Schon vorher verkaufte er im Lokal mit gleichem Namen an der Löwengasse seine Weine – und das tut er auch heute noch an der Aare vorne. Spezialisiert ist der 59-Jährige auf «Italiener», meist aus kleineren und familiären Betrieben, und «etwas Spanier sowie Österreicher». Allerdings, das Geschäft sei schwieriger geworden. «Man muss mehr tun in Sachen Events. Auch uns setzt der Internethandel zu». Und nicht zu unterschätzen sei die Konkurrenz durch Pensionierte, «die noch Weinhändler werden wollen».

Vor allem aber sieht Infantino auch den Wandel, den der Landhausquai in den letzten 20 Jahren durchgemacht hat: «Ich bin noch das einzige Geschäft hier. Alle andern sind verschwunden oder umgezogen», zählt er bekannte Adressen wie Mike Stockers Musikladen Tribe oder auch den an die Theatergasse umgezogenen «Spielhimmel» auf. «Mit all den Bars und Restaurant ist eine andere Struktur entstanden, es fehlt mir die Laufkundschaft.»

An sich eine Top-Lage

Inzwischen übertreffe der Konsumations-Umsatz in der «Cantina del Vino» denjenigen aus dem Weinhandel, räumt Infantino ein. Deshalb aber sei der Standort am Landhausquai wiederum eine Top-Lage. Seine Tavolatas, Degustationen oder auch Spezialitätenabende mit Austern, Moules oder Saucissons aus dem Jura finden stets ein treues Publikum.

Übrigens: Franco Infantino ist nur Wahlsolothurner. Im jurassischen Saicourt betreibt er zusammen mit seiner Frau Ursula noch den Trekking-Hof Miramont – ein idyllisches Plätzchen. Vielleicht mit ein Grund, warum er am Landhausquai im modernen Anbau des Breggerhauses nicht auf den Beizen- und Bar-Trend umsattelt: «Nei, das mach i nümm!» Wenn, dann könne das seine «Jungmannschaft» dereinst in Angriff nehmen. Er aber bleibt bei seiner Ansicht: «Die Leute kommen immer noch gerne hierher, trinken ein Glas Wein, reden darüber und kaufen ihn.»

Die «Rue de Blamage»

Franco Infantino kam an den Landhausquai, als dort die Entwicklung einsetzte, die zur heutigen Ausgehmeile entlang der «Rue de Blamage» mit ihren vielen In-Lokalen geführt hatte. «Das Ganze ist heute eine gute Sache für Solothurn», glaubt der Weinhändler, der sich lange Jahre für das Konstrukt entlang des Aaremürlis engagiert hat. In der «IG Landhausquai» war er zusammen mit «Kreuz»-Vertreter Hansruedi Meyer jahrelang Ansprechpartner für alle Themen, welche die kleine, aber quirlige Welt zwischen dem Landhaus und der Wengibrücke umtrieben.

Die ersten Gehversuche zu einer Attraktivierung mit dem Projekt «leicht italienisch», die Ansiedlung von neuen Restaurants und Bars, die wiederum Forderungen nach sich zogen. Für weniger Verkehr und Fahrverbote wurde gekämpft, nachdem man im ständigen Kontakt mit der Polizei die Drogenszene in den Griff bekommen, ja weitgehend verbannt hatte. «Das war ein harter Kampf» erinnert sich Infantino. «Und jedes Jahr haben wir einen Gemeinderat-Apero für den Informationsaustausch organisiert.»

Familien fehlen

Heute ist die IG Landhausquai für Franco Infantino nur noch Geschichte. «Die einzelnen Interessen sind zu verschieden geworden.» Denn die jüngste Entwicklung zur Solothurner Ausgangsmeile sieht er nicht nur positiv. Jahrelang hatten sich die IG und mit ihr auch Infantino für das sogenannte «Landhausquai-Fest» jeweils im Sommer eingesetzt. Dieses sollte ein Treffpunkt für Jung und Alt sein. «Da kamen noch die Familien mit ihren Kindern und es wurde am Quai überall gespielt.»

Die Familien hierher an den Quai zu holen, sei damals das Ziel der Festivitäten gewesen. «Und die Familien, die vermisse ich heute ein wenig.» Aber er habe nichts gegen die Bars und Beizen ringsum - «denn schliesslich arbeite ich mit vielen von ihnen zusammen.»