Wie ein Fingerzeig Gottes hievt der riesige Kranarm das Kreuzlein auf den Dreieckgiebel der St.-Ursen-Fassade. Dabei wiegt das Eisenkreuz mit vergoldetem Strahlenkranz 300 kg, ist 1,60 Meter breit und 3,30 Meter hoch, «davon sind zweieinhalb Meter sichtbar», weiss Toni Maccaferri, Inhaber der gleichnamigen Solothurner Metallbaufirma. In einer halben Stunde ist der finale Akt, die Montage des Kreuzes, für ihn, Sohn Reto Maccaferri, Spengler Lindo Torre - er sorgt für die Kupferabdeckung des Kreuzsockels - und Steinhauer Heinz Lehmann beendet. Mit Mörtel giesst dieser das Loch im Sockel aus, «das hält jetzt auf ewig», glaubt Torre.

Dabei war an dem Kreuz schon einmal herumrepariert worden, so Maccaferri Senior. Doch zuletzt sei es in einem «ganz schlechten Zustand» gewesen. «Die Strahlen waren nicht mehr zu retten, sie mussten neu aus 2,5 mm dickem Kupferblech gefertigt werden.» Die Dorne, auf denen die vergoldeten Messingkugeln stecken, seien teilweise nur noch zwei Millimeter stark gewesen, und auch sonst habe der Rost gewirkt. Doch jetzt sei alles wieder paletti, meint Maccaferri, der bereits 1983 das Turmkreuz renovierte und bei der dortigen Bolzenreparatur vor kurzem am Kreuz selbst «keinerlei Rostflecken» entdeckt hatte.

Der Endspurt hat begonnen

«Die Kreuz-Sanierung hat mit dem Brand nichts zu tun», erklärt dazu Kirchgemeindepräsident Karl Heeb, sondern sie gehört zu den Unterhaltsarbeiten aussen, die mit der Nachbesserung der Figuren nun in die letzte Phase auf der Freitreppe gehen. «Ende August ist St. Ursen ohne Gerüst, und auch innen sind wir für die Wiedereröffnung der Kathedrale am 30. September auf Kurs.»

Dies bestätigt auch Bauleiter Iwan Affolter vom beauftragten Architekturbüro Flury und Rudolf: «Die Orgel ist bereits fertig und wieder bespielbar. Aktuell werden noch die Böden und dann die Sitzbänke fertiggestellt.» Nächstes Jahr ist laut den Verantwortlichen nur noch mit Innenarbeiten im Turm und kleineren Aussenarbeiten am über 60 Meter hohen Stadtwahrzeichen zu rechnen.