Weit über 100 Personen nahmen am Sonntagabend an der stimmungsvollen Einweihung des Friedens- und Wunschsteins teil, der Bruder Klaus gewidmet ist. In diesem Jahr erinnert man sich landesweit an den 600. Geburtstag dieses weisen Mannes, der sich als 50-Jähriger inmitten seines erfolgreichen Lebens in die Ranftschlucht als Eremit zurückzog, um sich seinem Glauben zu widmen.

Der Ruf des Nikolaus von Flüe als kluger Ratgeber verbreitete sich in ganz Mitteleuropa. Seine Hauptsorge galt dem Frieden auch innerhalb der Eidgenossenschaft. Denn die 1477 siegreich beendeten Burgunderkriege hatten hierzulande Expansionsgelüste in dieser an Wirren reichen Zeit geweckt, und innerhalb der alten acht eidgenössischen Stände hatte sich die Macht zu den grösseren Städten verlagert. Spaltung drohte und sorgte für breite Unzufriedenheit, die erst 1481 mit dem «Stanser Vorkommnis» beendet werden konnte.

Überliefert ist, dass Bruder Klaus der vor dem Abbruch stehenden Versammlung der Stände eine Botschaft überbringen liess, die Wogen glättete und sogar die Aufnahme der Mitglieder Freiburg und Solothurn im eidgenössischen Bund ermöglichte. So konnte der Kanton Solothurn 1981 seine 500-jährige Zugehörigkeit feiern und damals die vom Lohner Künstler Hans Borer geschaffene Statue Bruder Klaus auf der Chantierwiese willkommen heissen.

Nach einem Konzept von Simon Reitze

Unfriedlich ist die Welt immer noch, wie aktuell beängstigende Vorgänge zeigen. Deshalb hat Konzeptkünstler Simon Reitze für dieses Bruder-Klaus-Gedenkjahr als Solothurner Höhepunkt die Einweihung des Friedens- und Wunschsteins ideell und durch die Sammlung grosszügiger Sponsorengelder ermöglicht.

Der Balsthaler Bildhauer Norbert Eggenschwiler realisierte nach Reizes Konzept eine runde Skulptur mit leicht abgeschrägter Deckplatte aus Schiefer, auf der Wünsche und Hoffnungen für Leben, Gemeinschaft und Zukunft aufgezeichnet werden können. «Ich bin glücklich darüber, dass Denkmal und Wunschstein an den vorhandenen Kinderspielplatz angrenzen und als Weltpremiere unsere Jugend, uns Erwachsene und Gäste aus aller Welt an das zeitlose Wirken des Eremiten aus Ranft erinnern», betonte Reitze.

Ökumenische Andacht

Niklaus von Flüe habe nie den Katholiken allein gehört, stellte Stadtscheiber Hansjörg Boll in seiner Begrüssung fest. Als Mittler zwischen unterschiedlichen Ansprüchen von Gesellschaft, Kirche und Machthabern habe man ihm als Integrations- und Identitätsfigur laut Zitat Rede Peter von Matt «weitherum vertraut». 

Landammann Remo Ankli thematisierte die historische Bedeutung der vor 536 Jahren von Niklaus vorgeschlagenen Lösung der Gegensätze zwischen Stadt und Land. Marius Risi, Leiter Amt für Kultur und Sport im Kanton Obwalden, beleuchtete Bruder Klaus als facettenreiche Figur, die «... nicht dem Mainstream eines Heiligen entsprach».

Koen de Bruycker, reformierter Pfarrer, würdigte den Eremiten aus evangelischer Sicht, Luisa Heislbetz, Interimsleiterin der Katholischen Kirchgemeinde, beschrieb seine bis heute gültigen Werthaltungen. Klaus Wloemer als Pfarrer der Christkatholiken gedachte seiner Fähigkeit als friedfertiger Brückenbauer.

Bischof Felix Gmür betonte die Vorbildsfunktion dieses besonderen Menschen, welche die Umstehenden mit der mehrfachen Wiederholung des gesungenen Gebetes von Bruder Klaus «Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir...» bekräftigten.

Soziales Kunstwerk

Mit ihrer Anwesenheit unterstrichen zahlreiche Parlamentsangehörige, angführt von Kantonsratspräsident Urs Huber, und der Regierungsvertretung durch Staatsschreiber Andreas Eng, dass der Wunschstein als «soziales Kunstwerk» inmitten der Aura von Bruder Klaus ausstrahlende Bedeutung erlangen möge. Als Gast beteiligt war Alois von Flüe als weitläufiger, im 16. Grad verwandter Nachkomme von Niklaus von Flüe.

Johannes Reitze umrahmte die Veranstaltung mit Gitarrenmusik. Der Wunschstein, der mit einer Schenkungsurkunde der Stadt Solothurn übereignet wurde, enthält im Fundament einen steinernen Block aus Ranft.