Tag der Frau

Der Tag der Frau regte zur Diskussion über die Schönheit an

Der Internationale Tag der Frau stand im Kreuzsaal in Solothurn ganz im Zeichen der Schönheit. Was denn ein schöner Mensch sei, darüber war man sich beim Podiumsgespräch nicht einig.

Gross oder klein, blond oder brünett, schlank oder mollig? Über die Frage, was eine Frau zur Schönheit macht, hat man sich seit es Frauen gibt, die sich mit ihrem Aussehen selbst und der jeweiligen Gesellschaft genügen müssen, gestritten. Dass sich zum Tag der Frau auch das 8.-März-Komitee an das schwierige Thema heranwagte, zeugt von Sensibilität und dem Wissen, dass Frauen das Schönheitsideal, dem sie vor allem in jungen Jahren nacheifern, in den seltensten Fällen erreichen und unter den an sie gestellten Anforderungen mehr leiden, als schlichtweg angenommen wird. Und da es wissenschaftlich keine knallharte Definition gibt, was Schönheit ist, lud das just vor zehn Jahren als Antwort auf die Abwahl von Bundesrätin Ruth Metzler gegründete Frauenkomitee vier beruflich unterschiedlich tätige Frauen zu einem Podiumsgespräch ein. Den Fächer weit zu spannen und als Gesprächsleiterin die erfolgreiche Wissenschaftsredaktorin von Radio SRF, Katharina Bochsler, zu wählen, war eine gute Voraussetzung, in ein heikles Thema Spannung zu bringen.

Bereits bei der ersten Frage von Bochsler: «Was ist ein schöner Mensch?» war klar, dass es nebst einem makellosen Körper auch eine Schönheit auf den zweiten Blick gibt und jeder Mensch ein ihm eigenes Schönheitsempfinden hat. Aus der Sicht der Philosophin und Psychoanalytikerin Maja Wicki bestand jedenfalls kein Zweifel: «Schönheit ist die Übereinstimmung im Verhalten und im Sein.» Was unter anderem auch heisse: Wer über die Schönheit eines Menschen urteilen wolle, müsse diesen als Ganzes wahrnehmen.

«Machen Sie mich schöner»

Nicht primär um das seelische Befinden, sondern um Symmetrien wie eine zu grosse Nase oder den Wunsch nach einer Brustvergrösserung geht es bei der plastischen Chirurgin Mirjam Zweifel, die sich bei ihren Klientinnen immer wieder mit dem Satz «Machen Sie mich schöner» auseinandersetzen muss. «Was soll den schöner sein und weshalb?», laute dann die Gegenfrage, um zu erfahren, was tatsächlich hinter dem Wunsch stecke. «Oft ist es ein Freund, oder die Betroffenen wollen selbst einem Schönheitsideal nacheifern», wusste die Ärztin, die kleinen Eingriffen durchaus nicht abgeneigt ist.

Die Frage von Katharina Bochsler, ob Kleider ein Mittel zur Schönheit seien, beantwortete die Solothurner Designerin Alena Nobs klar mit einem Ja. «Frauen haben konkrete Bilder im Kopf, wie sie aussehen möchten. Ich schaue mir die Menschen an und versuche sie einzuordnen und ihre Bedürfnisse zu erfüllen.» Dass auch die Auseinandersetzung mit der Kunst ein Weg ist, etwas über die epochal bedingten Schönheitsideale zu erfahren, wusste die Künstlerin Fränzi Neuhaus: «Kunst ist immer auch ein Mittel, auf ein Thema aufmerksam zu machen.»

Ob Künstlerin, Designerin, Ärztin oder Philosophin, alle waren sich schliesslich einig, dass es - um sich in seiner Haut wohlzufühlen - letztlich davon abhängt, ob man den Mut hat, sich so zu akzeptieren, wie man ist, und auch der inneren Schönheit Wert beimisst. Maja Wicki formulierte dies so: «Je sicherer der Blick auf sich selbst ist, desto wohlwollender ist auch die Akzeptanz der anderen.» Ein nicht einfacher Weg, wenn man bedenkt, dass man ständig der Beobachtung und Bewertung der Umwelt ausgesetzt ist.

Ein tolles Programm

Ganz in der Absicht der Veranstalterinnen, alle Sinne anzusprechen, stand auch das restliche Programm. Mit viel Improvisationstalent zeigte die Verwandlungskünstlerin Sirkka Christina Varonen anhand von rissresistenten Papierbahnen auf, wie die Frauen in allen Jahrhunderten versuchten, durch die Kleidung auf sich aufmerksam zu machen und zu gefallen. Zwischen Jazz, Folk und lyrischem Pop bewegte sich die Solothurner Sängerin und Komponistin Adina Friis, die im proppenvollen Kreuzsaal zu entzücken vermochte. Mit ihrer samtweichen Stimme, mit der sie auch unangenehme Dinge hinterfragt, und ihrer Leidenschaft für das Klavier reihte sie sich nahtlos in das mit viel Engagement zusammengestellte Programm ein.

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