Solothurn
Der Wunschstein als «soziales Kunstwerk» soll ausstrahlende Bedeutung erlangen

Das Bruder-Klaus-Denkmal auf der Chantierwiese in Solothurn hat im Friedens- und Wunschstein eine sinnvolle Ergänzung erhalten. Am Sonntag wurde er eingeweiht.

Gundi Klemm
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So sieht der Friedens- und Wunschstein in Solothurn aus Der Wunschstein enthält im Fundament einen steinernen Block aus Ranft.
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Simon Reitze ist der Konzeptkünstler hinter der Idee des Steins Nach seiner Idee hat Steinhauer Norbert Eggenschwiler (nächstes Bild) die Skulptur realisiert
Und er hat ihn gemacht: Steinhauer Norbert Eggenschwiler
Niklaus von Flüe habe nie den Katholiken allein gehört, stellte Stadtscheiber Hansjörg Boll in seiner Begrüssung fest.
Landammann Remo Ankli thematisierte die historische Bedeutung der vor 536 Jahren von Niklaus vorgeschlagenen Lösung der Gegensätze zwischen Stadt und Land
Koen de Bruycker, reformierter Pfarrer, würdigte den Eremiten aus evangelischer Sicht
Bischof Felix Gmür betonte die Vorbildsfunktion dieses besonderen Menschen
Bischof Gmür
Lionel, Thierry, Camille und Maxime Schwägli durften als erste ihre Wünsche auf dem neuen Friedens- und Wunschstein auf der Chantierwiese anbringen.
Friedens- und Wunschstein des Bruder Klaus in Solothurn wird eingeweiht
Er ist ein Nachkomme 16. Grades von Bruder Klaus

So sieht der Friedens- und Wunschstein in Solothurn aus Der Wunschstein enthält im Fundament einen steinernen Block aus Ranft.

Hansjörg Sahli

Weit über 100 Personen nahmen am Sonntagabend an der stimmungsvollen Einweihung des Friedens- und Wunschsteins teil, der Bruder Klaus gewidmet ist. In diesem Jahr erinnert man sich landesweit an den 600. Geburtstag dieses weisen Mannes, der sich als 50-Jähriger inmitten seines erfolgreichen Lebens in die Ranftschlucht als Eremit zurückzog, um sich seinem Glauben zu widmen.

Der Ruf des Nikolaus von Flüe als kluger Ratgeber verbreitete sich in ganz Mitteleuropa. Seine Hauptsorge galt dem Frieden auch innerhalb der Eidgenossenschaft. Denn die 1477 siegreich beendeten Burgunderkriege hatten hierzulande Expansionsgelüste in dieser an Wirren reichen Zeit geweckt, und innerhalb der alten acht eidgenössischen Stände hatte sich die Macht zu den grösseren Städten verlagert. Spaltung drohte und sorgte für breite Unzufriedenheit, die erst 1481 mit dem «Stanser Vorkommnis» beendet werden konnte.

Überliefert ist, dass Bruder Klaus der vor dem Abbruch stehenden Versammlung der Stände eine Botschaft überbringen liess, die Wogen glättete und sogar die Aufnahme der Mitglieder Freiburg und Solothurn im eidgenössischen Bund ermöglichte. So konnte der Kanton Solothurn 1981 seine 500-jährige Zugehörigkeit feiern und damals die vom Lohner Künstler Hans Borer geschaffene Statue Bruder Klaus auf der Chantierwiese willkommen heissen.

Wolfgang Wagmann

Nach einem Konzept von Simon Reitze

Unfriedlich ist die Welt immer noch, wie aktuell beängstigende Vorgänge zeigen. Deshalb hat Konzeptkünstler Simon Reitze für dieses Bruder-Klaus-Gedenkjahr als Solothurner Höhepunkt die Einweihung des Friedens- und Wunschsteins ideell und durch die Sammlung grosszügiger Sponsorengelder ermöglicht.

