Solothurns Bäche
Der Wildbach hat ein «gigantisches Renaturierungspotenzial»

In unserem dritten Teil der Serie Solothurns Bäche beurteilt Spezialist David Gerke die Chancen für naturnahe Wasserläufe.

Wolfgang Wagmann
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Hier mündet der Obach in die Aare
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Solothurns Bäche
Der Verenabach ist am schönsten, bevor er als Sr. Katharinenbach Solothurn erreicht.
Der St. Katharinenbach durchfliesst die Gräberreihen des gleichnamigen Friedhofs.
Der Hunnenbach beim Vorstadtschulhaus
Beim Schulhaus Brühl wurde der Brunngraben wieder an die Oberfläche geholt
Der Brühlgraben
Der Dürrbach

Hier mündet der Obach in die Aare

Wolfgang Wagmann

Die Bäche auf Stadtsolothurner Boden haben vieles ertragen müssen. Sie wurden unter dem Boden eingedolt und versteckt, umgeleitet und auch am Tageslicht begradigt und in ein kanalartiges Betonkorsett gesteckt.

David Gerke David Gerke, wohnhaft in Zuchwil, lebte auch zehn Jahre in Solothurn. Der 29-Jährige ist über den Sommer Schafhirte im Bündnerland und Präsident der Gruppe Wolf Schweiz. Für Pro Natura hat Gerke die Projektleitung bei Renaturierungen und ist zuständig für das Biberprojekt «Hallo Biber! Mittelland». Der passionierte Jäger und Fischer ist zudem Präsident des Fischereivereins Solothurn und Umgebung.

David Gerke David Gerke, wohnhaft in Zuchwil, lebte auch zehn Jahre in Solothurn. Der 29-Jährige ist über den Sommer Schafhirte im Bündnerland und Präsident der Gruppe Wolf Schweiz. Für Pro Natura hat Gerke die Projektleitung bei Renaturierungen und ist zuständig für das Biberprojekt «Hallo Biber! Mittelland». Der passionierte Jäger und Fischer ist zudem Präsident des Fischereivereins Solothurn und Umgebung.

Die zwei Vorzeigebäche

Gebessert habe sich die Situation in Sachen Phosphat-Einbringung durch die Landwirtschaft, ist David Gerke überzeugt. Nichts auszusetzen hat der Spezialist von Pro Natura am Dürrbach. «Ihn kann man so lassen, wie er ist. Der Dürrbach ist ja ohnehin schon ein kantonales Naturschutzreservat.» Auch der Obach «hat noch viele schöne Ecken, obwohl er mitten in der Siedlungszone liegt», bemerkt Gerke.

In diesem Bachlauf, der sich immer noch in Mäandern durch das Obachquartier westlich der Altstadt schlängelt, sieht der Fischerei-Fachmann «punktuelle Optimierungen.» Und meint damit einige Kiesaufschüttungen im Wasser, um die Laichmöglichkeiten für die Fische zu verbessern.

Reichlich kaltes Wasser

Beim Wildbach gerät David Gerke regelrecht ins Schwärmen, was die Zukunft des Grenzbachs zu Bellach anbelangt: «Er hat ein gigantisches Renaturierungspotenzial.» Verlaufe er doch südlich der SBB-Bahnlinie über eine Länge von 1,5 Kilometern schnurgerade eingezwängt in einem Korsett von Beton-Halbschalen. «Gleich südlich der Bahn ist das Bachwasser viel zu schnell, ja es stellt für Fische ein Aufstiegshindernis dar.»

«Alten Flusslauf zuschütten»

Dezidiert äussert sich David Gerke zum Projekt Wasserstadt: «Es ist wichtig, dass der Stadtmist saniert wird.» Schon nur, um die immer wieder arg belasteten Entwässerungsgräben, den Brunn- und den Brühlgraben, in die Normalität zurückzuführen. Das jetzige zweite Wasserstadt-Projekt sein insofern besser, als es nicht mehr vorsehe, den Wildbach in die damals geplante Lagune zu leiten. In der aktuellen Projektierung münde er wie bisher vor der neu vorgesehenen Flussschlaufe in die Aare. Auf die Schlaufe angesprochen meint Gerke: «Doch die Kurve gefällt mir gut - wenn das Ufer nicht bebaut würde.» Allerdings sieht er ein hydrologisches Problem beim neuen Aare-Arm: Die Strömung dort werde wohl zu schwach sein, um das Wasser genügend auszutauschen. «Man müsste wohl im Gegenzug den bisherigen Flusslauf ganz oder teilweise zuschütten», mutmasst er. Auch der vorgesehene aufzuschüttende Hügel mit nicht belastetem Stadtmist-Areal stört ihn: «Der passt nicht in die Witi-Landschaft.» Der wichtigste Punkt für David Gerke bei einer Wasserstadt-Realisierung wäre aber, dass «für das überbaute Land genügend Kompensationsflächen für die Landwirtschaft und Natur bereitgestellt werden.» (ww)

Mit einer Renaturierung, dem Entfernen der Beton-Halbschalen, könne man dem Wildbach eine unterschiedliche Dynamik verleihen, die wiederum für verschiedene Lebensräume sorgen. Weniger möglich sei das wegen des Aarestaus im Unterlauf, dessen ruhiger Wasserstand jedoch dem Biber behage (vgl. letzter Serienteil). Eine Renaturierung ist immerhin auf dem Papier schon aufgegleist: Im kürzlich verabschiedeten Gestaltungsplan zur projektierten Überbauung Wohnpark Wildbach ist sie planerisch
sichergestellt.

Der Wildbach verfügt laut Gerke aber auch über einen wichtigen Vorteil: «Dank dem Tunnelwasser, das rund um den Weissensteintunnel austritt, ist die Wassertemperatur im Wildbach immer ziemlich kalt.» Wichtig für die Forellen, die in der Aare zunehmend Wärmestress ausgesetzt seien. «Langzeit-Messreihen in der Dünnern belegen, dass die Wassertemperatur in den letzten 50 Jahren um 1 Grad angestiegen ist.» Und in Phasen über 20 Grad, die regelmässiger auftreten, werde es für die Forellen in der Aare eng. «Dagegen sind solche Bedingungen für die Welse ideal. Sie haben sich entsprechend vermehrt», weiss David Gerke.