Stadttheater
Der Umbau des Stadttheaters in Solothurn wirft weiterhin Fragen auf

Die «Sanierung 2.0» wird kommenden Dienstag den Gemeinderat beschäftigen. Nebst Privatpersonen macht sich auch die CVP für das erhaltenswerte Barocktheater stark.

Andreas Kaufmann
Drucken
Teilen
Malereien hinter den Brüstungsbezügen
10 Bilder
Malereien hinter den Brüstungsbezügen
Stadttheater Solothurn

Malereien hinter den Brüstungsbezügen

Hanspeter Bärtschi

Nicht nur auf dem Stadtbauamt wurden die Ärmel hochgekrempelt, als der Fund spätbarocker Malereien im Saal des Stadttheaters letzten Sommer neue Vorzeichen in Sachen Sanierung setzte. Privatpersonen - und mit einer Interpellation im Herbst auch die CVP - machten sich fürs umso erhaltenswertere Barocktheater stark. Nächsten Dienstag soll der von Susan von Sury und Barbara Streit eingereichte Vorstoss vom Gemeinderat thematisiert werden.

Im Kern legen die Interpellantinnen den Finger auf dieselben Wunden wie auch Fritz Sebald und Käthi Scartazzini, die beide als Privatpersonen je eine Einsprache gegen das «Wie» der neu aufgegleisten Theatersanierung erhoben hatten. Primär steht die Regiekabine zur Debatte, die nach Befürchtungen der CVP das barocke Ambiente beeinträchtigen könnten, weil sie in den Raum hineinragt (wir berichteten). Dem hält das Stadtpräsidium in der Interpellationsantwort entgegen, dass seitens Theaterbetrieb eine solche als zwingend erachtet werde. Auf Anfrage teilte Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamts, zudem mit, dass der Blickwinkel auf die Bühne nur mit einer vorgelagerten Regiekabine hinreichend gross ist. Mit einer von der Denkmalpflege sowie weiterer Experten verkleinerten Kabinenlösung gehen sechs Plätze (statt im ersten Entwurf elf) verloren, zuzüglich weiteren elf, die mitunter wegen der erhaltenswerten Brüstung wegfallen. Damit wird aktuell von einem Gesamtplatzangebot von 263 Plätzen ausgegangen - in der ersten «Sanierungsrunde» waren es noch 280.

«Unlogisch und seniorenfeindlich»

Ein weiterer grosser Kritikpunkt betrifft die Platzierung der Garderoben im ersten Stock, der sich vor allem für gebrechliche Menschen als problematisch erweisen könnte. Was die CVP lediglich als Frage einwarf, scheint für Scartazzini bereits beantwortet: «Es ist unlogisch und seniorenfeindlich, wenn die Garderobe nur über zwei nicht eben grosszügige Treppen und eine enge Tür erreicht werden kann», beanstandet sie. Für die Interpellantinnen stellt sich die Frage, ob die Kapazität des neuen Lifts ausreichen wird, um Wartezeiten gebrechlicher Besucher zu verhindern; diesen Punkt bejaht das Stadtpräsidium. Weiteres Thema der Interpellation ist auch das Café, das beim jetzigen Planungsstand im Parterre realisiert und dann intern betrieben werden soll. Dieses soll, wie das Stadtpräsidium weiter ausführt, Sichtbarkeit schaffen und sich für ein breites Publikum öffnen: Das Café soll für Lesungen, Infoveranstaltungen und Apéros ganzjährig genutzt werden.

Frühe «Sturmwarnung» ohne Effekt

Ungeachtet der Interpellation wird sich die Baukommission nun mit den beiden Einsprachen auseinandersetzen müssen. Lenggenhager bestätigte gegenüber dieser Zeitung, dass die Einsprachen die Fertigstellung des Stadttheaters durchaus verteuern und verzögern könnten. Gegen diese Aussage wehrt sich aber Käthi Scartazzini. Schon vor der Abstimmung am 11. März 2012 habe sie auf die Schwachpunkte hingedeutet, die nun in ihrer Einsprache einflossen: «Frau Lenggenhager hatte versichert, nach der Abstimmung mit mir Kontakt aufzunehmen, da hinsichtlich Planung noch alle Möglichkeiten offen ständen.» Trotz ihrer Bemühungen sei es zu keinen weiteren Gesprächen mehr gekommen.

«Wir pflegen eine offene Gesprächskultur, indem wir regelmässig übers Theater informieren», hält Lenggenhager entgegen. Man sei bereit, Inputs zu prüfen und Anfragen zu beantworten, könne aber nicht allen Änderungsvorschlägen nachgehen. Auch die Vorschläge Sebalds und Scartazzinis seien kritisch hinterfragt worden. Dass es immer verschiedene Meinungen über die Anordnung unterschiedlicher Nutzungen geben werde, sei klar. Das Projekt sei intensiv mit den Betreibern und den Spezialisten ausgearbeitet worden, betont Lenggenhager weiter: «Es liegt jedoch in unserer Aufgabe, das Projekt so zu realisieren, dass die Bedürfnisse und die Anforderungen des Betreibers gedeckt sind.»