Der Balsthaler Bildhauer Norbert Eggenschwiler realisierte nach Reizes Konzept eine runde Skulptur mit leicht abgeschrägter Deckplatte aus Schiefer, auf der Wünsche und Hoffnungen für Leben, Gemeinschaft und Zukunft aufgezeichnet werden können. «Ich bin glücklich darüber, dass Denkmal und Wunschstein an den vorhandenen Kinderspielplatz angrenzen und als Weltpremiere unsere Jugend, uns Erwachsene und Gäste aus aller Welt an das zeitlose Wirken des Eremiten aus Ranft erinnern», betonte Reitze.

Ökumenische Andacht

Niklaus von Flüe habe nie den Katholiken allein gehört, stellte Stadtscheiber Hansjörg Boll in seiner Begrüssung fest. Als Mittler zwischen unterschiedlichen Ansprüchen von Gesellschaft, Kirche und Machthabern habe man ihm als Integrations- und Identitätsfigur laut Zitat Rede Peter von Matt «weitherum vertraut».

Die Roadshow «Niklaus von Flüe – UNterwegs» machte auch in Solothurn Halt

Im Gedenkjahr tourt ein mobiler Pavillon durch 30 Standorte in allen Schweizer Kantonen. Mit dem Besuch in Solothurn auf der St.-Ursen-Terrasse haben die begleitenden Betreuerinnen Cristina Grossenbacher und Rahel Wepfer bereits zwei Drittel der Rundreise absolviert. Für viele Besucherinnen und Besucher wie beispielsweise Annemarie Stampfli (Hubersdorf) brachte der Rundgang durch die zu Selbstreflexion und Meditation anregenden Kammern des Pavillons persönlich wichtige Erkenntnisse: «Die Ruhe erdet mich, die Begegnung mit Bruder Klaus führt mir in unserer hektischen Zeit vor Augen, was wirklich wichtig ist», so Stampfli.

Eine kupferne Kugel, die in Flüeli-Ranft erst in hundert Jahren wieder geöffnet wird, sammelte nach dem Rundgang schriftlich abgefasste Eindrücke und Wünsche für die Zukunft. Etwas Verstimmung herrschte kurz vor der Schliessung von «Niklaus von Flüe-Unterwegs», da nicht klar kommuniziert war, dass es sich nicht um einen beliebig gestaltbaren Rundgang durch den Pavillon, sondern um jeweils angemeldete Einzelbesuche handelt, deren Verweildauer von einem Gongschlag in den Kabinen auf insgesamt 30 Minuten getaktet wurde. Für etliche Interessierte reichte deshalb die Zeit bis zur Ökumenischen Einweihungsfeier nicht mehr. (gku)

Landammann Remo Ankli thematisierte die historische Bedeutung der vor 536 Jahren von Niklaus vorgeschlagenen Lösung der Gegensätze zwischen Stadt und Land. Marius Risi, Leiter Amt für Kultur und Sport im Kanton Obwalden, beleuchtete Bruder Klaus als facettenreiche Figur, die «... nicht dem Mainstream eines Heiligen entsprach».

Koen de Bruycker, reformierter Pfarrer, würdigte den Eremiten aus evangelischer Sicht, Luisa Heislbetz, Interimsleiterin der Katholischen Kirchgemeinde, beschrieb seine bis heute gültigen Werthaltungen. Klaus Wloemer als Pfarrer der Christkatholiken gedachte seiner Fähigkeit als friedfertiger Brückenbauer.

Bischof Felix Gmür betonte die Vorbildsfunktion dieses besonderen Menschen, welche die Umstehenden mit der mehrfachen Wiederholung des gesungenen Gebetes von Bruder Klaus «Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir...» bekräftigten.

Soziales Kunstwerk

Mit ihrer Anwesenheit unterstrichen zahlreiche Parlamentsangehörige, angführt von Kantonsratspräsident Urs Huber, und der Regierungsvertretung durch Staatsschreiber Andreas Eng, dass der Wunschstein als «soziales Kunstwerk» inmitten der Aura von Bruder Klaus ausstrahlende Bedeutung erlangen möge. Als Gast beteiligt war Alois von Flüe als weitläufiger, im 16. Grad verwandter Nachkomme von Niklaus von Flüe.

Johannes Reitze umrahmte die Veranstaltung mit Gitarrenmusik. Der Wunschstein, der mit einer Schenkungsurkunde der Stadt Solothurn übereignet wurde, enthält im Fundament einen steinernen Block aus Ranft.