«Der Landhausquai ist einer schönsten Orte von Solothurn.» An sich eine Binsenwahrheit, die Peter Dahinden vom damals am Quai beheimateten Fachgeschäft Spielhimmel aussprach. Es war Ende Mai 1998, als vier «98er» auf dem Aaremürli posierten: Neben Dahinden Mike Stocker vom Musikladen Tribe, Hansruedi Meyer, Inhaber eines Beratungsbüros, sowie Roland Kaiser von der Genossenschaft Kreuz.

Die vier einte eins: Sie wollten dem schlechten Image des Landhausquais, bekannt in den Achtziger- und Neunzigerjahren als Drogenumschlagplatz, ein positiveres Image verpassen. «Der Strand liegt unter dem Pflaster», brauchte Kaiser damals einen Anarcho-Spruch für das Projekt, das plötzlich aufgetaucht war, aber schon erste Bedenken von Denkmalpfleger Samuel Rutishauser heraufbeschworen hatte: «Ahistorisch» sei er, der Aaresteg.

Und meinte damit ein Projekt, welches die Stadt 1997 angestossen hatte und vom jungen Siegerteam «Industriepost» Ende April 1998 vorgestellt worden war: eine Plattform in der Aare zwischen der seit langem vorhandenen Abtreppung westlich des Landhauses und einem Endpunkt auf der Höhe der Meistergasse-Einmündung in den Quai. Ein Holzkubus sollte dort als Kioskbeiz dienen. Ein anderes Team hatte ebenfalls eine Plattform vorgeschlagen, ein drittes ein begrüntes Floss.

Mehr als ein Feuer brennt

Das Quartett auf dem Aaremürli hatte darauf innert weniger Wochen die GmbH «Lebendiger Landhausquai» gegründet. «Wir haben keine Berührungsängste mit der Stadt», tönte damals Roland Kaiser – man bringe sich aktiv bei der Realisierung des Stegs ein, und zwar auch finanziell. 60 Prozent der veranschlagten Gesamtkosten von rund 500 000 Franken für den Aaresteg wolle die GmbH selbst beisteuern, so das hochgesteckte Ziel.

Doch die euphorisierten Macher am Landhausquai waren keineswegs alleine mit ihren Aareträumen. Seit Mitte der 90er-Jahre eine Frauen-Planungsgruppe ihre «Visionen in Blau» entwickelt hatte, kreisten viele Gedankenspiele um den Aareraum. Die SP hatte gar eine Motion eingereicht, welche die Weiterentwicklung des Aareufers verlangte. Doch einige Macher überholten die Politik mit ihrem Tempo.

Ein gewisser Franz Herger probte als weiterer «98er» die Revolution am Aarestrand: Am 16. Juni 1998 eröffnete er mit einem Team der Genossenschaft Baseltor auf der Südseite des seit zehn Jahren nur noch als Lagerraum genutzten Schlachthauses ein Beizli für rund 50 Gäste. Der Name des Saison-Provisoriums war Programm: Das «SolHeure» entwickelte sich im Nu zur beliebten Sommer-Destination für ein bunt gemischtes Ufer-Völklein. Und es erhöhte den Druck auf die Stadt, ihr ehemaliges Schlachthaus endlich für Gescheiteres zu brauchen als zur Entsorgung von Tierkadavern oder der Aufbewahrung von Versteinerungen des Naturmuseums und von Stadttheater-Kulissen.

Viel Skepsis und ein grosser Knall

Wer nun gedacht hatte, dass dieser Start-Elan zu raschen Resultaten führen würde, der hatte Solothurn und seine Mechanismen krass unterschätzt. Schon bei der Behandlung des Finanzplans im August signalisierte die FDP im Gemeinderat Opposition gegen den Aaresteg aus generellen finanziellen Bedenken heraus. Und bei der Budgetbehandlung im November 1998 fand der Steg aus dem gleichen Motiv schon keine Berücksichtigung mehr.

Immerhin: Ein Schritt vorwärts gelang in diesem Aufbruchjahr 1998 doch noch: Anfang Oktober schrieb die Stadt das Schlachthaus zur Abgabe im Baurecht oder gar zum Verkauf für 2,1 Mio. Franken aus. Die Baute durfte allerdings nicht wesentlich vergrössert werden, doch in einem Punkt trug man dem neuen «Aare-Geist» Rechnung: Die Uferzone sollte zwingend öffentlich zugänglich bleiben.

Der «Aaregeist» aber hatte noch längst nicht alle Amtsstuben erreicht respektive «unterspült»: Im Mai 1999 platzte eine tickende Zeitbombe. Am Tag, nachdem die GmbH «Lebendiger Landhausquai» ihr Finanzierungsmodell zum Aaresteg präsentiert hatte, erreichte ein Brief von Bau- und Justizdirektor Walter Straumann die Stadt. Die kategorische, unmissverständliche Botschaft: Der Kanton duldet keine kommerzielle Nutzung «seines» Aareraums. Auch gebe es Sicherheitsbedenken – der Aaresteg schien definitiv versenkt zu sein und damit der Aufbruch zuneuen Ufern.