Steinbrugg-Allee
Der Tanz wird Teil der Landschaft

Anja Gysin und ihre Dance Company zeigten fesselnde Bewegungsbilder in der Steinbrugg-Allee.

Gundi Klemm
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Die «Blaue Stunde» lieferte eindrucksvolle Bilder aus der Steinbrugg-Allee. Fotos: Sabine Burger

Die «Blaue Stunde» lieferte eindrucksvolle Bilder aus der Steinbrugg-Allee. Fotos: Sabine Burger

SABINE BURGER

Mit «Die blaue Stunde» betitelte die Solothurner Tänzerin und Choreografin Anja Gysin ihr experimentelles Bewegungstheater. Als «open air»-Spielort dieser Uraufführung hatte sie die von Schloss Steinbrugg bis zur Aare und darüber hinaus bis auf die Fussgängerbrücke führende Allee ausgesucht. Die acht Mitglieder ihrer international besetzten Gruppe «Dance Company betweenlines» widmeten sich in fesselnden Bewegungsbildern der Natur. Der Natur, wie sie von den mächtigen Alleebäumen, deren Zwischenräumen, dem im Abendlicht schimmernden Fluss und dem vom Publikum mitbeschrittenen Weg hier geprägt wird.

In «Die blaue Stunde» als seit der Romantik verehrte, von Dichtern beschriebene Zeitspanne zwischen Tag und Traum, taucht das Licht nach dem Sonnenuntergang Himmel und Gegenständliches für eine gewisse Weile in dieses fast sehnsuchtsvolle, milde Blau. Diese Färbung lässt die Realität vergessen und öffnet das Empfinden für schöpferische, emotional bestimmte Eindrücke. Für diesen Zeitpunkt an der Schwelle zur Nacht hatte Anja Gysin ihre fantasievolle Komposition, die sich durchaus individuell interpretieren lässt, geschaffen. Gysin ist seit Jahren schon mit beachteten Produktionen an die Öffentlichkeit getreten.

Pulsschlag der Natur

Eine Performerin in grünem Kleid, deren verlängerte Haare wie Wurzeln im Hintergrund hafteten, liess wie in einem Prolog zur Gesamtgestaltung unsere menschliche Bindung an alles Natürliche erfahren: Auch wenn wir uns wie sie gewaltsam losreissen, bleiben wir doch weiterhin Teil der Natur. Geleitet von Anja Gysin folgte das Publikum dem sich vor seinen Augen entwickelnden szenischen Geschehen, das die weiss gekleidete Truppe in unterschiedlichen Formationen als Läufer, im angedeuteten Kampfsport, im Überwinden menschlicher Hindernisse und als Baumflüsterer gestaltete.

Angeschmiegt an Bäume lauschten die Mitwirkenden – durchaus eindringlich fürs Publikum- dem Pulsschlag der Natur. Mittels schräg gestelltem Sonnenschirm, der symbolisch wie ein «Traumfänger» zu deuten war, erreichten Tänzerinnen und Tänzer die beiden, an straffe Seile gebundenen Gruppenmitglieder, die unter zarten Sphärenklängen mit beachtlicher Köperspannung statisch in slow motion einander zu berühren suchten. Ob die herbeigebrachten Spiegel Selbstreflexion oder Liebe für die Mitwelt förderten?

Engelsgleich auf der Aare

Zwei Tänzer liessen nach einem improvisiert rezitierten Gedicht in französischer Sprache über Freundschaft und Seelenverwandtschaft ein den Formen des modernen künstlerischen Tanzes entsprechendes, kraftvolles «Pas de Deux» erleben. Vorbei an Feuerkugeln war die Brücke erreicht, die einen Blick auf die ruhig fliessende Aare, die Lichtreflexe der nahen Stadt und auf eine näher kommende, engelgleich wirkende Figur erlaubte. In einem Ruderboot glitt sie als weisse Erscheinung angestrahlt zu den Zuschauenden auf der Brücke. Begleitet wurde diese poetische Szene von Pianist Samuel Blatter, der live auf einem auf der Brücke installierten Klavier seine zarte Endlosmelodie spielte.

Von der Stimmung, die diesen Abend und vor allem die umgesetzten Ideen durchzog, zeigte sich das Publikum mit lang anhaltendem Beifall begeistert. An der impressiven Szenenfolge mitbeteiligt war Dramaturgin Marion Rothhaar.

Weitere Vorstellungen finden am 12., 13., und 14. sowie an den Abenden vom 20. bis 22. Juni, jeweils um 21.21 Uhr statt. Die Abendkasse befindet sich – thematisch passend – auf einem Baum nahe dem rückwärtigen Eingang zum Garten von Schloss Steinbrugg.

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