«Umfragen zeigen, dass es derzeit schlecht steht um die 1:12-Initiative.» Stefan Rüegger, Mitglied der Juso Zürich und Mitarbeiter des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, war deshalb bei der SP-Ortspartei zu Besuch. Seit Jahren arbeitet er an der Initiative mit, die für mehr Lohngerechtigkeit sorgen soll.

«Im Gegensatz zu unseren Gegnern haben wir kein Millionenbudget für den Abstimmungskampf.» Daher müsse jeder Einzelne Überzeugungsarbeit leisten. In seinem Workshop vermittelte er den Genossen das nötige Rüstzeug und Antworten auf die «Ausreden» und die «Angstmacherei» der bürgerlichen Parteien.

«Die KMU sind nicht gefährdet»

Dass die 1:12-Initiative die Wirtschaft schwäche, sei nicht wahr, so Rüegger. Im Gegenteil: Verdiene die Chefabteilung weniger, so erhielten die Angestellten mehr Lohn. «Das bedeutet eine stärkere Kaufkraft.» Denn im Gegensatz zu Personen, die Millionenlöhne erhielten, gebe der «kleine Angestellte» sein Geld sofort aus.

Auch die KMU seien nicht gefährdet. Diesen sei es meistens gar nicht möglich, einen Lohnunterschied aufzubauen, der das Verhältnis 1:12 überschreite. «Von der Initiative sind 99,7 Prozent der Schweizer Unternehmen nicht betroffen. Unter den restlichen befinden sich keine KMU.»

Auch auf die «leeren Drohungen», einige Unternehmen würden abwandern. «Die Schweiz ist ein attraktiver Standort.» Von einer Abwanderung wären zudem in erster Linie die Hauptsitze betroffen. «Die Produktionsstätten, und damit die Arbeitsplätze, blieben aber in der Schweiz.» Dies zeige der momentane Trend, ausgelagerte Produktionen wieder in die Schweiz zu transferieren, da hier die Qualität besser gesichert sei.

Auch zur oft kritisierten Radikalität der Initiative äusserte Rüegger sich: «Ist der Satz ‹In einem Monat so viel wie in einem Jahr› radikal?» Bei einem Mindestlohn von 4000 Franken entspreche das Zwölffache immer noch einem Jahresgehalt von 720 000 Franken.

An der Versammlung wurde zudem die Ja-Parole für den Erweiterungsbau am Kunstmuseum gefasst. Angesichts der Finanzlage seien 5,5 Mio. Franken eine grosse Summe, so Matthias Anderegg. Die Kulturgüter seien aber teilweise von nationaler Bedeutung.