Noch zwei Stunden bis zur Eröffnung des zweiten «Soledurner Wiehnachtsmärets»: Bei dem «Schiff» jagt man wahrlich keinen Hund vor die Tür. Zudem würde dieser ja auch nicht die ausstehenden Weihnachtseinkäufe erledigen. Das ist schliesslich auch nicht nötig: Petrus gewährt dem Anlass am Kreuzackerquai in fast letzter Minute dann doch einen trockenen Start. Entsprechend findet sich viel Volk ein, um bei rund 40 Standhütten zu stöbern – Dinge für unter den Baum, Dinge für an den Baum oder schlicht für die Einstimmung auf die Festtage. Denn dezembergerechte Stimmung bietet der Wiehnachtsmäret auch ohne Schneehäubchen auf den Hüttendächern ausreichend: Dafür sorgen eine festtagswürdige Dekoration und natürlich ein breites Angebot an Geschenkideen.

Handgeschaffenes vor Plastik

In vorweihnächtlicher Mission unterwegs ist unter anderem auch Silvia Wälti mit Göttibub Yves Wälti: «Nach unserem Weihnachtsbummel in der Altstadt hat es uns nun noch hierhin verschlagen. Jetzt geniessen wir die festliche Stimmung.» Zudem stellt Wälti erfreut fest, dass der Weihnachtsmarkt in seinem zweiten Jahr gewachsen ist und bereits weiter in Richtung Westen reicht.

Auch Justine Weyeneth aus Büren a.A. wurde von der idyllischen Stimmung angelockt: «Wir, das sind vier Freundinnen, treffen uns regelmässig, um gemeinsam was zu unternehmen. Und dieses Mal entschieden wir uns für den Märet.» Natürlich hält auch sie Ausschau nach dem einen oder anderen Präsent für ihre Enkel und sogar Urenkel: «Vor allem Handgeschaffenes wie Holzspielzeug fasziniert mich», schwärmt Weyeneth. Da ist sie wohl am richtigen Ort: Denn der Wiehnachtsmäret folgt dem Gegentrend der Entschleunigung, stellt sich gegen Supermarkt-Einkaufshektik und Plastikmentalität, und scheint damit anzukommen.

Fast schon Kunsthandwerk dann beim Stand von «Eloise und Max»: Dort stehen Engel Spalier – aus Holz mit Flügeln aus Rostmetall. Monika Roth und Therese Rickenbacher aus Langendorf bieten Handgefertigtes an, Textilien, Tonwaren, und neben vielem anderen eben auch Skulpturen. «Die Holzengel entstanden aus ein paar Schwarten Lindenholz, die nach einer Unterrichtsstunde übrig geblieben waren», erinnert sich die frühere Werklehrerin Rickenbacher. In ihrem Garten ausgestellt, zogen die engelhaften Holzskulpturen die Blicke auf sich. Und das tun sie bis Sonntag auch am Aarequai.

Authentisches in Rot-Weiss

Derweil folgen die jüngeren Besucher erwartungsvoll dem Samichlaus – pardon: Weihnachtsmann – der sich von «Santinigginäggis» und musikalischen Einlagen wie «Oh Tannenbaum» berieseln lässt und die Kleinen mit Lebkuchen belohnt. Authentisch kommt auch er daher: nicht nur, weil er wie sein «Original» von Ort zu Ort, von Märet zu Märet zieht. Auch der Bart ist echt – was sich ohne Zupftest von blossem Auge feststellen lässt.

Wenige Meter neben dem «Värsli-Egge» ist auch die Buchhandlung Säli vertreten. Kontrast zum aktuellen Videospielangebot: «Mit dem Lesestoff bieten wir etwas Immerwährendes für unter den Weihnachtsbaum», sagt Sandra Bieri. Die Buchhandlung ist zum zweiten Mal dabei, vorwiegend, um in der Vorstadt präsent zu sein und den Bekanntheitsgrad zu steigern. «Denn primär gehts hier nicht ums grosse Geschäft», sagt Bieri. Auch nicht unbedingt für Grosseinkäufe hier ist Christoph Ruprecht aus Biberist: «Mit Weihnachtseinkäufen kann man mich eigentlich jagen», schmunzelt er. Und doch müssen sie gemacht sein. Genüsslich schlürft er vorab ein Wysüppli. Selbst ein Bummel am hektikarmen Wiehnachtsmäret zehrt Energie – auch wenn man danach doch aufgetankt heimkehrt.