahrlich nicht ihr Ding. Liliane Herzog redet hastig, aber bestimmt. Die Informationen sprudeln nur so aus ihr heraus. Auf dem Handy klappert sie ihre Termine ab. «Nein, natürlich haben wir nicht nur die HESO. Morgen müssen wir in Lausanne Stände einrichten. Am Freitag ist wieder HESO, am Sonntag Abbau in Schaffhausen.» Wenn es eine Erfinderin der Siebentagewoche gibt, dann heisst sie Liliane Herzog.

Der Chef und das Team

Sie hat die Ideen, das Team muss diese umsetzen. «Du kannst noch so viele Ideen haben – was nützen sie dir, wenn du sie nicht umsetzen kannst? Dafür brauche ich gute Leute.» Philipp «Phippu» Kaufmann als Projektleiter und Sofie Hofmann sind ihre zwei Angestellten, dazu zählt sie auf acht Freelancer. Denn über die ganze Schweiz verteilt müssen oft mehre Schauplätze bearbeitet werden.

«Zuerst kommt die Idee, dann die Visualisierung, die eigentliche Bauplanung, zuletzt die Umsetzung der Stände und Ausstellungen. Auch das Putzen und das Abräumen gehört dazu.» Genauso wie das ständige Herumdirigieren etlicher Sattelschlepper mit Material. Und der Kundenkontakt. Nicht alle wissen, was sie wollen, genau schon gar nicht. Da muss Liliane Herzog oft Überzeugungsarbeit leisten.

Wie auch im Team, wenn es ans Bohren, Hämmern, Sägen und Gestalten geht. Denn Liliane Herzog ist auch Frontfrau. Steht mit der Bohrmaschine auf der Leiter, kann abends mit Farbe bekleckert heimkehren. Oder den zerschnittenen Daumen dick verbunden haben – wie gerade jetzt. Sie arbeitet nach dem Prinzip «lange Leine lassen, aber wenn es sein muss eingreifen». Genauer: «Ich kenne keine Kompromisse. Der Stand oder die Ausstellung müssen so aussehen, wie ich sie im Kopf habe. Denn bei der Qualität gibt es keine Abstriche.»

So besteht sie auf runden statt geraden Einsichten im gelb gestrichenen Dachlatten-Konstrukt für die Regio Energie. Und wenn sie ihr Team fast in den Wahnsinn treibt, auch das Unmögliche muss möglich sein – «einen Weg finden wir immer».

Ein bisschen Höhlenmensch

«Man kann auch in Schönheit sterben.» Das möchte Liliane Herzog bei ihren kreativen Ständen vermeiden. Doch «eine Geschichte erzählen», das will sie. Und zwar auf dem richtigen Niveau. Eine HESO ist keine Museumsausstellung, die Besucher sollen den raschen Zugang zum Thema finden. «Denn hier haben sie keine Zeit.»

Manchmal wirds aber komplexer. Wenn es beispielsweise in einer Ausstellung ums Thema Christentum und Islam geht. Oder das Herzog-Team für den Wildnispark der «Grünstadt Zürich» eine Höhle bauen soll. «Da muss ich mich schon ins Thema vertiefen» – also Fachliteratur verinnerlichen. Das alles braucht Zeit. «Schwanger gehen» mit einem Stand, einem Schaufenster, einer Ausstellung.

Sie freut sich bereits auf ihre diesjährige HESO-Sonderschau «Dein Beruf – Dein Erfolg! Mit der Berufslehre hoch hinaus.» Bunte Boxen führen durch verschiedene Berufsbilder, eine echte Gondel der Weissensteinbahn zum Ziel. Trotzdem: «Wir waren spät dran. Die Sonderschau stand erst Anfang Jahr. Ein ganzes Jahr Vorlauf wäre jedoch ideal.»

Gut, dass die nächstjährige HESO-Sonderschau schon steht – zumindest im Kopf. «Und auch bei der Regio Energie weiss ich schon, was ich mache.» Der blonde Wirbelwind lächelt verschmitzt. «Nur sie wissen es noch nicht.» Aber Liliane Herzog ist es gewohnt, ihre Ideen zu verkaufen. Das war auch bei der Jubiläumsausstellung der Glutz AG so, deren Umsetzung ihr viel Spass bereitet habe. Trotz des «Schwanger Gehens», das der 52-jährigen Gestalterin manche schlaflose der ohnehin kurzen Nächte beschert.

Zweimal im Jahr allerdings braucht Liliane Herzog einen «Break»: Einen kurzen zum Jahreswechsel und einen mehrwöchigen im Sommer. Bootfahrten mit ihrem Mann, dem Architekten Jürg Stäuble, Pilze sammeln auf der geliebten Axalp, Herumtollen mit dem schwarzen, bellenden Wildfang Mago – aber nicht hier und jetzt. Denn es muss HESO werden.