Solothurn

Der Wald, der Wald – und immer wieder der Wald

«Suddenly I stop» nennt Martin Reukauf seine Ausstellung im Haus der Kunst. Er malt den Wald im Wald.

«Suddenly I stop» nennt Martin Reukauf seine Ausstellung im Haus der Kunst. Er malt den Wald im Wald.

Im Haus der Kunst St. Josef in Solothurn zeigt Martin Reukauf eine Auswahl neuer und neuerer Arbeiten.

Ja, der Wald ist ein unerschöpfliches Thema. Und es ist das ausschliessliche Thema für die malerischen Ambitionen von Martin Reukauf und dazu unmittelbares «plein air»-Atelier. Denn wer die Arbeiten von Martin Reukauf aus Uster kennt, der weiss, dass seine Bilder direkt im Wald und damit mitten im Geschehen als rein malerische Auseinandersetzung mit Licht und Farbe, Licht und Schatten, Fläche und Struktur entstehen.

Der Wald bietet viel – jahreszeitliche Stimmungen, tageszeitliche Atmosphären, hohe Bäume und tiefes Gebüsch, Laub, Wege, Lichtungen und undurchdringliche Natur. Diese findet er im Wald unmittelbar vor der Leinwand, zu welcher er samt Farbpalette mit dem Velo hinfährt. Erlebte vielfältige Situationen und Strukturen, die Grundstimmungen mit den wandelbaren Lichteinfällen und komplexe Reflexionen trägt er mit energischer Geste vor Ort auf.

Neu pastöse Aufträge

Vor allem in den Arbeiten der letzten Jahre verdichten und vermengen sich kurze, heftige und pastöse Pinselstriche und materialdichte Farbaufträge zu geheimnisvollem Unterholz und undurchdringlichem Walddickicht, zu verwachsenen Baumkronen und Gebüsch, Laubwerk und Geäst. Zu Licht und Schatten je nach Farbenspiel von Frühling, Sommer, Herbst und Winter, des Morgens, Mittags und des Abends. Dabei haben sich diese Naturreflexionen als wieder erkennbare Wirklichkeit im Laufe der malerischen Auseinandersetzung in ihrer informellen Gestik weiter aufgelöst. Entweder verdichten und schichten sich die Farben zu einer kompakten, greifbaren Plastizität, oder aber in den neusten Werken löst sich die Natur im transparenten Auftrag der eher trockenen Pinselführung zu einer lichten Abstraktion auf.

Doch das, was aus der Nähe als heftige oder energische Farbtupfer und -flecken oder Farbvernetzungen wirkt, hinterfragt Martin Reukauf mit seiner malerischen Sicht des Waldes und damit der Natur als ein vielschichtiges wie tiefgründiges Spiel. Denn erst aus der Distanz und einer nichtfrontalen Betrachtung, wenn man dem Auge ein wenig Zeit lässt, sich auf Farbstrukturen und -verdichtungen einlässt, erkennt man die vom Künstler vorgefundenen Situationen und deren malerische Umsetzung: Dichtes Unterholz, Licht, das durch hohe Baumkronen fällt, Licht und Schatten, Lichtungen, die sich zur Tiefenwirkung öffnen, Herbstlaubverfärbungen und winterliche Kälte, schmale Wege und säumende Bäume.

Der Wald bestätigt so immer wieder die malerische Idee, bis dann das Bild fertig ist: «Suddenly I stop» nennt der Künstler diese erste Einzelausstellung im Haus der Kunst, denn kein Bild wird im Atelier fertiggestellt, gegebenenfalls fährt Martin Reukauf mit dem erstellten Werk nochmals in den Wald, an den gleichen Ort, um den malerischen Prozess im vollendeten Bild zumindest für dieses Werk abzuschliessen.

Bis 5. März. Geöffnet: Do und Fr 17 bis 20 Uhr, Sa und So 13 bis 17 Uhr. www.hausderkunst.ch

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