Die Bäche auf Stadtsolothurner Boden haben vieles ertragen müssen. Sie wurden unter dem Boden eingedolt und versteckt, umgeleitet und auch am Tageslicht begradigt und in ein kanalartiges Betonkorsett gesteckt.

Der Renaturierungs-Spezialist David Gerke sieht jedoch Chancen für Aufwertungen. Zum Verenabach, der im städtischen Unterlauf zum St. Katharinenbach mutiert, meint er: «Viel müsste man nicht ändern, oben in der Schlucht ist er ohnehin ein Bijou.» Verbessert werden sollte die kleine Kläranlage ARA beim Schluchteingang in Rüttenen. «Sie sorgte wie viele solche kleine Anlagen schon wiederholt für Probleme», spricht er einige Fischsterben an, die auf die nicht oder schlecht funktionierende Kläranlage zurückzuführen waren.

Die zwei Vorzeigebäche

Gebessert habe sich die Situation in Sachen Phosphat-Einbringung durch die Landwirtschaft, ist David Gerke überzeugt. Nichts auszusetzen hat der Spezialist von Pro Natura am Dürrbach. «Ihn kann man so lassen, wie er ist. Der Dürrbach ist ja ohnehin schon ein kantonales Naturschutzreservat.» Auch der Obach «hat noch viele schöne Ecken, obwohl er mitten in der Siedlungszone liegt», bemerkt Gerke.

In diesem Bachlauf, der sich immer noch in Mäandern durch das Obachquartier westlich der Altstadt schlängelt, sieht der Fischerei-Fachmann «punktuelle Optimierungen.» Und meint damit einige Kiesaufschüttungen im Wasser, um die  Laichmöglichkeiten für die Fische zu verbessern.

Reichlich kaltes Wasser

Beim Wildbach gerät David Gerke regelrecht ins Schwärmen, was die Zukunft des Grenzbachs zu Bellach anbelangt: «Er hat ein gigantisches Renaturierungspotenzial.» Verlaufe er doch südlich der SBB-Bahnlinie über eine Länge von 1,5 Kilometern schnurgerade eingezwängt in einem Korsett von Beton-Halbschalen. «Gleich südlich der Bahn ist das Bachwasser viel zu schnell, ja es stellt für Fische ein Aufstiegshindernis dar.»

Mit einer Renaturierung, dem Entfernen der Beton-Halbschalen, könne man dem Wildbach eine unterschiedliche Dynamik verleihen, die wiederum für verschiedene Lebensräume sorgen. Weniger möglich sei das wegen des Aarestaus im Unterlauf, dessen ruhiger Wasserstand jedoch dem Biber behage (vgl. letzter Serienteil). Eine Renaturierung ist immerhin auf dem Papier schon aufgegleist: Im kürzlich verabschiedeten Gestaltungsplan zur projektierten Überbauung Wohnpark Wildbach ist sie planerisch
sichergestellt.

Der Wildbach verfügt laut Gerke aber auch über einen wichtigen Vorteil: «Dank dem Tunnelwasser, das rund um den Weissensteintunnel austritt, ist die Wassertemperatur im Wildbach immer ziemlich kalt.» Wichtig für die Forellen, die in der Aare zunehmend Wärmestress ausgesetzt seien. «Langzeit-Messreihen in der Dünnern belegen, dass die Wassertemperatur in den letzten 50 Jahren um 1 Grad angestiegen ist.» Und in Phasen über 20 Grad, die regelmässiger auftreten, werde es für die Forellen in der Aare eng. «Dagegen sind solche Bedingungen für die Welse ideal. Sie haben sich entsprechend vermehrt», weiss David Gerke.