Solothurner Filmtage 2011
Dialekt versus Hochdeutsch

Schweizer Filme besser in Dialekt oder Hochdeutsch gespielt? Darüber diskutierten Leute aus dem Filmbusiness im Stadttheater.

Fränzi Rütti-Saner
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Dialekt im Film? v. l.: Mike Schaerer, Katalin Gördös, Bettina Oberli, Markus Imhoof und Beat Glur. eddymotion

Dialekt im Film? v. l.: Mike Schaerer, Katalin Gördös, Bettina Oberli, Markus Imhoof und Beat Glur. eddymotion

Solothurner Zeitung

Zu den Filmtagen gehören, neben dem Betrachten der diversen Filme, auch die Podiumsdiskussionen mit Filmleuten zu aktuellen Themen. Gestern Nachmittag traf sich auf der Bühne des Stadttheaters Solothurn eine solche Runde. Es ging um das Thema «Dialekt versus Hochdeutsch – welche Sprache soll im Deutschschweizer Film gesprochen werden.»

Unter der Leitung des Film- und Theaterjournalisten Beat Glur diskutierten die erfolgreichen Schweizer Regisseure Bettina Oberli («Herbstzeitlosen», «Tannöd»), Markus Imhoof («Das Boot ist voll»), Katalin Gördös («Songs of Love and Hate») und Mike Schaerer («Stationspiraten»).

«Das hat mir gar nicht gefallen»

Sie alle setzen sich in ihrer Arbeit immer wieder mit der Frage auseinander, wann Dialekt und wann besser Hochdeutsch gesprochen werden soll. Eine Frage, welche sich die Tessiner und Kollegen aus der Romandie nicht zu stellen brauchen. Man habe den Eindruck, so stellte Glur eingangs fest, dass der Dialekt derzeit im Schweizer Film ein Revival erlebe.

Jedoch sei der Eröffnungsfilm der diesjährigen Filmtage «Manipulation» mit dem Österreicher Klaus Maria Brandauer und dem Deutschen Sebastian Koch, obwohl er ganz klar in Zürich spiele, in Hochdeutsch gedreht worden. «Das hat mir gar nicht gefallen», sagte dazu Bettina Oberli. Insbesondere weil der Film ganz klar verortet sei. «Zwar fand ich den Film trotzdem spannend. Er blieb für mich aber irgendwie abstrakt.»

«Herbstzeitlosen» in Hochdeutsch?

Deshalb sei es ihr nie in den Sinn gekommen, die «Herbstzeitlosen» in Hochdeutsch zu drehen. «Die Geschichte spielt in Trub. Ich habe um den richtigen Dialekt enorm viel Aufwand betrieben und bin überzeugt: Das hat auch zum Erfolg des Filmes beim Publikum beigetragen. Übrigens ist der Film in Dialekt auch in Deutschland, mit hochdeutschen Untertiteln angekommen.»

Mike Schaerer stellte fest: «Ich finde, Schweizer Schauspieler, insbesondere solche mit Dreh- oder Bühnenerfahrungen in Deutschland, haben extrem Mühe, wieder Schweizerdeutsch zu sprechen. Sie fühlen sich unsicher, und es braucht einiges an Überzeugungskraft.» Markus Imhoof, dessen «Boot ist voll» in beiden Sprachen gedreht wurde, meinte, dass mit der Muttersprache besser Emotionen ausgedrückt werden könnten, was wichtig sei.

Künstlerischer Aspekt nicht vergessen

Für Katalin Gördös ist die hochdeutsche Sprache keine Fremdsprache. Sie filme gerne in Hochdeutsch, meint auch, entscheidend sei, wo und wie stark ein Film verortet sei. «Schädlich ist sicher, wenn man nur an marktwirtschaftliche Belange denkt und den künstlerischen Aspekt vergisst.» So könne ein Film nie gut werden.

Bettina Oberli pflichtete ihr bei. Und sie erwähnte noch: «Man muss sich bewusst sein, dass wir mit Dialekt für ein Publikum von rund 4 Millionen Zuschauer drehen, und entsprechend wenige Schauspieler zur Verfügung haben. Und einen weiteren Tipp gaben die vier an Jung-Regisseure und -Produzenten: «Gebt beim Bund nie ein Drehbuch in Dialekt ein. Das versteht dort niemand.»