Solothurn
Der Umzug in Honolulu wurde vom Wetter verwöhnt

Auf einer rosa Wolke schwebten gestern die Fasnachtsbegeisterten sowohl bei den Aktiven wie im Publikum: Trotz düsteren Prognosen lachte die Sonne einmal mehr über Honolulu, als um 14.31 Uhr der obligate Böller zum Umzugsstart krachte.

Wolfgang Wagmann
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Fasnachtsumzug in Honolulu: 1100 Narren vom Wetter verwöhnt
30 Bilder
Chrumm-Durm-Sumpf-Chroniker
Flauschmusig Blöösli
Aare-Jätter
Guggeschränzer Guggemusig
Glänggeler
Ambassadonner
Impressionen aus dem Publikum
Muttiturmbiiser-Zunft Solothurn
Muttiturmbiisser-Zunft Solothurn
Hudibras-Chutze
Narrenzunft Honolulu
Tambourenverein Solothurn
Impressionen aus dem Publikum
Konfettistampfer
Weihere Schränzer
Impressionen aus dem Publikum
Impressionen aus dem Publikum
Umzug in der Vorstadt
Tannewäg-Zunft
Impressionen aus dem Publikum
Weschtstadt-Zunft Solothurn
Schanzenarre Solothurn
Sans Gêne Zuchwil
Mamfi Guggemusig
Provinznarre Zuchu
Impressionen aus dem Publikum
Die Wüude
Hauptgassleist
Hauptgassleist

Fasnachtsumzug in Honolulu: 1100 Narren vom Wetter verwöhnt

Daniel Wagmann

Rosa auch die Söili der Tambouren, die quasi zur «Hinrichtung» des Euros ihre Schlegel rührten. Denn die Fasnachtszunft Vorstadt zockte in ihrem «Casino royal» was das Zeug hielt, derweil auf dem Zugfahrzeug ein Giga-Hammer dem Fünfliber ständig eins aufs Dach gab. Der 20-Zylinder-Motor der Glänggeler stellte seine Ohren: 40 Jahre schon hat die Gugge nämlich Musik im Ohr.

Noch weiter zurück begab sich die Narrenzunft Nictum mit ihrem Matratzenlager wie vor 150 Jahren. Schön die Idee, mit unzähligen Wollknäueln das Zugfahrzeug zu umhüllen - an diesem Wagen hätte das Lismer Anni seine helle Freude gehabt. Den Faden weiter spannen aber gleich die grünen Grashüpfer, denn, jedes Mitglied des Tatzelwurms war mit einem anderen «verkabelt».

Gezähmte Wüüde

Nach ihrem letztjährigen Sargschocker gaben sich die Wüüde dieses Jahr weniger makaber, auch wenn Gevatter Tod das rostige Gefährt mit der vorgängigen Einsatztruppe lenkte. Trotzdem: Der Wagen im Kofmehl-Groove war wieder ein spezieller Augenschmaus. Das Publikum fand an den weissen Mamfi-Engeln Gefallen – gefallene Engel sehen nämlich anders aus. Ebenfalls dem Euro widmete die Sans-Gene-Zunft Zuchwil ihren Wagen. Das sinkende Euro-Schiff soll im letzten Moment mit einem neuartigen Kran geborgen werden – obs gelingt wissen wir vielleicht am Dienstag. Spannend auch für die Ambassadonner hinter den Zuchwilern: ihre bunten Kraken-Spinnen-Gringe haben jedenfalls die Pupillen schon weit ausgefahren.

Schwarz ist die Farbe dieses Umzugs 2012 und ein Ausrufezeichen zu diesem Thema setzt die Narrenzunft Honolulu: Ihre 80-köpfige Krähenschar in den drei bunten Nestern im Platanendschungel kann nur mit schwerster Artillerie wirksam bekämpft werden – und davon hats bekanntlich in der Vorstadt mehr als genug. Auch schon 20 Jahre unterwegs sind die Aare-Jätter, die sich zum «Jubiläumli» ein violettes Festkostüm zugelegt haben. Ganz besondere Ambitionen hegen dagegen die Stedtli-Gumsle: In ihrer Backstube basteln sie optisch reizvoll an der Rezeptur für den perfekten Mann.

