Kulturfabrik Kofmehl, erster Stock, Backstage. Es ist 1:45 Uhr nachts, der dreistündige Konzertmarathon der «Babblers» zu Ende, der letzte Ton der Abschiedsvorstellung gespielt. Tony Gloor, Sänger und Gründungsmitglied der Solothurner Rolling-Stones-Coverband, lässt sich ächzend auf einen Stuhl nieder. In seinem Gesicht spiegelt sich eine Mischung aus Erschöpfung, Zufriedenheit und Nostalgie. Eine Ära ist zu Ende.

1962, noch im Gründungsjahr der Rolling Stones, taten sich auch die «Babblers» zusammen, schlüpfte Gloor zum ersten Mal in die Rolle Mick Jaggers. Unzählige Konzerte hat er sich angesehen, um seine Show zu perfektionieren. Bis die exzentrische Körpersprache des «Stones»-Frontmanns zu seiner eignen wurde.

Die «Babblers» fingen als Coverband an und sind immer eine geblieben. «Wir wären gerne einmal in der Lage gewesen, uns ‹Revival-Band› nennen zu dürfen», lacht Gloor. «Aber dazu hätten die ‹Stones› vor uns aufhören müssen.»

Ist wirklich endgültig Schluss?

Jetzt deutet alles darauf hin, dass die Solothurner von ihren Vorbildern überdauert werden. Während Keith Richards und seine Kumpanen bereits Konzerte zum Fünfzigsten planen, hat Gloor nun nach 48 Jahren dem Publikum «Goodbye» gesagt. «Ich schaff das einfach nicht mehr», erklärt er. «Richards hat einmal verkündet, er könne gar nicht aus dem Musik-Business aussteigen. Er wisse nicht, was er dann tun sollte, er habe ja nichts anderes gelernt. Aber wir haben alle einen Beruf.» Des Berufes und der Familie wegen verabschiedeten sich die «Babblers» schon 1980 einmal von der Bühne. Und feierten 1994 ihr Comeback. In diesem Punkt hinken sie ihren Vorbildern hinterher: Die waren schon zig Male auf Abschiedstournee und fanden immer wieder den Weg zurück ins Rampenlicht. Die Frage bleibt offen, ob die Solothurner 60er-Jahre-Rebellen nicht auch diesbezüglich ihren britischen Idolen nacheifern. Das zweite noch immer rollende Urgestein der «Babblers», Gitarrist Walter «Bibaff» Steiner, bleibt so mysteriös wie einst Richards, als man ihn fragte, ob nach der «Bigger Bang»-Tournee nun wirklich Schluss sei. Auch er scheint wenig Interesse daran zu haben, Moos anzusetzen, und liebäugelt: «Vielleicht machen wir ja noch mal was.»

Gastmusiker erweisen die Ehre

Der Backstage-Bereich ist belebt. Die Vorgruppe «Bluedög and the specials», Freunde, ehemalige Bandmitglieder, die sich anlässlich des Abschiedskonzerts als Gastmusiker ein Stelldichein gegeben haben: Alle sind sie da. Schultern werden geklopft, Torten angeschnitten und Whisky eingeschenkt. Mit von der Partie ist auch «Krokus»-Schlagzeuger Freddy Steady, der extra vom Berner Konzert der anderen Solothurner Altrocker (in den 70er-Jahren noch Vorgruppe der «Babblers») zurück in die Barockstadt gereist ist, um in «Sympathy for the Devil» und «(I Can’t Get No) Satisfaction» den Takt anzugeben.

Die «Babblers» sind souverän abgetreten – auch wenn sie fast nicht mehr von der Bühne runter wollten, weshalb wohl das anfänglich zahlreiche Publikum zum Ende hin immer dünner gestreut stand (wer bis zum Schluss blieb, wurde mit einem Jam belohnt). Der schwierigste Teil, wie auch schon die «Stones» erfahren haben, kommt nun aber erst noch: Denn die Krux mit den Abschiedskonzerten ist, dass man danach aufhören muss.