Solothurn
Die Affen sind los: Rekordsammler hat die Figuren jetzt auch im Garten

Max Flückiger ist der europaweit grösste Sammler der drei Affen. 2500 solcher Dreier-Figuren hat er bereits. Jetzt freut sich der 75-Jährige über eine neue Skulptur in seinem Garten.

Wolfgang Wagmann
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Die Affen von Max Flückiger
15 Bilder
Im Innern hat er Tausende Affen-Figuren
Neben- und übereinander.
Nichts Böses reden, nichts Böses sehen, nichts Böses hören.
Max Flückiger Anwaltspraxis als Haus der drei Affen, geschenkt von einem Klienten.
Max Flückiger mit einem seiner 7500 Affen.
Affen, wohin das Auge reicht.
Eine spezielle Interpretation des Themas.
Als Fächerschmuck.
Affen in Bronze.
Die drei Hellsten.
Es müssen nicht immer Affen sein.
Frösche sind eine beliebte Alternative zu den Affen.
Auch Meerjungfrauen hören, sehen und reden nichts.
Auch diese Putti sind im Trend.

Die Affen von Max Flückiger

Wolfgang Wagmann

«Nichts Böses sagen, nichts Böses sehen und nichts Böses hören», das ist die ursprüngliche, positive Bedeutung der weltbekannten drei Affen. Der eine hält sich die Augen zu, der andere die Ohren, der Dritte den Mund.

Der Solothurner Jurist Max Flückiger gilt zumindest in Europa, vielleicht auch weltweit als grösster Sammler des Trios. «Es gibt auch vier Affen, und natürlich angelehnt an die Affen Menschen, Frösche, Fabelwesen wie Meerungfrauen und alles Mögliche, die sich die Augen, Ohren und den Mund zuhalten.»

2500 mal drei oder vier Figuren, Figürchen, Kissen und Bilder stehen in Vitrinen oder sauber aufgestellt im Dachgeschoss und im Keller von Flückigers Anwaltskanzlei. Der Keller ist dazu gekommen, weil er die Sammlung eines holländischen Rekordsammlers übernahm, der damit aufgehört hatte. «Aber ich nahm nur Stücke, die ich nicht schon habe.» Das ist auch die Achillesferse der originellen Sammlung: der Bestand ist nicht inventarisiert. «Und so ist es mir schon passiert, dass ich ein Stück erworben habe, das schon in der Sammlung steht.»

Skulptur aus dem Wallis

Nicht passieren konnte dies dem 75-Jährigen mit seiner neuesten Affenfigur: Sie ist riesig und steht im Garten seiner Advokatur an der Bielstrasse 12. «Jemand hat mir gesagt, dass es auf der Belalp einen Skulpturenweg gebe, worunter eine Figur die drei Affen darstelle.» Also machte sich Flückiger auf und lernte so den im Wallis recht bekannten Eisenplastiker Edelbert Bregy kennen.

«Er hat auch eine Plastik auf dem Bahnhofplatz Brig realisiert», weiss Flückiger, der die drei «Gitteraffen» von Bregy schliesslich in seinen Garten lotsen konnte – am letzten Samstag hatte sie der Künstler eigenhändig montiert.

Auch Gandhi hatte sie immer dabei

Unzählige Geschichten kann Max Flückiger über seine Sammelstücke erzählen. «Ich habe aber keinen Lieblingsaffen, alle sind mit lieb.» Sogar Mahatma Gandhi, der fast nichts ausser die Kleider am Leib besass, trug immer drei Elfenbeinaffen mit sich. «Das Spannende ist, dass die drei Affen weltweit anzutreffen sind. Auch afrikanische Holzschnitzer stellen sie in ihrem ursprünglichen Handwerk her.» Die Ursprünge liegen allerdings in Asien, über Indien und Korea seien die drei Symboltiere nach Japan gekommen.

So gilt Nikko mit seinem 1632 bis 1636 erbauten Mausoleum als Wiege des Affenkults, der am Koshin-Fest zelebriert wird. «Leider wurden im Westen die drei Affen vor allem durch Karikaturisten negativ umgedeutet. Und zwar ganz einfach auf nichts sehen, nichts hören und nichts sagen.» Vom deutschen Bundeskanzler Helmuth Kohl bis zu Fifa-Boss Sepp Blatter wurden x berühmte Zeitgenossen in diesen negativen Kontext gebracht, wie Flückiger anhand von vielen Zeitschriften- und Zeitungsausschnitten mühelos belegen kann. Konfrontiert wurde er damit aber auch auf einem seiner vielen «Affen-Trips» in Sizilien. Als Flückiger dort eine Affengruppe kaufen wollte, wurde ihm bedeutet, diese sei das Symbol für die hiesige Mafia. Eben: «Nichts gehört, nichts gesehen, nichts gesagt.»

Wen interessierts?

Seit 40 Jahren sammelt Max Flückiger nun schon Affen- und andere -Gruppen mit immer derselben Botschaft. Offenbar einfach so für sich. Eine öffentliche Ausstellung hat er nie geplant und plant er auch weiter nicht. «Wenn jemand meine Affen sehen will, kann er mich kontaktieren.» Aber regelmässige Besichtigungen und gar Öffnungszeiten sind nicht sein Ding. Auch mit dem «was danach?» beschäftigt er sich offenbar nicht besonders.

Er erzählt etwas von einem Sammler, der noch mit 97 Jahren seiner Passion nach gegangen war. Und lacht: «Nun ja, ich habe zwei Söhne. Aber ob die sich für die Affen interessieren, weiss ich nicht.»

Für Max Flückiger zählt die Lebensweisheit, die er aus der Symbolik der Affen zieht: «See no evil! Hear no evil! Speak no evil!» auf englisch – oder eben, wie die konfuzianisch-shintoistische Interpretation in Japan auch besagt: «Sehe nichts Böses, höre nichts Böses, sag nichts Böses!»

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