Junges Theater Solothurn

«Der Tod den Toten, das Leben den Lebenden»

Die jungen Schauspieler stellen sich die Frage: Geht es darum, nicht zu sterben oder geht es darum, zu leben?

Die jungen Schauspieler stellen sich die Frage: Geht es darum, nicht zu sterben oder geht es darum, zu leben?

Der Jugendclub U21 feierte die Premiere seines neuen Stücks. Es spielt in einer Zukunft, in der die Menschen ihren Todestag kennen. Trotzdem versuchen sie, den Tod mit aller Macht zu verdrängen.

Haben wir das Recht, zu wissen, wann wir sterben? Nimmt uns das Wissen darum, die Angst vor dem Tod oder hilft es nur ihn zu verdrängen? Leben wir freier, wenn wir dem Tod keinen Platz in der Gesellschaft geben?

Mit solchen Fragen beschäftigt sich die U21-Gruppe des Jungen Theaters Solothurn im neuen Stück «Die Ereignisse, die zu meinem Tode führten». Die Jugendlichen leben in einer Zukunftswelt, in welcher der Todeszeitpunkt genau berechnet werden kann. Bevor die Lebensuhr abläuft, leistet jeder seinen letzten Dienst und verschwindet aus der Gesellschaft, um zu sterben. Auf diese Weise wird der Tod verdrängt und erhält keinen Platz mehr im Leben.

Die Erwachsenen sind sich an dieses Leben ohne Tod gewöhnt und bewahren die Ordnung des Systems. Übermächtig wachen sie im Stück als Mutter, Ärztin, Lehrerin und Rektorin über den Jugendlichen und machen ihnen immer wieder klar: «Der Tod den Toten, das Leben den Lebenden.»

Angst vor dem Tod

Als eine Schülerin aber an Krebs erkrankt, tritt der Tod plötzlich ins Leben der Jugendlichen. Im Verlauf des Stücks beschäftigen sie sich mit ihren Ängsten und Zweifeln gegenüber dem Tod und mit der Sehnsucht zu leben. Sie begegnen dem tiefgründigen Thema mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor.

Grossartiges Schauspiel

Das Stück wurde vom jungen Theaterautor Lukas Linder speziell für die U21-Gruppe des Jungen Theaters Solothurn geschrieben. Er hat einzigartige und liebenswürdige Charaktere erschaffen, die sich mutig den grossen Fragen über Leben und Tod stellen. Die Schüler fechten ihre emotionalen und moralischen Kämpfe untereinander aus, während die Erwachsenen keinerlei Verständnis dafür zeigen. Mit einer starken und kühlen Aura sticht Fiona Fankhauser als Rektorin unter den Erwachsenen heraus. Unter den Schülern erbringen Nora Maritz und Elias Baumann als das junge Liebespaar Josephine und Maurice eine schauspielerische Glanzleistung. Aber auch deren Gegenspieler Nadja Bruder als Herta und Tristan Grütter als Kaspar verkörpern ihre Rollen so glaubwürdig, als ob sie ihr eigenes Leben auf der Bühne vorführten.

Unter der Leitung von Andreas Schmidhauser und Christof Oser bringt die U21-Truppe ein unterhaltsames Schauspiel auf die Bühne, das dennoch nachdenklich macht. Die Parallelen zwischen dem Stück und unserer Gesellschaft sind deutlich. Obwohl der Tod heute noch nicht ganz von der Bildfläche verschwunden ist, müssen wir uns doch immer weniger mit ihm auseinandersetzten. Alte und kranke Menschen werden in Heimen und Spitälern versorgt und vom Rest der Welt abgeschirmt. Da stellt sich zurecht die Frage, wie sie auch im Stück aufgeworfen wird: Wie viel Platz und Gewicht geben wir dem Tod heute noch?

Speziell für Schulklassen

Unter der Leitung von Regisseur Christof Oser wird speziell für Schulklassen ein Workshop zur Vorbereitung oder eine Nachbesprechung im Schulzimmer oder in den Proberäumen des Theaters angeboten. Es besteht auch die Möglichkeit eines Publikumsgesprächs mit den Schauspielern direkt im Anschluss an die Schulvorstellung.

Schulaufführungen im Stadttheater Solothurn: Mo 18.5. 14 Uhr und Di 19.5. 14 Uhr

Letzte öffentliche Aufführung im Stadttheater Solothurn: Mi 20.5. 19.30 Uhr.

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