Die roten Rabattetiketten deuten es schon seit einiger Zeit an, der Aushang zum Liquidationsverkauf macht es noch klarer: Das Einrichtungshaus Teo Jakob gibt seine Solothurner Filiale per 18. März auf. Um die Dienstleistungen in Bern besser zu bündeln, wird als Gegenzug der Standort im Ballenhaus beim Uferbau aufgehoben, heisst es hierzu offiziell seitens Mutterhaus.

Beat Leuenberger, der als Filialleiter bis dahin die Stellung hält, zerstreut gleichzeitig Spekulationen, wonach ein zu hoher Mietzins zum Entscheid geführt habe. Vielmehr, so seine Beobachtung, sei das Retailgeschäft (Detailhandel) im Wandel, und dies nicht nur in der Möbelbranche. So haben sich das Kaufverhalten und die Grundlagen für Kaufentscheide verändert, sagt Leuenberger: «Früher gabs noch die Aussteuer: Man gründete frisch verheiratet einen Haushalt mit Langzeitoptik bei der Möbelwahl: Qualität auf Dauer und zeitloses Design standen im Vordergrund.»

Doch heute seien Trend und Lifestyle dominant. Hochwertige Designentwürfe werden durch billige Kopien ersetzt, was den Kostendruck unter Mitstreitern erhöhe. «Das alles gehört nun mal zur Globalisierung, eine Herausforderung, die sich letztlich nicht umgehen lässt.»

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Eine Teilproblematik betrifft die Digitalisierung, die zwar technologisch vollzogen sei, deren Folgerungen aber noch nicht in den Köpfen angekommen seien: «Vor 20 Jahren liess man sich beraten und kaufte gleichenorts. Heute profitieren nicht wenige Kunden zunächst von der Beratung, bis sie dann unverfroren anderswo einkaufen.» Leuenberger weiss: Miete und Personal kosten, und der Ankauf ab Lieferant bindet Kapital. Eine der möglichen Konsequenzen für den Retailbereich: «Produkt und Dienstleistung müssen voneinander abgekoppelt werden.» Denn, so ist er sicher: Auf den reinen Produktepreis bezogen sei es möglich, konkurrenzfähig zu bleiben.

Für Teo Jakob sei die Konzentration von Fachkompetenz in Bern die direkte Folge all dieser Entwicklungen. Wolle man das gesamte Dienstleistungsspektrum anbieten, das bis in die Fachberatung zuhause reicht, so sei dies unter dem heutigen Kostendruck nicht mehr dezentral möglich. Die Schliessung des hiesigen Standorts lasse sich so gut begründen: «Solothurn kann auch von Bern aus bedient werden.»

Gleichzeitig sieht Leuenberger, dass kleinere Städte, und dazu zählt er eben auch Solothurn, vom Phänomen der Gewerbeabwanderung bedroht werde. Doch es bestehe Hoffnung: «Lokal produziert Ware und Handwerkprodukte mit Qualität haben wieder Auftrieb.»

«Wir haben uns gut geschlagen in Solothurn», ergänzt Leuenberger rückblickend: Von 2000 bis 2002 war das Möbelhaus noch an zwei Standorten in Solothurn vertreten, wurde dann aber durch die Fusion von Hächler und Colombo bei Mobilia am Ritterquai im Ballenhaus zusammengelegt. Zunächst nahm Teo Jakob das ganze Gebäude in Anspruch. Der Kostendruck aber zwang aber sukzessive dazu, Teile des Hauses unterzuvermieten; Bodenpartner, Solheure sowie Smart Home (später Ceed und Neeo). «Man hatte das Potenzial von Solothurn überschätzt», sieht es Leuenberger heute.

Die beiden verbleibenden Verkaufsangestellten erhalten die Möglichkeit, in der Berner Filiale weiterhin zu arbeiten. Die Reinigungskraft aus Solothurn wird pensioniert. Beat Leuenberger, mit der Stadt verbunden, bleibt aber in Solothurn. Zusammen mit Lebenspartnerin Raya Fankhauser wagt er den Schritt in die Selbstständigkeit. Besagte Entkoppelung von Produkt und Dienstleistung wittert Leuenberger selbst als Chance: So will er in den Dienstleistungsbereichen Innenarchitektur, Raumgestaltung und Einrichtungsberatung Fuss fassen.

Neues Projekt am Start

Und wie es derzeit aussieht, wird er dazu im Ballenhaus bleiben – als Teil der Genossenschaft «Village Office». Unter diesem Namen nämlich läuft das Netzwerk, das hier am Ritterquai gemäss Homepage in Solothurn sein «Flaggschiff»-Projekt mit flexibilisierten so genannten Co-Working-Arbeitsplätzen errichten will. Wie dem Newsletter der kantonalen Wirtschaftsförderung zu entnehmen ist, besteht das Angebot aus flexiblen Arbeitsplätzen und Besprechungsräumen, sowie einer moderne Infrastruktur. In wenigen Tagen will «Village Office» dazu detaillierter Auskunft geben. Derweil befindet sich die Institution auf der Suche nach neuen Partnern, die einen Co-Working-Arbeitsplatz in Solothurn suchen.