Schwarz, weils passt

Wie schon am Kinderumzug kreuzten die aufwändig herausgeputzten Lampefäger die Gasse, gefolgt von der bunt-gestiefelten Wy-beeri-Gugge mit einem revolutionären Kopfputz: eben dem «Schüehtli». Auch die Herregägger thematisierten die Eurokrise – visuell umgesetzt nach dem Motto: «Dr Pleitegeier leit goldigi Eier.» Zu Abwechslung wieder einmal ganz in Schwarz zogen die Zuchler Provinznarren als Zauberer ihr Harry-Potter-Schloss mitsamt Drachen durch die Alt- und Vorstadt. Einen letzten Farbtupfer setzten die Jungtambouren und einige Nachwuchsgruppen, ehe die Kindergugge 11-Schränzer ebenfalls ganz auf die Modefarbe Schwarz setzte. Und zwar mit einer höchst plausiblen Erklärung: Schwarz passt gäng!

Hudibradler und Kladereflyer

Immer viel Betrieb herrscht auf der Gasse, wenn die Hudibras-Chutze auftauchen. Mit liebevoll erarbeiteten Accessoires und einem Wagen, auf dem einiges los ist, kann die traditionelle Wagenbauzunft vor allem mit ihrem «Radussell» im Velodrom der Hudibradler punkten. Die Gugggeschränzer mit ihrem typischen, «verschleipfte Waggu» konnten nicht verhindern, dass sich die Kladeredätsch in ihren Super-Gostümen eifrig auf ein Verfolgungsrennen mit den Hudibrassen einliessen – allerdings trotz leerem Akku auf Flyern.

Ein lokales Thema nahm die Tannewägzunft auf: Nur noch Tannezwärge trauen sich zur Verena in die Verenaschlucht –das Zugfahrzeug eine Hexe mit einem riesigen Fliegenpilz in der Hinterhand, das sagt so ziemlich einiges.

«Kurt, mir gö no furt!»

Die Chrumm-Durm-Sumpf-Chroniker als wenigstens grünschwarze Schellennarren, die Altstadt-Rueche im Ei-Phone-Fieber – der Umzug rollte im wahren Expresstempo am staunenden Publikum vorbei. Es dürfte einer der schnellsten Umzüge der jüngsten Zeit gewesen sein; ob das wohl am neuen Umzugschef Yves Hauri gelegen hat? Oder an den Guggetschi, die nur zu zehnt auf die Instrumente verzichtet und auf Schirme gesetzt hatten, die zum Glück nur als Sonnenschutz eingesetzt werden mussten? Item. Die weissgesichtigen Mystiker der Weihere-Schränzer Riedholz sind nach wie vor in Sachen Klangkörper wie Kostüme ein Ding für sich. Genauso die Weschtstadtzunft, die immer eine originelle Umsetzung ihres Sujets schafft: Stadtpräsident Kurt Flui schläft den Schlaf des Gerechten auf dem Zugfahrzeug, und lauter Fluris fordern vor der Kulturfabrik Kofmehl: «Lieber Fluri Kurt, mir möchte no chly länger furt!»

Unchristliche Schifffahrt

Wohl nie mehr wird man die Bloosophoniker an einem Umzug spielen hören, doch machen sie dies meist mit guten Gags wett: Die vier Achter der Flauschmusig Blöösli im Ruderwettbewerb waren wirklich zum
Göisse. Aus ihrem Wunderland grüsste die Muttiturm-Biisser-Zunft die Sümgaggophoniker in den Portugal-Farben rot-grün – besonders hervorstechend dank ewig hoher Gringe.

Tja dann, dann kochte die St.-Ursentreppe wieder einmal. Die Schanzenarre setzten auf ein einfaches, aber äusserst wirkungsvolles Sujet: Das Piratenschiff «Black Pearl» aus «Pirates of the Caribbean» gefolgt von einer blauen Riesenkrake und entsprechend beschallt, das haut halt einfach hin. Und so feierten die Piraten sich und ihr Publikum mit einer tosenden Ovation, wobei der Soundtrack der Hollywood-Produktion ein «Plagiat» ist: Schon vor einem Jahr hatten nämlich die Honolulesen diesen auf ihrem griechischen Kriegsschiff eingesetzt.

Magisches Solothurn

Offenbar inspiriert durch den schwarzen Humor der Wüude im Vorjahr machten auch die Konfettistampfer auf voll krass: Totenköpfe als Gring mögen Kinder erschrecken, aber der häufige Gebrauch macht sie nicht origineller. Noch genug Pfeile im Köcher für den Dienstagsumzug haben die Robin Hoods der Glungge-Hüpfer. Ob diese jedoch etwas gegen die Magie des Hauptgass-Leists ausrichten könnten, ist fraglich. Herrlich die riesigen Stelzengänger-Zauberer, wunderschön gearbeitet die Details an ihrem Wagen, angefangen beim Muttiturm vorne, über ein drehbares Karussell-Dach bis hin zu Hausfassaden aus der Altstadt. Der letzte magische Moment eines Umzugs, der morgen erneut eine Chance verdient hat.